Ausbildung in Ostfriesland  Was „Fast & Furious 10“ und die Reeder der Region verbindet

Michael Kierstein
|
Von Michael Kierstein
| 17.05.2023 17:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jana-Marie Winzenborg (links) und Heika Iwwerks geben einen Einblick in die Pläne der Reeder. Foto: Ortgies
Jana-Marie Winzenborg (links) und Heika Iwwerks geben einen Einblick in die Pläne der Reeder. Foto: Ortgies
Artikel teilen:

Es ist ein Problem, das viele Betriebe kennen: Immer weniger Bewerbungen von Auszubildende. Die Reeder in der Region gehen dabei jetzt einen neuen Weg und der führt sie ins Kino.

Leer - Der Action-Blockbuster „Fast & Furious 10“ ist in den Kinos gestartet. Bei Fans der Reihe wird der Teil schon heiß ersehnt. Und, in typischer Manier wird es wieder explosiv und vor allem PS-stark.

Was und warum

Darum geht es: Die Reeder im Nordwesten suchen Auszubildende. Dazu gehen sie nun einen ungewöhnlichen Weg.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für die maritime Branche interessieren

Deshalb berichten wir: Die Reeder machten auf das Angebot aufmerksam.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Massig PS haben auch die Kernarbeitsmittel der Reeder im Nordwesten: Die Schiffe, die in aller Welt unterwegs sind. Es scheint zusammenzupassen. Acht Reeder haben sich nun zusammengeschlossen und laden Jugendliche ein, gemeinsam den Blockbuster anzuschauen. Dabei haben sie eine ernsthafte Botschaft.

Nachwuchswerbung

„Wir bekommen wenig Bewerbungen und das Problem haben alle Reeder genauso wie andere Branchen auch“, sagt Heika Iwwerks, bei der Leeraner Ems-Fehn-Group für die Auszubildenden zuständig. Und so kamen die Reeder auf eine ungewöhnliche Idee: Ein gemeinsamer Kinoabend in Leer. Rund 200 Tickets haben die Reeder organisiert. 100 davon sollen direkt an Schulen in der Region gehen und 100 werden verlost. Am 24. Mai um 19 Uhr soll der Film starten. Dazu wurde die Seite www.gemeinsamschifffahrt.de ins Leben gerufen.

Jana-Marie Winzenborg arbeitet seit zwei Jahren als Auszubildende bei der Reederei Hartmann. Sie weiß, wovon sie redet. Foto: Ortgies
Jana-Marie Winzenborg arbeitet seit zwei Jahren als Auszubildende bei der Reederei Hartmann. Sie weiß, wovon sie redet. Foto: Ortgies

Hier sind neben dem Gewinnspiel auch massig Informationen rund um die verschiedensten Ausbildungen im maritimen Bereich aufgeführt. „Wir wollen die Reedereien wieder ins Blickfeld rücken. Deshalb ist der Kinoeintritt für die Leute natürlich kostenlos“, sagt Iwwerks. Neben der Ems-Fehn-Group sind auch die Leeraner Reedereien Krey Schiffahrt, Hartmann, Briese, BBC Chartering, sowie Norden-Frisia aus Norddeich und die beiden Harener SMS Bereederung und Jüngerhans im Boot, um gemeinsam Nachwuchs zu suchen. Die Reeder wollen bei der Kinovorführung auch präsent sein, falls Fragen zur Ausbildung kommen. Allerdings im Hintergrund. Es gehe nicht darum, die Besucher zu überfrachten. „Wir wollen dabei zeigen, wie abwechslungsreich der Beruf des Schifffahrtskaufmanns sein kann“, sagt Iwwerks. Eine, die genau weiß, worum es geht, ist Jana-Marie Winzenborg. Die Weeneranerin ist im zweiten Ausbildungsjahr bei der Reederei Hartmann in Leer.

Auszubildende berichtet

„Ich habe von einer Freundin mitbekommen, dass es den Job gibt. Vorher war mir das gar nicht bewusst“, erinnert sie sich zurück. An ihrem Job habe sie viel Freude. „Es ist nichts Alltägliches. Man schaut in so viele Bereiche und kann international arbeiten“, sagt sie. Sie habe im Alltag mit den unterschiedlichsten Nationalitäten zu tun. „Man muss aber kein perfektes Englisch sprechen. Es reicht, wenn man aus sich raus kommt, den Rest lernt man“, sagt die Weeneranerin.

Außerdem sei es kein typischer Bürojob. „Man kommt immer mal aus dem Büro raus, weil man etwas zum Schiff bringt“, sagt sie. Dabei kann das Schiff in Emden oder in Spanien liegen. Denn, da die Reeder international agieren und viele Niederlassungen haben, sind Auslandsaufenthalte kein Problem. „Man kann die Welt sehen, aber auch immer wieder nach Hause kommen“, sagt Jana-Marie Winzenborg. Gleichzeitig sei die Ausbildung auch sehr lehrreich.

Übernahmechancen

Es gebe Situationen, da müsse beispielsweise schnell ein Ersatzteil besorgt werden. Das kann dann schon einmal zu Telefonaten durch ganz Europa führen. „Wenn man das schafft, ist das für einen selber so ein Erfolg“, sagt sie und lächelt. Zudem würden sich auch die Büros bei vielen Reedereien derzeit verändern. Alles wird moderner. Und die Unternehmen haben noch eine Nachricht: „Die Übernahmechancen sind sehr gut“.

Bei der Kinovorführung wird Jana-Marie Winzenborg zudem einen großen Auftritt haben. Denn, um auf die Nachwuchssuche aufmerksam zu machen, haben die Reedereien einen 90 sekündigen Image-Film gedreht, in dem sie eine große Rolle spielt. „Der Film soll unsere Arbeit vorstellen und Lust auf Reedereien machen. Und, die Azubis, die auftreten, arbeiten wirklich bei uns. Das sind keine Schauspieler“, sagt Iwwerks. Bei der Kinovorstellung zu der die Unternehmen einladen, wird der Clip seine Premiere feiern.

Kino freut sich

Der Film soll im Anschluss auch weiter verwendet werden. Über die Internetseiten und Sozialen Medien soll er verbreitet werden und so junge Leute für einen Job in der Schifffahrt begeistern. „Am 24. Mai sollen die Schüler aber hauptsächlich einen schönen Abend haben. Wir planen keine überbordende Werbung“, sagt sie. Der Leeraner Kinoleiter Rocco La Rocca freut sich über die Idee. „Ein Kinospot ist die modernste Form des Recruiting“, sagt er. Er glaubt, dass die Aktion für die Unternehmen ein Erfolg sein kann. „Gerade junge Leute erreicht man über das Visuelle“, sagt er. Und, der Film passt auch zur Zielgruppe.

Wie es nach der Aktion weitergeht, ist jedoch noch nicht klar. „Wir wollen mal schauen, wie es funktioniert“, sagt Iwwerks. Auch künftig wollen die Reedereien weiter zusammenarbeiten. „Bei einigen Reedern gibt es auch für dieses Jahr noch freie Ausbildungsplätze“, sagt sie. Und nun ist die Möglichkeit, sich das anzuschauen. Und, ganz nebenbei den neuen „Fast & Furious“-Film zu sehen.

Ähnliche Artikel