Demo am 10. Juni  Wolfsgegner treffen in Aurich auf Wolfsschützer

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 19.05.2023 18:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
So ähnlich könnte es aussehen, wenn sich am 10. Juni Trecker aus allen Himmelsrichtungen nach Aurich begeben. Foto: Archiv/Ortgies
So ähnlich könnte es aussehen, wenn sich am 10. Juni Trecker aus allen Himmelsrichtungen nach Aurich begeben. Foto: Archiv/Ortgies
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Am 10. Juni treffen bei einer Demo in Aurich Wolfsgegner und Wolfsschützer aufeinander. Polizei und Ordnungsamt stehen vor einer Herausforderung.

Aurich - Die große Anti-Wolfs-Demo am 10. Juni in Aurich stößt auf Widerstand. Bei der Stadt Aurich sind für denselben Tag drei Gegenkundgebungen angezeigt worden, wie Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht auf Nachfrage bestätigt: eine von der Organisation „Ostfriesen gegen Tierleid“, zwei von der Antifaschistischen Aktion Ostrhauderfehn. Die „Ostfriesen gegen Tierleid“ wollen sich nach Angaben von Mitorganisatorin Jutta van Vorst mit Plakaten, Bannern und Fahnen an der Emder Straße aufreihen – also dort, wo die Traktoren der Anti-Wolfs-Demo vorbeifahren. „Wir wollen friedlich für den Schutz des Wolfs eintreten“, sagt van Vorst. „Wir wollen keine Konfrontation.“ Sie rechne mit 30 bis 50 Teilnehmern.

Die anderen beiden Gegenkundgebungen stehen unter dem Motto „Schluss mit der Hetze! Freiheit für den Wolf!“ und sind der Stadt von Roger Miller angezeigt worden, ohne konkrete Teilnehmerzahl. Um 15 Uhr will sich der Antifaschist aus Ostrhauderfehn auf dem Marktplatz postieren, um 18 Uhr auf dem Parkplatz der Sparkassen-Arena – zu genau dem Zeitpunkt, an dem dort auch die Kundgebung der Wolfsgegner läuft. Angst vor einer Konfrontation habe er nicht, sagt der 69-Jährige. „Wir nehmen an, dass die Polizei uns zu schützen weiß.“

„Vor uns liegt eine spannende Aufgabe“

Die Stadt ist noch unschlüssig, wie sie mit der Situation umgeht. „Vor uns liegt eine spannende Aufgabe“, sagt Ordnungsamtsleiter Lücht. „Da müssen wir mal gucken, wie wir uns da aufstellen.“ Er sehe die Begegnung der Demonstranten pro und kontra Wolf „schon etwas kritisch“. Das Versammlungsrecht sei ein hohes Gut, aber: „Es muss ja auch händelbar sein.“ Womöglich werde man örtliche Einschränkungen aussprechen.

Bei der Kundgebung der „Ostfriesen gegen Tierleid“ sieht Lücht die Verkehrssituation mit Sorge. „Das ist immerhin eine Bundesstraße. Wenn sich da 30 bis 50 Leute im Seitenraum aufhalten, ist das nicht ungefährlich.“ Kommende Woche werde das Ordnungsamt mit der Polizei und den „Ostfriesen gegen Tierleid“ den Ablauf der Kundgebung abstimmen. Antifaschist Miller hingegen lehnt ein Koordinierungsgespräch mit der Stadt ab. „Wir führen unsere Kundgebung friedlich durch.“ Mehr müsse man dazu nicht sagen.

„Wir wollen wieder angstfrei leben“

Die große Anti-Wolfs-Demo am 10. Juni wird von der Vereinigung „Land schafft Verbindung“ (LsV) und dem Friesischen Verband für Naturschutz organisiert. Die Organisatoren rechnen mit bis zu 3000 Teilnehmern. Sie wollen Ostfriesland zur wolfsfreien Zone machen. „Wir wollen wieder angstfrei leben und arbeiten“, heißt es im Demo-Aufruf. „Der Küstenschutz, die Weide- und Tierhaltung und damit unsere Kulturlandschaft sind in Ostfriesland durch den Wolf gefährdet.“ LsV plant eine Trecker-Sternfahrt. Am Nachmittag werden sich voraussichtlich rund 300 Traktoren aus Richtung Leer, Norden und Wittmund auf den Weg nach Aurich machen, wo für 18 Uhr eine Kundgebung vor der Sparkassen-Arena geplant ist.

