Leerstand in Emden Der Chinesentempel und das Warten
Seit rund sieben Monaten steht der Chinesentempel in Emden leer. Der ehemalige Pächter fragt sich mittlerweile, warum von der angekündigten Nachnutzung nichts zu sehen ist.
Emden - Es ist eines dieser Gebäude, bei dem sich viele Menschen, die Emden nicht so gut kennen, fragen: Was ist das, warum steht das da und was passiert da? Die Rede ist vom sogenannten Chinesentempel. Das markante denkmalgeschützte Gebäude an der Boltentorbrücke wurde 1929 nach den Plänen des städtischen Architekten Walter Luckau gebaut. Seit September vergangenen Jahres steht der Rundbau leer.
Was und warum
Darum geht es: Statt Kunst gibt es im Chinesentempel gerade: nichts. Das ärgert den ehemaligen Mieter.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für den Fortbestand des markanten Chinesentempels in Emden interessieren – oder für die geplante Kunstmeile in der Innenstadt.
Deshalb berichten wir: Erich Bolinius (FDP) hatte uns über ein Gespräch mit dem früheren Pächter des Chinesentempels aufmerksam gemacht. Wir sind der Sache nachgegangen. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Vor nunmehr gut sieben Monaten hörte der stadtbekannte Schmuckkünstler Jörn P. Haut für viele recht überraschend auf, den Chinesentempel zu nutzen. Er hatte das Gebäude zuvor 17 Jahre als Galerie und Werkstatt genutzt – und war immer wieder durch Aktionen aufgefallen. Der Grund: Der Pachtvertrag wurde gekündigt. Nachmieter sollte das Ostfriesische Landesmuseum werden. Doch passiert ist seitdem wenig – und das ärgert nicht nur Haut.
Landesmuseum will Chinesentempel nutzen
Warum bislang nichts passiert, das fragt sich auch Haut. Der hat in den vergangenen Wochen immer wieder Kleinanzeigen mit dem Text „CHNSNTMPL – nix los???? JPH“ veröffentlicht. „CHNSNTMPL“, also Chinesentempel ohne die Vokale, hatte Haut auch so ähnlich in seiner Abschiedsbotschaft geschrieben. Wie Erich Bolinius, Fraktionsvorsitzender der FDP im Emder Rat, nach einem Gespräch mit Haut mitteilt, sei „das Mietverhältnis im beiderseitigen Einvernehmen gekündigt worden“, da das Ostfriesische Landesmuseum den Chinesentempel für Projekte nutzen will. Haut selbst sagt, dass ihm die Kündigung auf den Tisch gelegt worden sei. Ein „beiderseitiges Einvernehmen“ sieht er nicht.
Von beidem, einer Einvernehmlichkeit und von der geplanten Nachnutzung, spricht auf Nachfrage auch die Stadt Emden. „Ziel war und ist es, einen Teil der Arbeiten des Ostfriesischen Landesmuseums (OLME) im Zusammenhang mit der innenstadtnahen Kunstpromenade langfristig im Chinesentempel anzusiedeln“, heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung aus der Pressestelle der Stadt.
Stadt hält an Planungen für Kunstpromenade fest
Der Rundbau an der Boltentorstraße soll laut Stadt für „partizipative Museumsarbeit“ genutzt werden. Die geplante Kunstpromenade, die den Henri-Nannen-Platz und den Chinesentempel miteinander verbinden sollte, wurde allerdings mittlerweile verschoben. Ursprünglich sollten die Arbeiten in diesem Jahr beginnen. Ende April hieß es dann auf eine Anfrage dieser Zeitung, dass der Baustart in das kommende Jahr verlegt werde. Die Stadt begründete die Verzögerung mit „preislichen Verwerfungen im Baugewerbe“. Es sei günstiger, das Vorhaben im Spätsommer beziehungsweise im Herbst auszuschreiben, so Stadtsprecherin Theda Eilers vor rund drei Wochen.
Im Hintergrund laufen die Arbeiten aber weiter. Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) sagte jüngst am Rande einer Veranstaltung, dass es bereits Gespräche mit Künstlern gegeben habe, die ihre Werke entlang der Kunstpromenade ausstellen wollen. Ein paar Kunstwerke habe sich die Stadt auch schon „gesichert“, also zumindest so deutlich Interesse bekundet, dass die Kunstwerke nicht plötzlich längerfristig woanders aufgestellt werden.
Auch ehemaliger Kiosk sucht Nachnutzer
Auch am Plan der Museumsarbeit im Chinesentempel halten Landesmuseum und Stadt fest. „Derzeit wird der denkmalgerechte Sanierungsbedarf des Gebäudes ermittelt, um dann gegebenenfalls Fördermittel für eine denkmalgerechte Sanierung einzuwerben“, heißt es aktuell seitens der Stadt. Dass seit seinem Auszug nichts passiert sei, ärgert Haut. Laut Bolinius, der sich diesbezüglich auch an die Stadt gewandt hat, hätte Haut dann lieber weiter seine Kunst ausgestellt – statt das Gebäude dem Leerstand zu überlassen. Auch Bolinius spricht sich in seinem Schreiben für eine Nutzung aus, solange die Pläne mit Kunstpromenade und Landesmuseum noch nicht umgesetzt sind.
Ungewiss ist unterdessen auch die Zukunft für den ebenfalls früher von Haut genutzten ehemaligen Kiosk am Wallaufgang an der Nordertorstraße. Hier hatte die Stadt, nachdem sich Haut 2021 zurückgezogen hatte, andere Nutzungen in Erwägung gezogen. Diese „scheiterten letztlich jedoch stets an den umfangreicheren Instandsetzungserfordernissen im und am Gebäude und den damit im Vorfeld zu berücksichtigenden Anforderungen des Denkmalschutzes“, so die Stadt. Derzeit werde durch den Monumentendienst ein Mängelbericht für den ehemaligen Kiosk erstellt. „Sobald die Planungen hier konkreter werden, können wir gern Auskunft geben, derzeit gibt es hier noch keinen genauen Zeitplan“, so die Stadt.