Schondorf  Altersvorsorge mit nachhaltigen Fonds? Das sollten Sie beachten

Robert Thiel
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Von Robert Thiel
| 21.05.2023 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Für Menschen, die mit ihrer Anlage noch „etwas Gutes“ tun wollen, kommen ETfs, also börsennotierte Indexfonds, die die Kursentwicklung eines bestimmten Börsenindex nachbilden, oder aktiv gemanagte Investmentfonds in Frage. Foto: dpa/dpa-tmn/Zacharie Scheurer
Für Menschen, die mit ihrer Anlage noch „etwas Gutes“ tun wollen, kommen ETfs, also börsennotierte Indexfonds, die die Kursentwicklung eines bestimmten Börsenindex nachbilden, oder aktiv gemanagte Investmentfonds in Frage. Foto: dpa/dpa-tmn/Zacharie Scheurer
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Versicherer werben damit, Rendite und Nachhaltigkeit in fondsgebundenen Rentenversicherungen miteinander zu verbinden. Das richtige Angebot zu finden, ist gar nicht so leicht. Was Sie bei der Auswahl beachten sollten.

„GrüneRente: Weil das Leben Verantwortung braucht“, „Rendite und Nachhaltigkeit verbindet“, „Bewusst nachhaltig vorsorgen“ – so werben derzeit Versicherer für fondsgebundene Rentenversicherungen, bei denen in nachhaltige Fonds investiert werden soll. Denn immer mehr Menschen wollen bei ihrer zusätzlichen Altersvorsorge etwas für den Klimaschutz tun. Doch die oft hohen Kosten können die Anlage unrentabel machen.

Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen wird eine Fondsanlage mit einer Rentenversicherung kombiniert. Möglicher Vorteil: Durch eine Anlage in Aktienfonds erhöhen sich die Chancen auf gute Renditen. Umgekehrt sind aber auch Verluste möglich, vor allem dann, wenn die Auswahl der Fonds danebenging und die womöglich hohen Kosten der Anlage erheblich auf die Rendite drücken. Gleichzeitig erkaufen sich die Kundinnen und Kunden mit der Versicherung die Sicherheit, bei der Auszahlung des angesparten Vermögens eine lebenslange Rente zu erhalten. Wie hoch die Rente später einmal ausfallen wird, hängt von der Wertentwicklung der Fonds ab.

Um so wichtiger ist die Auswahl der Fonds, die der Versicherer anbietet. Dies gilt erst Recht für Anleger, die gerne mit ihrem Geld “etwas Gutes” tun oder zumindest verhindern wollen, dass damit “schmutzige Geschäfte” finanziert werden. In Frage kommen dabei Exchange Traded Funds (ETF), also börsennotierte Indexfonds, die die Kursentwicklung eines bestimmten Börsenindex nachbilden. Oder aktiv gemanagte Investmentfonds, bei denen Fondsmanagerinnen oder Fondsmanager die Aktien und Anleihen für den Fonds auswählen.

Bei gemanagten Fonds sind die Kosten deutlich höher als bei den ETFs. Anleger können sich jedoch bewusst für einen oder mehrere Fonds entscheiden, der ihrer Vorstellung von Nachhaltigkeit entspricht. Anders sieht es bei den oft als nachhaltig verkauften ETFs aus. Sie bilden zum Beispiel nur einen Index mit Aktien von Unternehmen ab, die im Vergleich zur Konkurrenz in ihrer jeweiligen Branche in Sachen Nachhaltigkeit weiter fortgeschritten sind. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt: „Wenn ein Fonds und damit auch die Fondspolice als nachhaltig angepriesen wird, muss in den Fonds noch lange nicht das drin stecken, was Verbraucher sich erhoffen.“

Daher ist es auch nicht einfach, kostengünstige Fondspolicen zu finden, die tatsächlich in nachhaltige Fonds anlegen. So hat die Stiftung Warentest die Angebote von 29 Versicherern untersucht, die den Sparbeitrag in mindestens einen der von der Stiftung empfohlenen ethisch-ökologischen und weltweit anlegenden Fonds investieren. Ergebnis: Die Auswahl ist stark eingeschränkt. Die Gesamtkosten beim Besparen der Fonds reichen von jährlich 0,40 Prozent bis 3,38 Prozent.

Experte Nauhauser hält es grundsätzlich für falsch, aktiv gemanagte Investmentfonds in die Policen zu stecken. „Sobald aktiv gemanagte Fonds drin sind, wird das Produkt zu teuer“, sagt er. Leider würden aber meist solche Policen in der Beratung empfohlen, weil dann für den Vermittler höhere Provisionen drin sind. Er rät, den jeweiligen Anbieter deshalb unbedingt selbst nach ETFs zu fragen.

Die Finanzaufsicht Bafin hatte bereits vor etwa einem Jahr die hohen Kosten bei Fondspolicen kritisiert. Bei einer als nachhaltig angebotenen Fondspolice belaufen sich die Kosten zum Beispiel auf 6.123 bis 16.555 Euro oder 1,2 bis 4,5 Prozent pro Jahr. Schlimmstenfalls können die Kunden und Kundinnen wegen der hohen Kosten und wenn es an der Börse schlecht läuft, sogar deutlich weniger Geld herausbekommen, als sie eingezahlt haben.  

Die Stiftung Warentest empfiehlt Fondspolicen nur Sparern, die sich sicher sind, dass sie kontinuierlich in eine Fondspolice einzahlen können und später eine lebenslange Rente wünschen – und auch das nur unter einer Voraussetzung: Das Produkt muss günstig sein. Die Kosten der meisten Angebote seien aber „zu hoch, die Renditechancen deshalb stark eingeschränkt“.

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