Osnabrück  Immer mehr Venezolaner und Kolumbianer beantragen Asyl in Deutschland

Jule Rumpker
|
Von Jule Rumpker
| 08.05.2023 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf der Flucht: Derzeit verlassen sehr viele Kolumbianer und Venezolaner ihre Heimatländer. Foto: dpa/AP/Dolores Ochoa
Auf der Flucht: Derzeit verlassen sehr viele Kolumbianer und Venezolaner ihre Heimatländer. Foto: dpa/AP/Dolores Ochoa
Artikel teilen:

Neben Syrern, Afghanen und Türken sind es vor allem Venezolaner und Kolumbianer, die Asyl in EU-Staaten suchen. In Deutschland haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt. Woran liegt das?

Die Zahl der Asylbewerber aus Venezuela und Kolumbien steigt in Deutschland stark an. Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stellten in den ersten drei Monaten dieses Jahres insgesamt 1157 Venezolaner einen Asylantrag. Im gleichen Zeitraum in 2022 waren waren es nur 471 Menschen. Auch die Zahl der Asylgesuche von Kolumbianern ist angestiegen: Von Januar bis März dieses Jahres beantragten 747 Menschen aus Kolumbien Asyl in Deutschland – im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 327.

Nach Angaben des BAMF liegt die Schutzquote für Antragsteller aus Venezuela in Deutschland aktuell bei 25,8 Prozent. „Im laufenden Jahr 2023 erfolgte bezüglich kolumbianischer Staatsangehöriger keine Schutzzuerkennung“, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Redaktion. (Stand April 2023)

Die steigenden Zahlen von Asylantragstellern aus Venezuela und Kolumbien zeigen sich auch auf europäischer Ebene. Im Februar 2023 stellten insgesamt 5192 Venezolaner und 5247 Kolumbianer Asylanträge in EU-Staaten. Zusammen haben sie 13 Prozent aller Anträge in den EU-Staaten ausgemacht. Das geht aus Daten der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA) hervor. Die Zahl der Asylanträge von Menschen aus diesen beiden Ländern in EU-Staaten steigt der EUAA zufolge seit vielen Jahren an.

Die Statista-Grafik zeigt die Anträge auf Asyl in der EU nach Nationalitäten im Februar 2023.

Über 2100 Anträge von Venezolanern und 1400 Anträgen von Kolumbianern in EU-Staaten wurde im Februar entschieden – lediglich 200 Antragsteller bekamen eine von der EU regulierte Form des internationalen Schutzes (Flüchtlingseigenschaft und subsidiärer Schutz). Die Anerkennungsquote lag europaweit bei nur sechs Prozent.

Allerdings: In Spanien wird nach Angaben der EUAA fast allen Venezolanern und Kolumbianern sogenannter nationaler Schutz gewährt – im Februar betraf dies etwa 88 Prozent der venezolanischen Fälle. Das bedeutet, dass die Menschen in der EU bleiben dürfen, ihr Fall aber nicht auf die offizielle Anerkennungsquote angerechnet wird.

Wie der „Spiegel“ 2019 berichtete, bitten die meisten Venezolaner, die in die EU kommen, in Spanien um Asyl. Abgelehnten Asylbewerbern aus Venezuela werde nach einer Einzelfallprüfung ein Schutzstatus aus humanitären Gründen gewährt. Damit dürfen die Asylbewerber ein Jahr im Land bleiben und arbeiten – bekommen allerdings auch kein Geld mehr vom Staat.

Aus welchen Gründen die Südamerikaner Asyl in Deutschland beantragten, kann das BAMF nicht näher erläutern. „Die Asylgründe, die Antragsteller im Rahmen ihrer Anhörung vortragen, werden beim Bundesamt statistisch nicht erfasst“, so die Sprecherin. Die Vorträge der Antragsteller seien so vielschichtig, dass es nicht möglich sei, diese auf eine statistische Komponente zu reduzieren.

Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe flüchten die Menschen, weil sich „das ehemals stabile Venezuela“ seit dem Amtsantritt von Präsident Nicolás Maduro 2013 „immer tiefer ins Chaos“ stürzt. Über 80 Prozent der Bevölkerung gilt dem Auswärtigen Amt zufolge als arm, trotz der leichten wirtschaftlichen Erholung seit 2021. Sieben Millionen Venezolaner, ein Viertel der Bevölkerung, hätten das Land in den letzten zehn Jahren verlassen. Die Kriminalität stieg nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe enorm an und die Regierung sei nicht mehr in der Lage, dem Terror und der Gewalt Einhalt zu gebieten.

Auch Kolumbien ist der UNO-Flüchtlingshilfe zufolge durch anhaltende Konflikte zwischen bewaffneten Gruppen geprägt, die viele Menschen zur Flucht zwingen. Eine große Herausforderung ist dem Auswärtigen Amt zufolge zudem die hohe Zahl an venezolanischen Flüchtlingen bzw. Migranten in Kolumbien – die Zahlen variieren zwischen 1,8 und 2,4 Millionen. Seit 2015 ist Kolumbien nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe eines der Länder mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit.

Ähnliche Artikel