Hamburg  Neue Serie „Der Greif“: Ist das die deutsche Version von „Stranger Things“?

Laura-Cäcilia Wolfert
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Von Laura-Cäcilia Wolfert
| 24.05.2023 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Jeremias Meyer ist als Mark in der neuen Amazon Prime Serie „Der Greif“ zu sehen. Foto: ©Gordon Timpen, Amazon Studios
Jeremias Meyer ist als Mark in der neuen Amazon Prime Serie „Der Greif“ zu sehen. Foto: ©Gordon Timpen, Amazon Studios
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Die Amazon Prime Serie „Der Greif“ basiert auf dem Krimi von Wolfgang und Heike Hohlbein – eine deutsche Produktion, die bald international zu streamen ist. Hauptdarsteller Jeremias Meyer spricht über Ähnlichkeiten zur Kultserie „Stranger Things“, Monster, Mixtapes und Metallica.

„Der Greif“ erscheint am 26. Mai auf der Streamingplattform „Amazon Prime“. Die deutsche sechsteilige Serie ist dann nicht nur national, sondern über die Landesgrenzen hinaus in verschiedenen Sprachfassungen abrufbar. Ob sie international erfolgreich sein wird?

Davon profitieren könnte Jeremias Meyer. Er spielt die Hauptrolle in „Der Greif“ und war als Schauspieler bereits in „Die Vampirschwestern“ zu sehen und zuletzt in „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Der 23-Jährige erzählt im Interview, ob er nun mit Monstern sprechen kann.

Hier sehen Sie den Trailer zu „Der Greif“:

Frage: Herr Meyer, wann haben Sie das letzte Mal unter das Bett geschaut, um sicherzugehen, dass sich da kein Monster (oder Greif) befindet?

Antwort: Jeremias Meyer: Vor einer Woche. Da hat irgendjemand an der Tür geklingelt, das war für einen kurzen Moment etwas spooky. Und: Im Sommer war ich nachts im Hof, da habe ich ein Geräusch aus dem Fahrradschuppen gehört und gefragt, wer da ist: „Hallo? Haaallooo?!“ Auf dem Boden lag ein Apfel, weil direkt daneben ein Apfelbaum steht. Den habe ich genommen und gegen die Tür des Schuppens geworfen. Es war aber wohl niemand da. 

Frage: Wie lange haben Sie an Monster geglaubt?

Antwort: Ich weiß nicht, wie lange. Ich weiß nur, dass ich als Kind sehr gerne Fantasygeschichten gelesen habe. Neben all den großen Klassikern, habe ich auch Bücher wie Artemis Fowl und Eragon verschlungen. Weil immer der Wunsch in mir war – und den kennen vermutlich viele Leute – dass mir so etwas mal passiert. Dass ich auch mal in eine Fantasywelt abtauche, oder sie entdecke. Ich möchte an dieser Stelle kein peinliches Alter nennen (lacht), aber diesen Wunsch hatte ich relativ lange. Da war ich bestimmt schon zehn Jahre alt. 

Frage: Für die Kostüme der übernatürlichen Kreaturen in „Der Greif“ wurden von Mitarbeitern des berühmten mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro entworfen - das klingt vielversprechend. Wie echt, wie angsteinflößend sahen die Figuren am Set aus?

Antwort: Für die übernatürlichen Kreaturen wurde mit VFX, also mit visuellen Effekten und Prothesen gearbeitet. Das heißt, die sahen beim Dreh selbst gar nicht so gruselig aus. Es gab aber auch Situationen, bei denen wir über einen Berg gerannt und von Personen verfolgt worden sind, die Kostüme anhatten. Die sahen richtig gut aus, das hat realistisch gewirkt – dementsprechend war das Gefühl der Angst einfacher darzustellen. Ungewohnt waren eher Situationen, wie die mit den Insekten: Als Mark, meine Rolle, das Buch öffnet, krabbeln viele Viecher heraus. In Echt stand jemand mit einer Angel vor mir und hat mit einer kleinen Metallkugel hin und her gewackelt. Dass das keine Metallkugel, sondern Käfer sind – da muss man sich gedanklich erst einmal drauf einlassen. 

Frage: Welcher Thriller- oder Horrorfilm hat Sie geprägt?

Antwort: Ich mache einen großen Bogen um Horror. Ich habe einmal, da war ich noch viel zu jung, einen Horrorfilm gesehen und konnte danach nicht mehr einschlafen. Das sind zwar gute und anspruchsvolle Filme, die wichtige Themen beinhalten – trotzdem ist das nicht mein Genre. Vielleicht bin ich zu schreckhaft. Was ich mir trotzdem zuletzt angeschaut habe, war Stranger Things. Da bin ich ein großer Fan. 

Frage: Erkennen Sie die Ähnlichkeiten zu „Stranger Things“? Beide Serien spielen in den Achtziger und Neunziger Jahren, handeln von Teenagern, die eine mysteriöse Welt entdecken.

Antwort: Wenn ich unsere fertige Serie sehe, verbinde ich die Szenen mit den jeweiligen Drehtagen - hat es da geregnet, hatten wir es eilig? Deswegen habe ich keinen neutralen Blick. Außerdem habe ich während der Dreharbeiten keine anderen Sachen angeschaut – allem nichts, was in einem ähnlichen Genre passiert. Wenn man aufgerufen wird, soll man in der Szene und nicht mit dem Kopf woanders sein. Deswegen hatte Stranger Things keinen Einfluss auf „Der Greif“. Aber ja, letztendlich kann man den Vergleich aufmachen. 

Hier sehen Sie das Instagram-Profil von Jeremias Meyer:

Frage: Wenn Sie in Ihre Rolle schlüpfen, machen Sie damit eine kleine Zeitreise. Die Serie spielt in den Achtziger und Neunziger Jahren. Wie bereitet man sich darauf vor?

Antwort: Mit Musik! Der Moment, wenn man in das Kostüm überzieht, ist besonders – ab da schlüpft man in seine Rolle und lässt alle privaten Angelegenheiten hinter sich, im Trailer (Anm. d. Red. Wohnwagen). Dabei habe ich immer eine Playlist gehört, mit Musik, die in den Neunzigern entstanden ist. Wenn ich die Songs heute höre, fühle ich mich direkt wieder in die Zeit hineinversetzt - damit meine ich aber eher die Drehtage anstatt die Neunziger. 

Frage: Wir wollen ein Beispiel: Welcher Song findet sich in dieser Playlist?

Antwort: Creep von Radiohead habe ich viel gehört!

Frage: „Der Greif“ erscheint ja nicht nur in Deutschland, sondern ist international zu streamen. Haben Sie schon einer Ihrer Synchronstimmen gehört?

Antwort: Ne, leider noch nicht - aber ich bin total gespannt. Ein Film, den ich als Kind gedreht habe, Vampirschwestern, wurde auf Spanisch synchronisiert. Da habe ich mal reingehört, da klang ich plötzlich mega sexy! 

Frage: Für die Monster, die in der Serie vorkommen, hat ein Sprachwissenschaftler sogar eine neue Sprache erstellt. Mussten Sie diese lernen?

Antwort: Dominik, der die Sprache erfunden hat, war regelmäßig am Set. Er hat die Monster gecoacht, damit sie die Sprache lernen. Wir saßen in einer Pause mal für eine Stunde zusammen, da hat er aus Spaß versucht, mir ein paar Wörter beizubringen. Es ist aber wahnsinnig schwierig, die richtig auszusprechen. Ich bin froh, dass ich es weder verstehen noch sprechen musste. 

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