Osnabrück  Wie sich der Einzelhandel verändern muss, um zu überleben

Louisa Riepe
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Von Louisa Riepe
| 18.05.2023 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Zahl der Schuhgeschäfte schrumpft Foto: Andreas Arnold/dpa
Zahl der Schuhgeschäfte schrumpft Foto: Andreas Arnold/dpa
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Die Zahl der Ladengeschäfte ist in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent gesunken. Schuld daran ist das Online-Shopping – könnte man meinen. Dabei könnte der stationäre Einzelhandel vom Internet-Handel profitieren.

Wenn Pamela Reif auf ihrem Instagram-Kanal im veilchenblauen Sport-Outfit posiert, bringt ihr das 133.000 Likes und 500 Kommentare. Die Reichweite der Anzeige dürfte bis zu 100-mal höher liegen. Reif ist eine der erfolgreichsten deutschen Influencerinnen und inspiriert Hunderttausende bei ihren Kaufentscheidungen.

Denn wem das Outfit gefällt, der findet über die Google-Suche im Online-Shop des Herstellers leicht die „Lieblingslooks“ der Influencerin. Leggings und Top sind im Angebot und auf Lager, Größenangaben („Unser Model ist 171 cm groß und trägt Größe S“) und Maßtabelle helfen den Kundinnen, die richtige Wahl zu treffen. Bestellung und Bezahlung sind mit wenigen Klicks erledigt, die Lieferung nach zwei bis drei Tagen zu Hause.

So oder so ähnlich kauft inzwischen ein Großteil der Deutschen ein: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2021 82 Prozent der Internetnutzer zwischen 16 und 74 Jahren online eingekauft. Während der Umsatz im Online- und Versandhandel seit Jahren steigt, ist er im stationären Einzelhandel sogar leicht rückläufig.

Das Statistische Bundesamt vermeldet dazu im November 2022: Von Januar bis September 2022 machten Bekleidungsgeschäfte elf Prozent weniger Umsatz als im selben Zeitraum 2019. Die Umsätze im Onlinehandel legten dagegen im selben Zeitraum um 31 Prozent zu. Jedes zehnte Ladengeschäft hat innerhalb von zehn Jahren geschlossen.

Bedeutet der Boom des Onlinehandels also langfristig das Aussterben der Innenstädte? Nicht unbedingt. Es gibt nämlich durchaus Argumente, mit denen der stationäre Einzelhandel in der Gunst der Kunden punkten könnte:

Um all das zu realisieren, müssen die Einzelhändler in den nächsten Jahren gewaltig investieren. Sie müssten ihre Lagerbestände katalogisieren und Verfügbarkeiten müssen in Echtzeit für die Kunden abrufbar sein. Online-Shops und Abholstationen müssen installiert werden. Und nicht zuletzt wird es darum gehen, den Kunden vom Anfang bis zum Ende ein durchlässiges, hybrides Einkaufserlebnis zu bieten: Der Online-Shop des Sportartikelherstellers würde dann auf das nächste Ladengeschäft verweisen, das die Outfits von Pamela Reif in der gewünschten Größe vorrätig hat.

Dass das heute schon machbar ist, zeigen Dienstleister wie SAP oder Shopify, aber auch der Deutsche Handelsverband (HDE) mit Pilotprojekten. Entscheidend für den Einzelhandel der Zukunft ist es jetzt, dass sich Geschäftsleute auf den Weg machen. Sie könnten vom Boom des Online-Handels profitieren, wenn sie sich nicht abhängen lassen.

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