Erneuter Warnstreik  50-stündiger Streik bei der Bahn trifft auch Ostfriesland

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 11.05.2023 18:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Information zum Streik der EVG ab Sonntagabend werden auf einer Anzeigentafel am Hauptbahnhof in Hamburg angezeigt. Foto: Marks/dpa
Information zum Streik der EVG ab Sonntagabend werden auf einer Anzeigentafel am Hauptbahnhof in Hamburg angezeigt. Foto: Marks/dpa
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50 Stunden lang kein ICE, kein IC - und auch kaum ein Regio: Die Gewerkschaft wird den Bahnverkehr zum dritten Mal in diesem Jahr lahmlegen.

Ostfriesland - Ein 50-stündiger Warnstreik stellt die Deutsche Bahn und ihre Kunden ab Sonntagabend in Ostfriesland auf eine harte Belastungsprobe. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) rief die Beschäftigten am Donnerstag zum bundesweiten Ausstand von Sonntagabend, 22 Uhr, bis Dienstagabend, 24 Uhr, auf. Die Bahn entschied wenig später, in dieser Zeit den Fernverkehr komplett einzustellen.

„Da wir alle unsere Mitglieder in den betroffenen Unternehmen zum Warnstreik aufrufen, werden die Auswirkungen in ganz Deutschland zu spüren sein. Das gilt auch für den Regionalverkehr in Ostfriesland“, betonte Uwe Reitz, Sprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf Anfrage unserer Redaktion.

Genaue Informationen folgen noch

Betroffen von dem Warnstreik sind auch die Züge der Nordwestbahn und der Westfalenbahn in Ostfriesland. „Ausgehend von den Erfahrungen des letzten Streiks erwarten wir, dass die Auswirkungen erheblich sind“, sagte Karin C. Punghorst, die Sprecherin der Nordwestbahn. Schließlich nutze die Nordwestbahn in weiten teilen die Infrastruktur der DB Netz AG. „Und wenn die Stellwerke nicht besetzt oder die Fahrdienstleiter nicht im Dienst sind, dann können wir nicht fahren.“

Ein Signal steht im Hauptbahnhof auf Rot. Die Deutsche Bahn rechnet angesichts des angekündigten 50-stündigen Warnstreiks ab Sonntagabend mit «massiven Auswirkungen» auf den gesamten deutschen Bahnbetrieb. Foto: Hildenbrand/dpa
Ein Signal steht im Hauptbahnhof auf Rot. Die Deutsche Bahn rechnet angesichts des angekündigten 50-stündigen Warnstreiks ab Sonntagabend mit «massiven Auswirkungen» auf den gesamten deutschen Bahnbetrieb. Foto: Hildenbrand/dpa

Wo und bei welchen Zügen genau die Reisenden im Regen stehen, lässt sich noch nicht sagen. „Wir klären das gerade in Gesprächen mit Verantwortlichen bei der Bahn ab“, sagte Xenia Deper, Sprecherin der Westfalenbahn. Auch werde derzeit geschaut, ob möglicherweise ein Schienenersatzverkehr seitens des Unternehmens angeboten werden könne. Beide Unternehmen verweisen auf ihre Internetseiten und andere Informationsquellen, wo alsbald genauere Informationen bereitgestellt werden sollen.

Fahrten wo immer möglich vorziehen

Während der 50 Stunden des Warnstreiks sind zudem deutlich weniger Busse auf den Straßen in Ostfriesland unterwegs als gewohnt, da auch die Fahrzeuge der bahneigenen Weser-Ems-Bus-Linien im Gebiet des Verkehrsverbunds Ems-Jade (VEJ) von dem Warnstreik betroffen sind. Auch hier empfiehlt sich im Vorfeld geplanter Fahrten ein Blick auf die VEJ-Webseite oder andere Informationskanäle.

„Die DB bittet die Fahrgäste, wenn möglich ihre für den Streikzeitraum geplanten Fahrten im Fern- und Nahverkehr bis zum frühen Sonntagabend vorzuziehen“, hieß es am Mittwoch seitens der Deutschen Bahn. Sonntags seien die Züge meist voll, viele Menschen seien dann auf der Rückreise von ihren Wochenendausflügen.

Unglücklicher Termin für den Tourismus

Fahrgäste mit einem Ticket für den Zeitraum 14. bis 16. Mai könnten die Fahrscheine ab sofort flexibel bis einschließlich Sonntagabend nutzen. Eine flexible Nutzung nach Streik-ende sei dieses Mal nicht möglich, da der Ausstand direkt vor einem der reisestärksten Tage im Jahr ende. Am 18. Mai ist Christi Himmelfahrt.

Damit ist der erneute Bahnstreik auch ein Schlag ins Gesicht des ostfriesischen Tourismus. „Natürlich ist das für uns ein unglücklicher Termin“, sagte Wiebke Leverenz, Pressesprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG). Nicht nur, dass viele den Brückentag nutzen würden, um ein paar Tage länger an die Küste zu fahren, auch auf Neugierige hätten Hoteliers und Gastronomen nach dem Start des Deutschland-Tickets zum 1. Mai gehofft. „Da wir uns als nachhaltige Tourismusregion präsentieren, trifft es uns besonders, wenn die Gäste nicht mit der Bahn an- oder abreisen können, oder wenn Urlauber ihren Aufenthalt verkürzen müssen, weil sie sonst nicht mehr wegkommen.“

Viel Platz für die Tauben. Die meisten deutschen Bahnhöfe dürften zu Wochenbeginn verwaist sein. Foto: Hildenbrand/dpa
Viel Platz für die Tauben. Die meisten deutschen Bahnhöfe dürften zu Wochenbeginn verwaist sein. Foto: Hildenbrand/dpa

Zweimal hatte die EVG im laufenden Tarifkonflikt bereits zum Ausstand aufgerufen – auch bei diesen Aktionen folgten die Einstellung des Fernverkehrs und ein fast kompletter Stillstand im Regionalverkehr. Eine Lösung liegt aus Gewerkschaftssicht aber noch in weiter Ferne. Nach Ansicht der DB ist der Arbeitskampf „irrsinnig“ und „restlos überzogen“.

Mit Material von DPA

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