Berlin  Immer auf die Ampel: Warum die CSU Markus Söder wieder feiert

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 06.05.2023 15:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Einstimmig vom CSU-Parteitag zum Spitzenkandidat gewählt: Markus Söder (Mitte). Foto: Peter Kneffel
Einstimmig vom CSU-Parteitag zum Spitzenkandidat gewählt: Markus Söder (Mitte). Foto: Peter Kneffel
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Markus Söder ist von seiner CSU mit einem Traumergebnis zu ihrem Spitzenkandidaten gewählt worden. Warum sein Anti-Ampel-Kurs sich (vorerst) auszahlen könnte.

Markus Söder dürfte es recht gewesen sein, dass er zum Spitzenkandidaten in Bayern gewählt wird, während Charles III in England seine Krönung feiert. Die Konkurrenz um die öffentliche Aufmerksamkeit scheut Söder ohnehin nicht. Der Verdruss über den vermeintlichen „Ampel-Norden” hat die CSU neu zusammengeschweißt und verleiht Söder im Wahlkampf Aufwind. Wenn die Regionalpartei bei der Wahl im Oktober über 40 Prozent kommt, wird sie nicht nur Olaf Scholz und seiner Ampel-Koalition das Leben schwer machen, sondern auch in der Union wieder mehr mitreden wollen.  

Söder wird seine „Bayern-Koalition” mit den Freien Wählern in Dauerschleife als Gegenentwurf zur Bundespolitik präsentieren. Allerdings sind Bekenntnisse zu Schweinebraten und Winnetou-Filmen, Gender-Kritik und die unrealistische Ankündigung, in Bayern in Eigenregie Kernkraftwerke zu betreiben noch kein tragfähiges Regierungsprogramm. Und Bayern ist keine Insel. 

Der Grat ist deshalb ein schmaler für Söder. Auch Bayern, Land der Autobauer mit mehr als 200.000 Arbeitsplätzen in der Branche, wird sich der Transformation seiner Wirtschaft nicht verschließen können. Bei der Energiewende müssen der windreiche Norden und der industriereiche Süden eigentlich eng zusammenarbeiten. Wenn die Menschen in Bayern Söders Anti-Ampel-Kurs als Nachteil für sich erleben, werden sie skeptisch werden. 

Auch die CDU kann sich vor einem wieder erstarkten Markus Söder fürchten. Er hat zwar gerade erst erklärt, dass er für eine weitere Kanzlerkandidatur nicht zur Verfügung steht. Wenn es aber Richtung Bundestagswahl geht und die Chancen für einen Regierungswechsel mit Friedrich Merz eher schlecht stehen, könnte er doch in Versuchung kommen. Wer, wenn nicht Söder, würde es sich zutrauen, doch noch eine Wechselstimmung zu erzeugen und die Ampel nach nur vier Jahren abzulösen?   

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