Schlechte Bewertungen auf Google  So kurios bewerten Touris Ostfriesland

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 06.05.2023 17:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Pilsumer Leuchtturm ist „unbeeindruckend, irgendwie“ und für manchen gar eine „gestreifte Blechtonne im ostfriesischen Nirwana“. Foto: Wagenaar/Archiv
Der Pilsumer Leuchtturm ist „unbeeindruckend, irgendwie“ und für manchen gar eine „gestreifte Blechtonne im ostfriesischen Nirwana“. Foto: Wagenaar/Archiv
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Pilsumer und Campener Leuchtturm oder der Schiefe Turm in Suurhusen: bekannte Sehenswürdigkeiten in der Region. Aber nicht alle Besucher sind begeistert, wie ein Blick in die Google-Bewertungen zeigt.

Krummhörn/Hinte - Es ist gar nicht so lange her, da blieben schlechte Urlaubserfahrungen in der Familie, wurden höchstens im Freundeskreis erzählt. Dann kam das Internet. Seitdem kann jeder, informiert oder nicht, seine Meinung zu allen möglichen Orten und Sachen in die Kommentar- und Bewertungsspalten donnern.

Was und warum

Darum geht es: Wenn Besucher ihren Frust ablassen, kommen dabei manchmal kurios-lustige Google-Bewertungen zustande.

Vor allem interessant für: Einheimische und Touristen

Deshalb berichten wir: Wir haben uns gefragt, welche Bewertungen vor allem Touristen zu hiesigen Sehenswürdigkeiten bei Google hinterlassen.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Auch bei den Sehenswürdigkeiten in den Gemeinden Krummhörn und Hinte ist das nicht anders. Diese Zeitung hat sich durch die Bewertungen gewühlt und die besten schlechten Bewertungen zusammengestellt. Ganz subjektiv, mehr als einmal kichernd und die gröbsten Rechtschreibfehler rausnehmend.

Pilsumer Leuchtturm: „unbeeindruckend, irgendwie“

Der Pilsumer Leuchtturm wurde 1890 erbaut und hat es vor allem dank des Films „Otto – Der Außerfriesische“ zu bundesweiter Berühmtheit geschafft. Die Gemeinde Krummhörn wirbt seit Jahren mit dem Leuchtturm.

Das Bauwerk ist ein beliebtes Fotomotiv, aber offenbar ist nicht jeder vor Ort wirklich begeistert: „Eine gestreifte Blechtonne im ostfriesischen Nirwana. Kein Grund hinzufahren, ich bin etwas enttäuscht. Ostfriesland enttäuscht mich Mal zu Mal mehr mit seinem Nix.“

Bemängelt werden, neben dem Hundeverbot auf dem Deich, vor allem die Parkplatzsituation sowie die sanitären Anlagen. Oder auch: „Parkplatz zu teuer. Hunde verboten! Und Kinderwagen müssen über Zäune gehoben werden.“

Video
Der Pilsumer Leuchtturm aus der Luft
05.05.2023

Manch Kommentator ist in seiner mangelnden Begeisterung eher zusammenfassend: „Da steht ein rot-gelber Leuchtturm, der durch Otto Waalkes medial verbreitet wurde ca. 500 m von einen kostenpflichtigen Parkplatz entfernt. Ab und zu kann er auch innen besichtigt werden. Auch Trauungen sind möglich. Das war’s.“ Andere sind eher wortkarg – „unbeeindruckend, irgendwie“ – oder in völliger Unkenntnis der medialen Bedeutung: „Nur ein Rot Gelber Turm. Keine Ahnung warum der so viele Touristen anzieht.“ Andere wiederum sind ebenfalls unzufrieden, wünschen sich aber dann doch mehr irgendwie: „Völlig überbewertet. Es sind noch nicht mal Souvenirläden vor Ort. Zudem ist der Turm nicht täglich geöffnet. Für mich sehr enttäuschend.“

Badesee Greetsiel: Warum?!

Ein Geheimtipp und immer wieder von Blaualgen betroffen: der Badesee bei Greetsiel. Foto: Wagenaar/Archiv
Ein Geheimtipp und immer wieder von Blaualgen betroffen: der Badesee bei Greetsiel. Foto: Wagenaar/Archiv
Der Badesee Greetsiel ist so oder so eher ein Geheimtipp und oft von Blaualgen befallen. Sanitäre Anlagen, Badeaufsicht oder andere Infrastruktur gibt es dort nicht. Das bemängeln viele in den Bewertungen, aber ein Gast stellt gleich die ganze Existenz infrage: „Wenn ich an die Nordsee fahre, um dort Urlaub zu machen, HALLO denn bade ich in der Nordsee, und wenn die Ebbe einsetzt, habe ich noch das Watt. Da brauche ich kein Badesee, den habe ich zuhause auch.“

