Osnabrück  Warum der große Durchbruch von ChatGPT noch auf sich warten lässt

Louisa Riepe
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Von Louisa Riepe
| 04.05.2023 11:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
ChatGPT Foto: Richard Drew/AP/dpa
ChatGPT Foto: Richard Drew/AP/dpa
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Künstliche Intelligenz wird unseren Alltag und unser Berufsleben verändern. Aber noch sind ChatGPT und Co. (noch) nicht praktisch genug für den großen Durchbruch, meint unsere Autorin.

Na, heute schon ChatGPT genutzt? Nein? Dann geht es Ihnen, wie vermutlich den meisten Menschen in Ihrer Umgebung. Es gut fünf Monate her, dass das US-amerikanische Tech-Unternehmen Open AI den Chatroboter auf den Markt gebracht und einen Hype ausgelöst hat. Seit dem ist es still geworden um ChatGPT – zumindest für den Normal-Nutzer.

Woran liegt das? Bei ChatGPT handelt sich um ein statistisches Sprachmodell, das ständig die Wahrscheinlichkeit für das nächste passende Wort berechnet – auf Basis aller verfügbaren Texte im Internet. Das ist revolutionär, bedeutet aber auch: Die Ergebnisse sind nur so gut, wie die Anweisungen, die das System bekommt. ChatGPT ist ein Profi-Tool.

Denn es kommt auf die sogenannten „Prompts“, die Befehle, an. Findige Geschäftsleute weltweit bieten inzwischen ihre Dienste im „Prompt“-Schreiben an. Und es gibt hunderte, wenn nicht tausende Startups, die dem Nutzer die Arbeit des „Prompt“-Schreibens gleich ganz abnehmen. Sie bieten maßgeschneiderte Lösungen, zum Beispiel, um eine Präsentation auf Basis eines Textes zu erstellen, bei digitalen Meetings Protokoll zu führen, Emails vorzuformulieren oder eine Website neu aufzusetzen. 

Jedes dieser Werkzeuge kostet Geld, die Nutzungsbedingungen sind oft undurchsichtig und es ist schwierig, im Dschungel der Anwendungen die richtige zu finden. Deshalb ist die Technik noch weit davon entfernt, im Alltag der Menschen angekommen zu sein.

Der Siegeszug der künstlichen Intelligenz (KI) steht erst dann bevor, wenn die großen Tech-Giganten einsteigen: Microsoft, Google, Meta, Apple und Co. kontrollieren die Hard- und Software dieser Welt. Sie haben das Potenzial, KI auf jedes Smartphone und auf jeden Computer zu bringen. 

Open AI, das Unternehmen hinter ChatGPT, hat im Januar angekündigt, seine Partnerschaft mit Microsoft vertiefen zu wollen. ChatGPT ist bereits in die Suchmaschine Bing integriert und liefert nicht mehr nur Suchergebnisse, sondern beantwortet Fragen.

Google hat mit „Google Bard“ seinen eigenen virtuellen Assistenten auf Basis der künstlichen Intelligenz LaMDA (Language Model for Dialogue Applications) angekündigt. US-Anwender von „Google Workspace“ profitieren bereits heute von der KI-Unterstützung – die zum Beispiel Email-Verläufe zusammenfasst, Formulierungsvorschläge macht oder Präsentationen vorbereitet.

Einzig Apple scheint bei der Entwicklung hinterherhinken. Brancheninsider berichten zwar, das Unternehmen arbeite ebenfalls daran, seine Systeme mit KI aufzurüsten. So könnte die Sprachsteuerung Siri durch KI zu einer echten Gesprächspartnerin werden. Doch bisher gibt es keine offiziellen Presseinformationen des Unternehmens zum Einsatz von KI.

Selbst wenn bei der aktuellen Entwicklung Startups die Nase vorn zu haben scheinen: Die großen Konzerne werden mit Milliardenbudgets nachziehen und die kleinen vermutlich bis auf wenige vom Markt verdrängen. Erst wenn dieser Prozess stattgefunden hat, ist der Zeitpunkt gekommen, dass KI wirklich bei den Menschen ankommt.

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