Emder Kunsthalle  Selbst das Atelier war zu klein

Jasmin Oltmanns
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Von Jasmin Oltmanns
| 21.06.2023 10:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Beyond the Void“ begrüßt die Besucher der Kunsthalle. Fotos: Dittrich/dpa
„Beyond the Void“ begrüßt die Besucher der Kunsthalle. Fotos: Dittrich/dpa
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Ein metergroßes Bild begrüßt die Besucher der Kunsthalle in Emden in der neuen Ausstellung. Selbst das Atelier war zu klein. Wo und wie hat Jan Pleitner das imposante Werk schaffen können?

Emden - Im neugestalteten Atrium der Emder Kunsthalle füllt jetzt ein einziges Gemälde eine komplette Wand: „Beyond the Void“, auf Deutsch „Jenseits der Leere“, von Jan Pleitner. Bisher wurde in Emden noch nie ein so großes Werk ausgestellt. Auch für den Künstler ist es mit Abstand das größte Kunstwerk, das er geschaffen hat. Mit seinen 3,70 mal 7,40 Metern ist es der Mittelpunkt in der Ausstellung Pleitners, die ebenfalls den Namen „Jenseits der Leere“ trägt. Im Vergleich können die Maße mit dem kolossalen „Guernica“ von Pablo Picasso mithalten – es ist sogar minimal größer.

Viel größere Bilder können in der Kunsthalle aber wohl nicht ausgestellt werden. Die Wand, an der „Beyond the Void“ hängt, ist die einzige im Haus, an der ein Werk mit solchen Ausmaßen platziert werden kann. Wer einen Gegensatz zu dem monumentalen Bild im Atrium sucht, wird ebenfalls in der Kunsthalle fündig: Die „Promenade an der Seine“ von Gabriele Münter wird oftmals von den Besuchern übersehen, sagt Pressesprecherin Ilka Erdwiens. Das Bild ist nur etwa 16 mal 18 Zentimeter groß – passt also fast 1000 Mal in das neue Werk.

Mit Cockpitleiter am Bild gearbeitet

Allein die Leinwand zu bauen, war schon eine Herausforderung, verrät der Künstler. Weil sein Atelier zu klein war, wich Pleitner in eine leere Halle einer Emder Spedition aus. Mithilfe einer Cockpitleiter, also einer Leiter, die für den Zugang zu Flugzeugen genutzt wird, hat er dort an seinem Bild gearbeitet. Vom Bespannen des Keilrahmens bis hin zum fertigen Gemälde vergingen ungefähr vier Monate. Unzählige Farbtuben leerten sich, erzählt der Maler. Damit man das Werk in das Museum bringen konnte, wurde ein Fenster eines Nebeneingangs entfernt. „Ich bin einfach froh, dass es jetzt hängt“, so Pleitner.

„Jenseits der Leere“ stellt die Werke von Jan Pleitner aus.
„Jenseits der Leere“ stellt die Werke von Jan Pleitner aus.

Auch der neue Teppich im Ausstellungsraum wurde vom Künstler gestaltet. Er führe durch die Dimensionen oder lasse „einen durchs Universum fliegen und dann begegnet man einem Bild“, wie Pleitner es selbst beschreibt. An den Wänden hängen mehrere seiner abstrakten Arbeiten. Lisa Felicitas Mattheis, wissenschaftliche Direktorin und Vorständin der Kunsthalle, lobt: „Das Besondere an Jan Pleitners Malerei ist die Kraft, die dabei zum Ausdruck kommt“. Er beziehe sich unbewusst auf kunsthistorische Strömungen wie den Vortizismus, auch Ähnlichkeiten zu Kirchenfenstern lassen sich entdecken, erklärt Mattheis.

Künstler lebt in Ostfriesland

In seiner Kunst „kann jeder selbst bestimmen, was er sieht und wie er es sieht – es wabert immer weiter“, sagt Pleitner. Mattheis beschreibt seine Arbeit als eine „direkte Auseinandersetzung mit der Leinwand.“ Mit einem Mallappen verwischt er die Farben und „schafft so existenzielle Malerei, die aus sich selbst entsteht, wie die Natur selbst“. Der Künstler ist 1984 in Oldenburg geboren und hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Inzwischen wohnt er in Ostfriesland.

Mit Material der dpa.

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