Rechte Trittbrettfahrer AfD blitzt bei Anti-Wolfs-Demo ab
Für den 10. Juni ist in Aurich eine große Anti-Wolfs-Demo geplant. Rechtspopulisten wollen das für ihre Zwecke nutzen. Die Organisatoren gehen auf Distanz.
Aurich - Die große Anti-Wolfs-Demonstration am 10. Juni in Aurich lockt auch Rechtspopulisten an. Die AfD habe mehrmals angefragt, sagt Organisator Fokko Schumann (Berumbur), Vorstandsmitglied der Vereinigung „Land schafft Verbindung“ (LSV). Doch die Partei bekomme auf der Demo kein Rederecht. Der LSV distanziere sich klar von der rechten Szene. Schumann verweist auf eine Erklärung, die LSV am Donnerstag auf seiner Website veröffentlicht hat. Dort heißt es: „Wir möchten keine populistischen Aussagen treffen, wir möchten keine politische Forderung stellen, wir möchten zeigen, wir sind viele.“
Der Ihlower Tierarzt Dr. Hansjörg Heeren vom Friesischen Verband für Naturschutz organisiert die Anti-Wolfs-Demo mit LSV. Sie wünschen sich Ostfriesland als wolfsfreie Zone. „Wir möchten der Politik und der Bevölkerung zeigen, dass es zu weit geht!“, heißt es im Demo-Aufruf. „Der Küstenschutz, die Weide- und Tierhaltung und damit unsere Kulturlandschaft sind in Ostfriesland durch den Wolf gefährdet.“ Für Sonnabend, den 10. Juni, plant LSV eine Trecker-Sternfahrt. Am Nachmittag werden sich nach Angaben Schumanns voraussichtlich rund 300 Traktoren aus Richtung Leer, Norden und Wittmund auf den Weg nach Aurich machen, wo für 18 Uhr eine Kundgebung vor der Sparkassen-Arena geplant ist.
„Der Effekt ist schnell verpufft“
Die Demo wird auch vom Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland (LHV), der Regionalorganisation des Deutschen Bauernverbandes, unterstützt. Der LHV tritt zwar nicht selbst als Organisator auf und beteiligt sich auch nicht an der Trecker-Sternfahrt, wie der Auricher Kreisvorsitzende Hartwig Frühling sagt, aber: „Wir informieren unsere Mitglieder darüber, dass die Demo stattfindet.“ Auch er selbst werde an diesem Tag nach Aurich kommen, sagt der Landwirt aus Wiesmoor. Er werde allerdings nicht ans Rednerpult treten.
Die Auricher Jägerschaft sieht die geplante Aktion kritisch, wenngleich auch sie gegen die Ausbreitung des Wolfes vorgehen will. „Der Effekt einer Demo ist schnell verpufft und nicht nachhaltig“, hatte der Vorsitzende Gernold Lengert bereits im April gesagt. Lauter Protest sei oft eher schädlich. Die Jäger setzen stattdessen auf politischen Druck. Sie haben mit anderen Jägerschaften ein Positionspapier gegen den Wolf unterschrieben. Der Wolf müsse aus küstennahen Landkreisen ferngehalten werden, fordern sie. Der Schutzstatus müsse überprüft werden.
Jungrinder bleiben im Stall
Der LHV sitzt zwischen den Stühlen. „Wir arbeiten Hand in Hand mit der Jägerschaft“, sagt der Kreisvorsitzende Frühling. „Aber die Betroffenheit unserer Mitglieder ist so groß, dass wir auf keinen Fall gegen diese Demo sind.“ Einerseits ist Frühling nicht wohl bei dem Gedanken, die Allgemeinheit durch eine Trecker-Sternfahrt „unnötig zu belästigen“, wie er es ausdrückt. Andererseits verstehe er, dass die Kollegen „ein Ventil brauchen, um Druck abzulassen“. Der Druck sei immens. Die Weidehaltung habe sich durch das vermehrte Auftreten des Wolfs bereits verändert. Er selbst lasse zum Beispiel seine Jungrinder nicht mehr auf die Weide. „Das Risiko kann ich nicht eingehen.“ Nur die Milchkühe kämen noch für sechs Stunden am Tag an die frische Luft.
Frühling setzt wie die Jägerschaft darauf, den politischen Druck hochzuhalten. Bei Aktionen wie der Demo am 10. Juni beschleicht ihn die Sorge, dass sie von rechten Gruppierungen unterwandert wird. „Da wir nicht die Organisatoren sind, können wir nicht wissen, wer am Rednerpult steht.“ Landwirte, die um ihre Tiere besorgt seien, dürften nicht in die rechte Ecke gestellt werden.
2020 war der bayerische Ableger von LSV in die Kritik geraten, weil bei einer Trecker-Demo gegen die geplante Verschärfung der Düngeverordnung Banner mit rechtsextremen Symbolen auftauchten. Auch im vergangenen Jahr gab es Versuche von Akteuren aus dem rechten Spektrum und der Querdenker-Szene, Bauernproteste für ihre Zwecke zu nutzen. LSV ist sich dieses Risikos bewusst. „Wir passen sehr genau auf, dass wir keinen rechten Touch bekommen“, sagt Schumann.
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