Sanierung sorgt für Ärger  Neue Infos über Emder Trogstrecke hinter verschlossenen Türen?

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 03.05.2023 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die als Trogstrecke bekannte Südumgehung ist seit 2020 eine Dauerbaustelle. Noch ist kein Ende in Sicht. Foto: F. Doden/Archiv
Die als Trogstrecke bekannte Südumgehung ist seit 2020 eine Dauerbaustelle. Noch ist kein Ende in Sicht. Foto: F. Doden/Archiv
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Zuletzt hatte die Stadtbaurätin angekündigt, dass im nächsten BEE-Ausschuss über die Sanierung berichtet wird. Nun heißt es, dass die Sitzung nur für die Politik gedacht ist. Was steckt dahinter?

Emden - Rund 8000 Autofahrer, 1230 Fahrradfahrer und 340 Fußgänger nutzen normalerweise täglich die Emder Trogstrecke. All diese Verkehrsteilnehmer warten auf Neuigkeiten zu der seit dem Sommer 2020 laufenden Sanierung der wichtigen Anbindung an den Außenhafen. Im Trog gibt es nämlich erhebliche Probleme mit immer wieder eindringender Feuchtigkeit. Der Zeitplan der Fertigstellung ist längst nicht mehr zu halten. Umso erstaunlicher erscheint die Informations-Politik der Stadt.

Was und warum

Darum geht es: die Irrungen und Wirrungen bei der Trogstrecken-Sanierung

Vor allem interessant für: die tausenden Verkehrsteilnehmer, die täglich die Südumgehung nutzen wollen

Deshalb berichten wir: Das Thema Trogstrecke ist wichtig für Emden und wir warten immer auf Updates dazu. Eine Aussage von Stadtbaurätin Irina Krantz im Stadtentwicklungsausschuss sorgt für Verwirrung. Wir haben weiter nachgehakt.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Man wolle vor Ostern über den aktuellen Sanierungsstand berichten, so hieß es von Stadtbaurätin Irina Krantz und der Stadtpressestelle im März. Man warte nur noch auf die Rückmeldung des zuständigen Planungsbüros, hieß es wiederholt. In der vorvergangenen Woche teilte Krantz dann auf frustrierte Nachfrage von Andreas ten Hove (SPD) im Stadtentwicklungsausschuss mit, dass man im kommenden Ausschuss des Bau- und Entsorgungsbetriebes (BEE) informieren wolle. Die Sitzung ist aber nur für die Politik und ohne Bürgerschaft angesetzt, wie die Stadt aktuell auf eine Anfrage von dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Erich Bolinius mitteilt. Was ist da los?

Stadt lehnt Antrag der FDP zur Öffentlichkeitsbeteiligung ab

Am 4. Mai, also diesen Donnerstag, trifft sich der BEE-Ausschuss am Nordkai. Im Bürgerinfoportal, wo alle Interessierten nachschauen können, wann welche Ausschüsse tagen und welche Punkte besprochen werden, ist nicht vermerkt, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist. Eine Tagesordnung fehlt aber noch. Die allerdings werden häufig erst kurzfristig bei den Terminen eingehängt.

Auf Antrag von Bolinius bei der Stadt, ob es nicht auch einen öffentlichen Teil in der Sitzung geben kann, an dem Bürgerinnen und Bürger über die Trogstrecken-Sanierung informiert werden können, antwortet die Stadt: „Auf der Tagesordnung stehen ausnahmslos Auftragsvergaben.“ Diese werden immer ohne Öffentlichkeit besprochen.

Trogstrecke soll doch nicht im Ausschuss besprochen werden

„Die Informationen über den weiteren Fortlauf der Sanierung der Trogstrecke werden, wie bereits mehrfach angekündigt, kommuniziert sobald Erkenntnisse dazu vorliegen“, erklärt die Stadt weiter. Zum jetzigen Zeitpunkt sei dies nicht der Fall und dementsprechend in der kommenden Sitzung nicht vorgesehen. „Still ruht der ‚See‘. Antrag abgelehnt. Sehr bedauerlich. Die Bürgerschaft wartet auf Antworten“, schreibt Bolinius dazu dieser Zeitung.

