Konzernpläne für E-Autos  Zerstört VW die Träume vom Batteriewerk in Emden?

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 20.05.2023 08:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Emden läuft die Produktion von Elektroautos bereits. Viele würden sich wünschen, dass in der Stadt künftig auch die Batteriezellen für die Fahrzeuge gefertigt werden. Foto: Ortgies/Archiv
In Emden läuft die Produktion von Elektroautos bereits. Viele würden sich wünschen, dass in der Stadt künftig auch die Batteriezellen für die Fahrzeuge gefertigt werden. Foto: Ortgies/Archiv
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Seit Jahren wird über eine mögliche Fabrik für E-Auto-Batteriezellen in Emden diskutiert. Laut einem „Spiegel“-Bericht will VW die Pläne nun begraben – wegen zu hoher Strompreise.

Emden/Wolfsburg - Erteilt Volkswagen dem Wunsch nach einer Batteriezellfabrik in Ostfriesland eine Absage? Das legt zumindest ein Bericht des Magazins „Der Spiegel“ nahe: Der Wolfsburger Konzern sehe derzeit keine Chance auf eine zweite Batteriefabrik in Niedersachsen, weil die Energiepreise in Deutschland zu hoch seien, heißt es darin. In Salzgitter entsteht derzeit Volkswagens erster Standort zur Fertigung von Batterien für Elektroautos, fünf weitere sollen bis 2030 in Europa folgen. Die Pläne für ein Werk in Spanien sind bereits beschlossen, als möglicher Standort für eine der weiteren geplanten Fabriken war immer wieder auch Emden im Gespräch.

Für Ostfriesland starkgemacht hat sich hierbei Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist. „Dieses Werk hat nach meiner tiefen Überzeugung seine besten Zeiten noch vor sich“, sagte er etwa Ende vergangenen Jahres bei einem Besuch in Emden und versprach, sich weiterhin für den Bau eines Batteriezellwerks in der Region einzusetzen – auch, um das Bundesland im Bereich der zukunftsträchtigen E-Auto-Industrie zu stärken. Inzwischen habe VW dem Ministerpräsidenten allerdings vorgerechnet, dass eine solche Fabrik in Deutschland derzeit nicht wirtschaftlich betrieben werden könne, berichtet „Der Spiegel“ und beruft sich dabei auf eine nicht näher genannte Quelle im Umfeld des Konzerns.

Niedersachsen fordern gedeckelten Strompreis für die Industrie

Manfred Wulff, Betriebsratschef im Emder VW-Werk, sieht im Gespräch mit unserer Redaktion aber weiterhin Chancen für eine Batteriefertigung in Ostfriesland. Es habe erst in dieser Woche ein Treffen mit Weil gegeben, bei dem sich der Ministerpräsident optimistisch gezeigt habe, was eine seiner Forderungen angehe: den gedeckelten Strompreis für die sich im Wandel befindliche Industrie – von der Landesregierung „Transformationsstrompreis“ genannt. Bereits Ende April hatte Weil angekündigt, dass sich Niedersachsen auf Bundesebene dafür einsetzen wolle, den Strompreis für energieintensive Industrien ab dem kommenden Jahr auf maximal sieben Cent pro Kilowattstunde zu deckeln und den Betrieben hiermit für zehn Jahre Planungssicherheit zu geben. Derzeit liegt der Strompreis für mittlere und große Unternehmen bei 13 Cent pro Kilowattstunde, für die kommenden Jahre werden Preise zwischen elf und 15 Cent erwartet.

Profitieren könnte davon auch Volkswagen. „Wir brauchen den Transformationsstrompreis. Das ist für mich alternativlos“, sagte Wulff. Der Konzern benötige für die derzeit auch in Emden laufende Umstellung der Produktion auf Elektroautos und die energieintensive Herstellung von Batteriezellen den Strompreisdeckel. „Sonst können wir mit Nordamerika und Asien nicht mithalten“, so Wulff.

VW hatte zuletzt Schwierigkeiten auf dem wichtigen chinesischen Markt: Die Verkäufe der Wolfsburger sanken dort zugunsten einheimischer Hersteller, die mit kleineren E-Modellen und mehr Unterhaltungselektronik eher den Geschmack in der Volksrepublik zu treffen scheinen. Für den nordamerikanischen Markt setzt VW hingegen auch auf den ID.7, der ab diesem Sommer in Emden gebaut wird und von dort auch in die USA und nach Kanada exportiert werden soll.

Mit Material von DPA

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