Einzigartig in Deutschland Emder Jugendherberge will Hausboote an der Kesselschleuse
Emden gehört zu den Städten mit viel Wasser, die ein Dauerwohnen im Boot bislang nicht erlauben. Ein neuer Vorstoß bei der Jugendherberge könnte das für alle verändern.
Emden - Wenn es so kommt, wie Oliver Engelhardt es sich vorstellt, dann gibt es in Emden bald Stockbetten zu Wasser. Der stellvertretende Geschäftsführer im Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) präsentierte am Donnerstag, wie die Emder Unterkunft an der Kesselschleuse erweitert werden könnte - unter anderem auch mit vier sogenannten „Floating Homes“, also schwimmenden Häusern. Diese sollen bei der Kesselschleuse zwischen Schwanenteich und Van-Ameren-Bad im Fehntjer Tief liegen. Sechs Betten sollen pro Hausboot für Schulklassen, Familien und andere Reisegruppen zu Verfügung stehen.
Dafür müsse aber eine neue Bauleitplanung erstellt werden, erklärte Stadtplaner David Malzahn im Stadtentwicklungsausschuss des Emder Rates, wo das Thema auf der Tagesordnung stand. Anders als in Hamburg, wo die Nutzung von Hausbooten und das Dauerwohnen zu Wasser einfacher geregelt sei, müsse man in Niedersachsen das „Floating Home“ wie ein Haus zu Wasser ansehen. Das Fehntjer Tief müsste also ähnlich überplant werden, wie es anderswo bei Baugebieten der Fall sei. „Die Arbeit beginnt erst“, sagte Malzahn. Bei der Jugendherberge sei es zudem ein „sensibler Bereich“, da sowohl die Kesselschleuse als auch der Wall denkmalgeschützt sind. „Wir müssen alle Belange abarbeiten“. Es müsste für die Jugendherbergs-Schwimmhäuser auch die Infrastruktur von Land aus geschaffen werden. Die Hausboote bräuchten Strom-, Frisch- und Abwasseranschlüsse.
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In Emden gab es schon lange und gibt es auch aktuell wieder Diskussionen dazu, ob die Wasserfläche beispielsweise im Alten Binnenhafen oder am Roten Siel zum Dauerwohnen genutzt werden könnte. Das ist bislang nicht erlaubt. Würde der Hausboot-Vorschlag für die Jugendherberge durchkommen und umgesetzt werden, könnte das als Initialzündung für weitere Vorhaben dieser Art gesehen werden, meinte Jochen Eichhorn (GfE). Viele Wasserflächen im Hafen seien industriell nicht mehr verwendbar, weil die Wassertiefe für die großen Schiffe nicht reiche. Das könnte sich für Hausboote und andere Boote anbieten.
Das Thema sei in den vergangenen Jahren schon „heftigst diskutiert“ worden, sagte auch Harald Hemken (SPD). Auch er sehe die Pläne für die Jugendherberge als Aufschlag, um die Wassernutzung zu Wohnzwecken auch anderswo umzusetzen. „Vielleicht können wir so die letzten Skeptiker überzeugen“, sagte er. Auch die anderen Fraktionen zeigten sich von dem Vorschlag angetan.
Gastronomisches Angebot für alle denkbar
Auf dem Jugendherbergsgelände sollen außerdem „Mobile Homes“, also kleinere Hütten, entstehen. Insgesamt könnten die Hausboote und die Hütten 54 Gäste beherbergen. Im Haupthaus von 1956 sollen die Betten dann reduziert und somit neue Aufenthaltsräume geschaffen werden, so Engelhardt. In der Überlegung sei auch ein gastronomisches Angebot, beispielsweise ein Foodtruck, der auch von Leuten genutzt werden könnte, die nicht in der Herberge übernachten.
In diesem Jahr soll die Neugestaltung des in der direkten Nachbarschaft gelegenen Schwanenteich-Geländes starten, wo mehr Aufenthaltsqualität geschaffen werden soll, so Malzahn. Gäste des Parks könnten von dem neuen Angebot bei der Jugendherberge, wo es dann eventuell auch Toiletten geben wird, profitieren. Gleichzeitig könnte man bei der Gestaltung der Parkanlage schon die Pläne bei der Jugendherberge berücksichtigen und beispielsweise die Zuwegung auf dem Deich vom Schwanenteich aus zum Schleusenknechtehäuschen ertüchtigen.
Zu einem möglichen Zeitplan sagte Oliver Engelhardt noch nichts. Zunächst stehe die Bauleitplanung an. Man habe aber das nötige Wissen und die Erfahrung für ein Projekt dieser Art. Zu Wasser kann man bei den rund 400 Jugendherbergen in Deutschland bislang aber noch nicht übernachten. Es wäre ein Alleinstellungsmerkmal für Emden, sagte er.