Provisorisches Ärgernis Warum verschlossene Schranken für Rettungswagen in Emden zum Problem werden
In Emden wird der Rettungsdienst neu geordnet und geht komplett in Stadthand über. Aus der Wache an der Wolthuser Straße müssen die Retter daher umziehen. Das neue Haus birgt Probleme.
Emden - Eine der zwei Emder Rettungswachen soll von der Wolthuser Straße vorübergehend an den Nordkai ziehen. Genauer: ins GründerInnen-Zentrum, ein Gebäude der städtischen Wirtschaftsförderung. Allerdings gibt es ein Problem: Die Straße dorthin wird von Gleisen überquert. Ist die Schranke zu, muss der Rettungswagen zwangsläufig warten. Eine vernünftige alternative Route gibt es nicht. Dennoch schätzt die Stadt den Standort als gute Übergangslösung ein, bis das Team in die geplante neue Wache an der Petkumer Straße einziehen kann.
Was und warum
Darum geht es: die schnelle Fahrt vom Rettungsdienst zum Patienten, die durch einen Zug ausgebremst werden könnte
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie Gäste der Stadt, die auf schnelle Hilfe vom Rettungsdienst angewiesen sein könnten
Deshalb berichten wir: Zuletzt hieß es im Gesundheitsausschuss des Emder Rats, dass der Rettungsdienst umziehen soll. Die neue Adresse wirft aber Fragen auf, die wir an die Stadt gerichtet haben. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
„Die Problematik mit einem Rettungsmittel vor geschlossenen Schranken zu stehen, ist in Emden allgegenwärtig“, erklärt Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage. Als Beispiele nennt er die Nesserlander-, Cirksena- und Sachsenstraße, die von Gleisen teils mehrfach überquert werden. Hinzu kämen gerade im Sommer noch die Öffnungen der Brücken, beispielsweise an der Faldernstraße, dem Roten Siel und der Eisenbahnbrücke.
Wie wahrscheinlich ist, dass die Schranken zu sind?
Selbstverständlich sei überprüft worden, wie viele Züge am Tag am Nordkai vorbeifahren, so Dinkela. Für etwa sieben Züge pro Tag seien die Schranken jeweils drei bis zehn Minuten geschlossen. Hinzu kämen etwa 20 Loks, die zum Rangieren die Schanke passierten. Dabei sei die Schranke nur sehr kurz geschlossen.
Ein spezieller Zug fahre meistens am Montag zwischen 5 und 11 Uhr, bei dem der Bahnübergang mehr als 20 Minuten geschlossen sein müsse. „Hier handelt es sich um schwer beladene Züge mit Kies, die nur sehr langsam fahren“, so der Sprecher. Auch könnten außerplanmäßig Züge fahren.
Soll der Rettungswagen dann bis zu 20 Minuten vor der Schranke stehen?
Das soll natürlich verhindert werden, lässt sich der Erklärung der Stadt entnehmen. Rettungswagen müssen ohnehin nach maximal 15 Minuten beim Patienten sein. Als eine Möglichkeit nennt die Stadt die Ausweichroute über die Nesserlander Schleuse. Das sind allerdings rund sechs Kilometer, es gibt den Risikofaktor, dass die Große Seeschleuse und die Nesserlander Schleuse gerade in Betrieb sind und der Rettungswagen dann da nicht weiter kommt. Außerdem befindet man sich dann an der „falschen“ Seite der Stadt. Durch die Rettungswache jetzt an der Wolthuser Straße und dann am Nordkai soll der Osten abgedeckt werden. Müsste ein Einsatz nach Borssum oder Petkum gefahren werden, muss der Rettungswagen schlimmstenfalls zunächst einen Umweg von mehr als zehn Kilometern fahren - und das sowohl entlang des Hafens als auch mitten durch die Innenstadt.
Eine gute Lösung sieht anders aus. Allerdings: Es werde derzeit mit dem Eisenbahn-Betriebsleiter des landeseigenen Hafenbetreibers N-Ports, der auch für den Bereich des Nordkais zuständig ist, geklärt, ob und wie die Rettungsleitstelle informiert werden könnte, wenn es zu längeren Schranken-Schließungen komme, so Dinkela. Auch im Fall, dass die Schranken eine Störung haben, soll das an die Leitstelle gemeldet werden. Beim Anruf von N-Ports würde man ein Fahrzeug der Rettungswache aus dem Gefahrenbereich herausnehmen und für die Dauer der Zugdurchfahrt oder Störung der Anlage beispielsweise auf dem großen ehemaligen Aldi-Parkplatz an der Petkumerstraße positionieren, so die Überlegung.
Wie lange könnte das Provisorium gelten?
Das ist offenbar noch unklar. Zunächst befindet sich die Rettungswache noch an der Wolthuser Straße. Dort war bis zum 1. Mai der private Rettungsdienst RKSH untergebracht, der - ebenso wie der Rettungsdienst DRK/Stadt Emden, dessen Wache sich beim Krankenhaus im Norden der Stadt im Ortsteil Barenburg befindet - in dem sogenannten Optimierten Regiebetrieb Rettungsdienst bei der Stadt aufgegangen ist. Neun der zehn RKSH-Mitarbeiter sind laut Stadtrat Volker Grendel zur Stadt gewechselt. Auch die Fahrzeuge werden übernommen. Die Wache aber gehört dem RKSH. Dort will man ausziehen. Wann es so weit ist? „Möglichst zeitnah“, so Dinkela. Ende April sprach Volker Grendel von einem Umzug in „etwa einem Monat“.
Der Umzug an den Nordkai soll aber nur provisorisch sein, bis die neue Rettungswache fertig ist. Wann ist das? Unklar. Holger Rodiek, Geschäftsführer des RKSH, will diese Wache schon seit mindestens 2016 bauen lassen. Das Grundstück an der Petkumer Straße wurde schon gekauft, die Krankenkassen als Finanzierer des Baus haben im vergangenen Jahr den mehrfach abgeänderten Bauplänen zugestimmt. Zuletzt hieß es von Rodiek, bevor der Rettungsdienst aufgelöst wurde, dass auf dem Grundstück noch Bodensondierungen durchgeführt werden müssten. Die Fläche in direkter Hafennähe ist während des Weltkriegs von vielen Bombenfliegern überflogen worden. Es könnte sich einiges im Boden befinden.
Hat es mittlerweile die Sondierungen gegeben? „Nein, da der Grundstückskaufvertrag derzeit final vorbereitet wird und noch kein Eigentumsübergang erfolgt ist“, heißt es aktuell von der Stadt. Wie sieht der aktuelle Zeitplan für den Bau der Rettungswache aus? „Für die neue Rettungswache gehen wir einschließlich aller vorbereitenden Maßnahmen von einer Bauzeit von mindestens zwei Jahren aus.“