Auf erneute Nachfrage dieser Zeitung erklärt Stadtsprecher Eduard Dinkela, dass diesen Donnerstag überhaupt nicht über die Trogstrecke gesprochen werden soll – auch nicht bei den Auftragsvergaben. „Das Planungsbüro hat den Planungsauftrag für die Trogstrecke fertiggestellt“, erklärt er. Es gehe nun um die konkrete Umsetzung und Abstimmung dieses Planungsauftrages. Dafür sei die Firma Matthäi zuständig. „Wie Sie wissen, ist die Verfügbarkeit von Firmen, Handwerkern, Rohstoffen derzeit extrem angespannt und es kann zu Verzögerungen kommen“, so Dinkela. Sobald ein abgestimmter Zeitplan mit dem beauftragten Unternehmen vorliege, werde die Stadt, „wie bisher auch, die Politik, die Anlieger und die Presse in einem Vor-Ort-Termin umgehend informieren“.

Stadtbaurätin sorgt für Verwirrung

Warum Irina Krantz dann mit ihrer Aussage, dass im BEE-Ausschuss neue Infos kommen sollen, die Diskussion angestoßen hat, kann Dinkela noch nicht beantworten. Er könne sie bislang nicht erreichen, schrieb er am Dienstagabend. Am Mittwochmittag dann das Update: „Frau Krantz hatte dies unter dem Vorbehalt im Stadtentwicklungsausschuss angekündigt, dass die Abstimmung der zahlreichen Beteiligten bis dahin umsetzbar ist. Dies ist leider noch nicht gelungen“, so Dinkela.

Andreas ten Hove bestätigt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass auch er es ganz klar so verstanden habe, dass im BEE-Ausschuss über den aktuellen Stand informiert werden soll. „Das muss auch so im Protokoll vermerkt sein“, sagt er. Er sei selbst kein Mitglied in dem Gremium und habe seine dort dann anwesenden Fraktions-Genossen entsprechend gebeten, bei dem Thema ganz genau hinzuhören. Jetzt sei er „verwundert“, dass doch nichts Neues kommen soll. „Der Informationsfluss ist eher schlecht“, sagt er zum Umgang der Stadt mit dem Thema Trogstrecken-Sanierung. Er habe darum gebeten, alle Vierteljahre im Stadtentwicklungsausschuss informiert zu werden. Das klappe so nicht.

Auch zur Kostenfrage ist die Stadt ausweichend

Bei dem Sanierungsvorhaben steckt fast von Anfang an der Wurm drin: Waren die ersten Arbeiten in dem Beton-Trog noch zügig verlaufen, war der Spott schnell groß, als wieder Wasser auf der neuen Asphaltschicht stand. Enten würden dort schön schwimmen können, hieß es flapsig unter anderem aus der Politik. Zum 1. April ging das Scherzfoto über den Instagram-Account „emden.gag“ herum, auf dem das Freibad Borssum, bei dem die Sanierung ebenfalls alles andere als rund läuft, in die Trogstrecke verlegt wurde.

Zuletzt hatten Vertreter des Planungsbüros Grassl im Dezember in einem Pressegespräch darüber informiert, dass man wegen des Wasser-Problems in dem betonierten Trog nun experimentieren und ein bislang noch nicht erprobtes Verfahren anwenden wolle. Es solle in Zukunft mit dem und nicht gegen das Wasser gearbeitet werden. Ob die Theorie auch in die Praxis umgesetzt werden kann, war zuletzt aber noch unklar.

Ebenso schwammig bleibt die Auskunft der Stadt zum Thema Kosten. Rund fünf Millionen Euro waren zu Beginn angesetzt worden. Etwa die Hälfte will das Land Niedersachsen zahlen. Angesichts der Preissteigerungen überall im Bausektor ist auch bei der Trogsanierung mit Mehrkosten zu rechnen - insbesondere durch das neue Verfahren. Im Dezember erklärte die Stadt auf wiederholtes Nachbohren dieser Zeitung: „Aktuell plant das beauftragte Ingenieurbüro Grassl den neuen Fahrbahnaufbau und wird dann auch die zu bepreisenden Massen ermitteln. Erst dann kann das entsprechende Angebot eingeholt werden. Und erst dann haben wir Kenntnis von den Preisen.“

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