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Miller regt sich über die Trecker-Aktion auf. „Es kann nicht sein, dass die alles lahmlegen“, sagt der 69-Jährige. Per E-Mail hat er das Auricher Ordnungsamt aufgefordert, die Sternfahrt zu untersagen. In einer Antwort-Mail verweist Ordnungsamtsleiter Lücht auf die im Grundgesetz garantierte Versammlungsfreiheit, die auch für die Organisatoren der Anti-Wolfs-Demo gelte. Miller hält dagegen: „Bei einer stationären Kundgebung ist es mitnichten zu akzeptieren, dass wild gewordene Bauern mit mindestens 100 Treckern durch Ostfriesland fahren und dabei normale Pkw-Lenker und Fußgänger gefährden, einmal abgesehen davon, dass die Umwelt verschmutzt wird und der Verkehr über eine längere Zeit zum Erliegen kommt.“

„Eine beispiellose Hasskampgne“

Auch inhaltlich kritisiert der Ostrhauderfehner die Anti-Wolfs-Demo: „Mit einer beispiellosen Hasskampagne gegen ein Wildtier werden hier niedrigste Instinkte geweckt“, heißt es in einer E-Mail Millers an den Auricher Bürgermeister. „Schon alleine das Plakat mit einem zähnefletschenden Wolf, dessen Bild mit roter Farbe durchgestrichen ist, zeigt, wes Geistes Kind die Initiatoren sind.“ Auf Facebook ruft Miller „alle wahren Tierfreunde“ auf, am 10. Juni nach Aurich zu kommen und Aktionen „gegen diesen Aufmarsch fehlgeleiteter WolfshasserInnen“ zu unterstützen.

Mit dem durchgestrichenen Foto eines zähnefletschenden Wolfs ruft der Friesische Verband für Naturschutz zur Anti-Wolfs-Demo am 10. Juni in Aurich auf.
Mit dem durchgestrichenen Foto eines zähnefletschenden Wolfs ruft der Friesische Verband für Naturschutz zur Anti-Wolfs-Demo am 10. Juni in Aurich auf.

Wenn es nach Miller ginge, würde er die Gegenkundgebung gemeinsam mit den „Ostfriesen gegen Tierleid“ und/oder der Tierschutzpartei organisieren. Die zeigen ihm jedoch die kalte Schulter. Jutta van Vorst von den „Ostfriesen gegen Tierleid“ winkt ab. „Wir sind vor einigen Jahren von Herrn Miller auf das Übelste beleidigt worden“, sagt sie. Eine Zusammenarbeit komme daher nicht in Betracht. Auch Diedrich Kleen, Ratsherr aus Wiesmoor und Mitglied der Tierschutzpartei, will mit Miller nichts zu tun haben. „Das ist mir zu krass“, sagt er über das Auftreten des Antifaschisten.

„Der Wolf ist ein schönes Feindbild“

Überhaupt sieht Kleen eine Kundgebung gegen die Anti-Wolfs-Demo nicht als zielführend an. „Das würde an diesem Tag nichts bringen, weil das Thema so emotional aufgeladen ist. Das würde die Stimmung unnötig anheizen.“ Die Argumente der Wolfsgegner seien „polemisch und sehr überzogen“. Niemand frage danach, ob Weidetiere ausreichend geschützt würden. „Es geht nur noch darum, den Wolf zu töten“, sagt der Tierschützer. „Der Wolf ist ein schönes Feindbild, und man kann damit von ganz vielen anderen Problemen ablenken.“

Kleen empfindet es als heuchlerisch, wie mit dem Thema umgegangen wird. Niedersachsen habe 20 Jahre Zeit gehabt, sich auf die Ankunft des Wolfs vorzubereiten. Das Thema sei verschlafen worden. Der Wiesmoorer plädiert dafür, Weidetierhaltern die Kosten für Schutzmaßnahmen wie Hunde und Zäune zu erstatten. „Damit die Leute wissen, dass sie nicht allein sind.“