Wiesmoor entscheidet nicht öffentlich  Grünes Licht für umstrittenes Moorprojekt

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 10.05.2023 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wiedervernässte Moore leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Foto: Hollemann/dpa
Wiedervernässte Moore leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Foto: Hollemann/dpa
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Nicht der Rat, sondern der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss der Stadt Wiesmoor hat über ein umstrittenes Moorprojekt entschieden. Der Bürgermeister will sich am Donnerstag dazu äußern.

Wiesmoor/Aurich - Trotz vieler offener Fragen hat der Verwaltungsausschuss (VA) der Stadt Wiesmoor am Dienstagabend einen Grundsatzbeschluss für die Wiedervernässung im Landschaftsschutzgebiet „Am Ottermeer“ gefasst. Das teilte der Ratsherr Edgar Weiss von der Freien Bürgerliste Wiesmoor (FBW) am Mittwoch auf Anfrage mit. Der VA tagt stets nicht öffentlich. Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) äußerte sich nicht zu dem Thema. Er hat für diesen Donnerstag zu einem Pressegespräch eingeladen.

Weiss hatte nach eigenen Angaben beantragt, das Thema im VA von der Tagesordnung zu nehmen und stattdessen in einer öffentlichen Ratssitzung darüber zu beraten. Dies sei abgelehnt worden. Das Gremium habe sich jedoch dafür ausgesprochen, dass der Naturschutzbund (Nabu) das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt in einer öffentlichen Sitzung vorstellt.

In Hannover „ein Riesenthema“

Moorflächen spielen beim Klimaschutz eine Schlüsselrolle. Im Moor sind große Mengen Kohlendioxid (CO2) gespeichert, allerdings nur im nassen Moor. 92 Prozent der Moore in Deutschland sind jedoch entwässert. Durch Entwässerung wird das gespeicherte CO2 wieder freigesetzt. Um diesen Prozess zu stoppen, muss das Moor durch die Einleitung von Regenwasser in seinen Urzustand zurückversetzt werden. Die Auricher Kreisverwaltung sieht am Ottermeer ein Einsparpotenzial von 350.000 Tonnen CO2.

Auf einem 28 Hektar großen Gebiet kann kurzfristig mit der Wiedervernässung losgelegt werden. Grafik: Kirsten Schüür
Auf einem 28 Hektar großen Gebiet kann kurzfristig mit der Wiedervernässung losgelegt werden. Grafik: Kirsten Schüür

Das Projektgebiet liegt westlich der Stadt Wiesmoor (siehe Grafik). Rund die Hälfte der Fläche gehört dem Landkreis Aurich oder der Stadt Wiesmoor. Langfristig ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass Moorflächen in Privateigentum gegen den Willen der Eigentümer wiedervernässt werden. Der Auricher Landrat Olaf Meinen (parteilos) hatte in einer Sitzung des Kreisumweltausschusses am 24. April gesagt: „Wenn der Gesetzgeber sagt, in 10 bis 15 Jahren muss das ganze Landschaftsschutzgebiet wiedervernässt werden, dann machen wir das.“ In Hannover sei Wiedervernässung „ein Riesenthema“.

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Bürgerinitiative hat Petition gestartet

In Wiesmoor regt sich Widerstand gegen die Pläne. Vergangene Woche hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Anwohner fürchten, dass die Vegetation im Landschaftsschutzgebiet durch den Eingriff mit schweren Maschinen für die Wiedervernässung zerstört wird. Eine Online-Petition mit dem Titel „Stoppt die Zerstörung des Landschaftsschutzgebietes – Rodung und Torfabbau verhindern!“ hatte bis Mittwochnachmittag 956 Unterzeichner.

Auch Edgar Weiss gehört zu den Kritikern. Es gebe in Wiesmoor Flächen, die viel besser für eine Wiedervernässung geeignet seien, sagte der Ratsherr. Es müsse nicht ausgerechnet das Landschaftsschutzgebiet sein. Nicht zuletzt drohe auf dem benachbarten Campingplatz eine Mückenplage, warnte Weiss.

Kreistag entscheidet im Juni

Bernd Hofer vom beauftragten Planungsbüro Hofer & Pautz hatte am Montag im Gespräch mit der Redaktion versucht, die Bedenken zu zerstreuen. Es sei keineswegs geplant, Natur zu zerstören. Auch Torfabbau sei nicht geplant. Lediglich der Oberboden müsse abgeschoben werden, damit auf dem gewachsenen Torf neues Moor wachsen könne, so der Diplom-Ingenieur.

Der Umweltausschuss des Kreistags hat dem Projekt bereits zugestimmt. Der Kreistag möge die Verwaltung beauftragen, eine Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Wiesmoor und dem Nabu-Klimafonds zu schließen und für die Wiedervernässung die kreiseigenen Flächen am Ottermeer zur Verfügung zu stellen, heißt es in der Empfehlung. Der Kreistag entscheidet am 28. Juni – öffentlich.