Deicharbeiter-Denkmal: „leider ein künstlerischer Tiefpunkt“

Jutta und Michael Hagen aus Achim waren mit ihrem Wohnmobil in der Krummhörn unterwegs – und etwas angetaner vom Denkmal als so manch anderer. Foto: Wagenaar
Jutta und Michael Hagen aus Achim waren mit ihrem Wohnmobil in der Krummhörn unterwegs – und etwas angetaner vom Denkmal als so manch anderer. Foto: Wagenaar
Das Denkmal in Diekskiel wurde 1973 eingeweiht. Es erinnert an die vielen Generationen von Deicharbeitern, die mit großem Kraftaufwand die Küsten sicherten. Die Bedeutung des Deiches wird unter anderem mit der Inschrift „Kein Deich - kein Land - kein Leben“ betont. Oder wie ein Besucher es ausdrückt: „Fünf aufeinander gestapelte Klötze aus Beton. Mit Inschrift. Wir waren nur hier, weil wir auf den Deich wollten.“

Ein anderer ist immerhin von der Sache überzeugt. Aber nicht von der Umsetzung: „Gute Andenken, aber leider ein künstlerischer Tiefpunkt.“

Campener Leuchtturm: „nicht so toll, sollte man trotzdem besuchen“

Hoch hinaus geht es in Campen. Wenn geöffnet ist. Foto: Wagenaar/Archiv
Hoch hinaus geht es in Campen. Wenn geöffnet ist. Foto: Wagenaar/Archiv
In den Google-Bewertungen zum Campener Leuchtturm findet sich viel Enttäuschung, da das imposante Bauwerk in der jüngsten Vergangenheit lange verhüllt und eine Baustelle war. Das Stahlgerüst des Turmes musste saniert werden. Mit 65,30 m Höhe ist er der höchste Leuchtturm Deutschlands. Wer möchte, kann die etwas mehr als 300 Stufen bis zur oberen Aussichtsplattform erklimmen. Da kann die Enttäuschung schon mal groß sein, wenn geschlossen ist: „Öffnungszeiten nicht korrekt, man steht vor verschlossenen Türen. Enttäuschte Kinder. Kein weiterer Besuch. Blödes Volk. Mundpropaganda.“

Andere wiederum versuchen trotz aller Enttäuschung noch Positives zu finden: „Keine schöne Stelle, am besten schnell wieder weg. Blick auf die Emsmündung mit Kraftwerken. Ansonsten aber gute Luft.“ Oder auch: „Nicht so toll, sollte man trotzdem besuchen“.

Schiefer Turm Suurhusen: Was ist daran schief?

Für manchen optisch gar nicht schief: der Suurhuser Kirchturm. Foto: Archiv
Für manchen optisch gar nicht schief: der Suurhuser Kirchturm. Foto: Archiv
Bekannte Sehenswürdigkeiten gibt es aber nicht nur in der Krummhörn. Auch Hinte hat hier etwas zu bieten, definitiv den Schiefen Turm von Suurhusen. Der ist weiterhin Weltrekordhalter im Guinnessbuch der Rekorde, auch wenn andere Rekordbücher den schiefsten Turm woanders in Deutschland sehen.

Video
Wissenswertes über den Schiefen Turm von Suurhusen (Archiv 2021)
05.05.2023
Dass es sich um einen Kirchturm handelt und ostfriesische Kirchen oft auf Friedhöfen stehen, war manchem Gast vor dem Besuch offenbar nicht geläufig. Oft wird nämlich betont, dass da auch ein Friedhof ist – und mancher versteht die Aufregung nicht: „Es ist ein Friedhof und ja das Gebäude ist schief aber unbedingt extra deshalb da hin fahren lohnt nicht wirklich.“ Ein anderer Kommentator braucht hingegen vielleicht eine neue Brille: „Rein optisch hat der Turm für mich keine Schräglage“.

Andere geben den Erbauern die Schuld: „Nicht die Reise wert, einfach schlecht gebaute Kirche“. Anderen reicht die Kirche einfach nicht: „Langweilig, man sieht die schiefe Kirche, aber das war’s dann. Es gibt nichtmal einen Kiosk in der Nähe oder ein Café. Trostlos und langweilig, keine Reise Wert.“

Manch Besucher ist aber ganz falsch. Wenn man aber bedenkt, dass selbst Hinteraner Ratsmitglieder nicht immer alles finden, fühlt man schon ein bisschen mit: „Hab Dorfgemeinschaftshaus auf Googlemaps eingegeben und wurde nach Grimersum geführt. Das Dorfgemeinschaftshaus ist auch ein Feuerwehrhaus. Haupteingang genauso schwer zu finden. Man steht davor und denkt, dass man richtig ist. Falsch gedacht.... Der Eingang befindet sich links auf einem schlecht beleuchteten Weg, hinterm Haus. Diese Erfahrung hat mich viel Zeit gekostet.“ Der schönste Eintrag findet sich aber zu einer Frage bei Google: „Was ist daran schief?“ – „Der Turm!“

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