Stadt Leer will Ordnung schaffen „Rumpelkammer“-Rathaus soll auch innen ein Schmuckstück werden
Das Leeraner Historische Rathaus ist ein echtes Schmuckstück, um das andere Kommunen die Stadt beneiden. Einige Stadtführer wollen es von Innen ihren Gästen allerdings nicht zumuten.
Leer - Weiße Billig-Aufsteller mit Flyern, eine prächtige riesengroße Standuhr, alte Stühle, drei Sorten Vitrinen, kleine Tischchen: Im Erdgeschoss des Historischen Rathauses steht ein bunter Mix von Einrichtungsgegenständen. In den anderen Etagen sieht es nicht anders aus.
Was und warum
Darum geht es: Auf den verschiedenen Etagen des Historischen Rathauses steht ein chaotisches Sammelsurium von Einrichtungsgegenständen. Das soll anders werden.
Vor allem interessant für: alle Leeraner und Besucher, die in das Historische Rathaus kommen
Deshalb berichten wir: Die Stadtverwaltung hat ihre Pläne im Wirtschaftsausschuss vorgestellt. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Ein „heterogenes Erscheinungsbild“ umschreibt das Architekt Arnd Vickers aus Lingen höflich. Er meint damit auch die Wanddekoration in dem Gebäude: eine Mischung aus Türschildern mit unterschiedlichen Schrifttypen und Farben, Gemälden und Gastgeschenken, die „hingehängt wurden, wo Platz war oder wo sie gut aussahen“. Günter Podlich, für die FDP im Stadtrat und gleichzeitig Stadtführer, berichtete in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur (WTKA) von Stadtführerkollegen, die ihre Gäste nicht ins Historische Rathaus führten, weil sie es für „eine Rumpelkammer“ hielten.
Mehr Ordnung soll kommen
Das soll anders werden – irgendwann jedenfalls. Vickers hat im Auftrag der Stadtverwaltung ein Konzept erstellt, wie mehr Ordnung und System in das alte Gebäude kommen kann, um das viele Kommunen Leer beneiden.
„Nach und nach ist aus den Überlegungen zu den neuen Vitrinen ein neues Konzept geworden“, sagt Abraham. Dessen komplette Umsetzung werde aber sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen und müsse auch erst mit allen Beteiligten besprochen und von der Politik genehmigt werden.
Als erstes gibt es neue Vitrinen und Sitzmöbel
Im ersten Schritt, für den die Verwaltung schon das Okay des WTKA bekommen hat, geht es um die Vitrinen und einige Sitzmöbel, um für den Festakt am 11. Juli ein würdiges Umfeld zu schaffen. Für die Vitrinen sind 23.000 Euro eingeplant, jedes Sitzmöbel kostet zwischen 500 und 600 Euro. Beides sind Entwürfe von Vickers und aufeinander abgestimmt. Die Sitzmöbel sind vielseitig einsetzbare Module, die auch als Gestell für die Vitrinen oder gestapelt beispielsweise als Stehtisch genutzt werden können. In ihrer sachlichen und zurückgenommenen Form sollen sie einen Kontrast zu Möbeln und Bauelementen aus der Zeit des Historismus bilden, die reich an Ornamenten sind.
Für dringend verbesserungswürdig halten Abraham und Vickers auch die Beschilderung im Gebäude. Das betrifft die große Tafel am Haupteingang, bei der heute noch jeder Buchstabe einzeln gesteckt werden muss und die durch ein großes Display ersetzt werden soll. Das betrifft aber auch die Beschilderung der einzelnen Räume, die heute selbst für nebeneinander liegende Zimmer ganz unterschiedlich ist. Die diversen Gastgeschenke, die derzeit durchs ganze Gebäude verteilt sind, könnten im zweiten Obergeschoss vor dem Ratssaal präsentiert werden.
Nichts von Wert wird weggeworfen
Veränderungen stehen auch für Raum 2 an, wenn es nach Abraham und Vickers geht. Das ist das große Zimmer, dass gleich links hinter dem Haupteingang liegt. Heute wird es mal als Ausstellungs-, mal als Versammlungsraum genutzt. Besucher des Archivs können hier auch bereitgelegte alte Bände oder Dokumente studieren. Aus dem Zimmer soll ein Hybrid-Raum werden, der dank der Module schnell und unkompliziert umgebaut werden könne, sagt Vickers. In einen Teil der Tische könnten Displays eingelassen werden, über die die Akten und Dokumente aus dem Archiv digital zur Verfügung gestellt werden könnten. Das mache die Arbeit daran komfortabler und schone sie gleichzeitig.
Das alles sind Pläne, die irgendwann später und dann im engen Austausch mit der Politik und den verschiedenen Nutzern des Rathauses abgestimmt werden könnten, sagt Abraham. Und was passiert mit den diversen Einrichtungsgegenständen, die heute im Historischen Rathaus stehen? Schöne Möbel, die ins neue Konzept passen, würden wieder aufgestellt, sagt Abraham. „Aber wir wollen nicht den Fehler machen, so viel wie möglich zu zeigen, sondern wir möchten eine Ordnung erreichen, die bleibt.“ Sicher sei aber: Es werde nichts weggeworfen, das noch einen Wert habe.