Getriebene Landwirte  Das Feld schläft nie − und die Landwirte derzeit schlecht

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 16.05.2023 18:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nicht nur bei der Ernte im Herbst gelten besondere Bedingungen bei den Arbeitszeiten, auch im Frühjahr gibt es Ausnahmen. Foot: Archiv
Nicht nur bei der Ernte im Herbst gelten besondere Bedingungen bei den Arbeitszeiten, auch im Frühjahr gibt es Ausnahmen. Foot: Archiv
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Wegen des nassen, feuchten Frühlings stehen die Bauern massiv unter Druck. Sie müssen ihre Felder bestellen. Deshalb dürfen sie auch jetzt ausnahmsweise nachts arbeiten.

Ostfriesland - Gefühlt wollte dieser Winter nicht enden. Viel zu niedrige Temperaturen und immer wieder Niederschläge haben die Arbeiten auch auf den Feldern in Ostfriesland hinausgezögert. Wenn am Tag die Stunden nicht reichen, muss eben nachts gearbeitet werden. Das ist in diesem Jahr offenbar die Losung bei einigen Landwirten. Sie stehen mächtig unter Druck, weil die Arbeiten auf dem Feld wegen der Witterung immer weiter hinausgeschoben werden mussten. Deshalb beobachtet der ein oder andere nächtliche Spaziergänger oder schlaflose Anwohner mitunter, dass schwere, hell angestrahlte Landmaschinen zu später Stunde über die Felder brettern. Ist das zulässig? Unter welchen Bedingungen und mit welchen Einschränkungen?

Wegen der besonderen Wetter-Bedingungen sei Lärm durch nächtliche Arbeiten auf den Feldern und Höfen durchaus in Maßen erlaubt, sagt Maren Ziegler. Die Sprecherin des Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LHV) für Ostfriesland verweist auf das Bundesimmissionsschutzgesetz. Es schreibe zu bestimmten Zeiten Lärmgrenzwerte vor. Von 22 bis 6 Uhr herrsche zwar Nachtruhe. Wenn die Saat- oder Erntetätigkeit aber keinen Aufschub dulde, etwa wegen eines zu erwartenden Wetterumschwungs, sei Nachtarbeit in vertretbarem Rahmen rechtlich zulässig. Das gelte aber nicht an Sonn- und Feiertagen: Dann dürften lärmintensive Arbeiten überhaupt nicht ausgeführt werden. Der Sonnabend gilt hingegen als normaler Werktag. „Doch es gibt Ausnahmen, und viele Bundesländer haben eigene Regelungen. In Niedersachsen ist im Lärmschutzgesetz geregelt, wie Geräte und Maschinen im Freien zu nutzen sind“, so die LHV-Sprecherin. Sie betont, dass Nachtarbeit die Ausnahme sei: „Auch Landwirte genießen lieber den Feierabend als die Nacht durchzuarbeiten.“

Auch Lohnbetriebe haben Stress

Die Zeit müsse jetzt genutzt werden, zumal erneut Regen gemeldet sei. Neben dem ersten Grasschnitt seien immer noch Felder zu bestellen, vorzugsweise mit Mais, aber auch mit Sommergetreide oder Kartoffeln, so die Sprecherin. Auch für das Ausbringen von Pflanzenschutz oder Flüssigdünger müsse man sich an besondere Zeiten halten, vorzugsweise an Morgen- oder Abendstunden. Dann sei es windstill und die Bienen seien nicht unterwegs. Die sollen später den Raps bestäuben, der nur zögerlich ins Blühen gekommen ist. Doch auch die Bienen mögen es gerne warm. Bei Temperaturen unter zehn Grad geben sie sich lethargisch und wollen nicht ausschwärmen.

Die angespannte Situation selbst Lohnbetriebe unter Druck. „Der April war viel zu nass. Wir haben mächtig Stress, weil die Saat bis Ende Mai eingebracht werden müsste“, sagt ein Unternehmenssprecher der Firma Heinz de Buhr aus Firrel. Mit 110 Mitarbeitern in den drei Firmensparten und 170 zugelassenen Fahrzeugen ist der Betrieb einer der größten seiner Art in Ostfriesland. Etliche Anfragen von Landwirten, die kurzfristig eingehen, könne man nicht annehmen. Ein Grund dafür sei der eklatante Mangel an Personal, vor allen Dingen an Fahrern. Man würde jemand mit den erforderlichen Qualifikationen vom Fleck weg einstellen, hieß es. Trotz des großen Fuhrparks werde es bei manchen Maschinen derzeit eng. „Wir haben zu unseren vier Häckslern noch zwei dazumieten müssen, um die Aufträge abzuarbeiten“, sagt der Sprecher.

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