Leerstände in der City  Auricher Osterstraße geht langsam den Bach runter

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 06.05.2023 11:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Brandkasse hat zwei Ladenlokale zu vermieten. Foto: Ortgies
Die Brandkasse hat zwei Ladenlokale zu vermieten. Foto: Ortgies
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Nachdem das Geschäft Schecker die Osterstraße verlassen hat, steht dort ein weiteres Geschäft leer. Die Anwohner erleben die Situation als dramatisch.

Aurich - Auf 192 Metern zieht sich seit Anfang April solider, schöner Klinker die Osterstraße in Aurich entlang. Alles neu verlegt, alles optisch wunderbar. Bänke laden zum Verweilen ein, Spielgeräte zur lässigen Ertüchtigung. Der Anblick ist Anlass zur Freude, wenn nur der Leerstand nicht wäre. Der hat sich mit dem Weggang des Tierfuttergeschäfts Schecker an der Ecke zur Wallstraße noch verschärft. Das Unternehmen aus Südbrookmerland ist vor einigen Wochen in ein Ladenlokal an der Burgstraße gezogen. „Es ist wirklich schade, dass es diesen Laden hier nicht mehr gibt“, sagt Almuth Maaß. Die Geschäftsfrau betreibt die gleichnamige historische Drogerie in der Osterstraße 26. Zusammen mit ihrem Nachbarn, einem Händler für Textilien, ist sie die einzige, die im hinteren Teil der Straße noch durchhält.

Alle Geschäfte im Umkreis wurden nach und nach geschlossen oder sind umgezogen. Uwe Meyer etwa, der in der Osterstraße 32 fast 30 Jahre lang ein zoologisches Fachgeschäft betrieben hat. Im September 2021 hat er sich am Stadtrand angesiedelt. Spezialgeschäfte wie seines werden gezielt von den Kunden angesteuert. Er selbst sah an dem Standort an der Osterstraße keine Zukunft mehr. Das Gebäude gehört der Stadt. Die Verwaltung will durch ein Sanierungsprogramm dazu beitragen, dass die Osterstraße ihr Image als „Problemstraße“ verliert. Sie hat vor drei Jahren in einem speziellen Verfahren die Gebäude 28 bis 36 an den Immobilienmakler und Unternehmer Lennart Gerstmeier veräußert − der Idee nach. Er hat den Zuschlag erhalten. Doch tatsächlich ist der Verkaufsvertrag noch gar nicht unterzeichnet, wie Laura Rothe, Juristin der Stadt und designierte Erste Stadträtin, am Donnerstag auf Anfrage der Redaktion bestätigte. Warum? Die Stadt ist an Verschwiegenheitspflichten gebunden, Lennart Gerstmeier ist seit Wochen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Geplant war die Errichtung eines Parkhauses und einiger Wohn- und Geschäftshäuser.

Suche auf verschiedenen Kanälen

Von rund 25 Ladenlokalen an der Osterstraße steht etwa die Hälfte leer. Das Schlimme sei, sagt Almuth Maaß, dass es keine Perspektive gebe. Man wisse nicht, wann sich der Pfropf löse und Bewegung in die Vermarktung komme. Mit jedem Geschäft, das schließt, sinke die Wahrscheinlichkeit einer Verbesserung. Anlass zur Hoffnung besteht aktuell in dem Gebäude der Ostfriesischen Brandkasse, deren Front erneuert worden ist. Auf Wunsch der Stadt habe man die Arkaden zugemauert, so dass sich ein einheitliches Fassadenbild biete, sagte Brandkassen-Sprecherin Signe Foetzki. Zwei neue Ladenlokale könne man jetzt anbieten. Seit dem 1. Mai sind die in der Vermarktung: „Wir versuchen, auf verschiedenen Kanälen neue Mieter zu finden.“

Nach einem neuen Mieter sucht auch der Eigentümer des Hauses, in dem Schecker ansässig war. „Ich habe mehrere Interessenten“, sagte er auf Anfrage der Redaktion. Er müsse jetzt überlegen, wem er den Zuschlag gebe. Das könne dauern. Vor August sei nicht mit einer Vermietung zu rechnen. Welcher Branche er den Vorzug gebe, wollte er nicht sagen. Bleibt zu hoffen, dass es etwas ist mit einem Alleinstellungsmerkmal. Davon gab es mal etliche Geschäfte an der Osterstraße, nämlich die finnischen Produkte von Kaisu Mari in der Nummer 23, ein Geschäft mit originellen Textilien im Gebäude der Brandkasse oder ein Geschäft für Bastelbedarf.

Vor die Wand gefahren

Ein Kommentar von Gabriele Boschbach

Wie fahre ich gleich eine ganze Straße vor die Wand? Wer eine Anleitung dafür sucht, kann sich in Aurich von sachkundigen Entscheidungsträgern beraten lassen. Was in der Osterstraße an Versäumnissen zu verantworten ist, geht auf keine Kuhhaut. Über das genaue Ausmaß der Fehlplanung kann man nur orakeln, weil das Problem nicht thematisiert wird. Es ist aber von der Stadt mitverursacht worden, weil sie einen Vierteil-Straßenzug aufgekauft hat und daraus seit Jahren eine Hängepartie macht. Vielleicht ändert sich erst etwas, wenn der letzte Kaufmann seinen Schlüssel im Ladenlokal umgedreht und sich einen anderen Standort gesucht hat. Dann dürfte es aber tatsächlich zu spät sein.

Die Autorin erreichen sie unter g.boschbach@zgo.de

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