Berlin Vorwürfe gegen Til Schweiger: „Keinohrhasen“-Kollegin Nora Tschirner äußert sich
Til Schweiger ist einer der erfolgreichsten deutschen Schauspieler. Nun erheben Mitarbeiter am Filmset im „Spiegel“ schwere Vorwürfe gegen den 59-Jährigen. Schweiger streitet Fehlverhalten ab, seine Schauspielkollegin Nora Tschirner meldete sich nun ebenfalls zu Wort.
Millionen Menschen gehen seinetwegen ins Kino, er ist der kommerziell erfolgreichste deutsche Schauspieler und Produzent: Til Schweiger. Doch nun erheben mehr als 50 Filmschaffende dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ gegenüber schwere Vorwürfe.
An Schweigers Filmsets soll den Informanten zufolge Schikane an der Tagesordnung sein. Seine Mitarbeiter sprechen von einem Klima der Angst, erzählen, Schweiger habe sie drangsaliert und sei mehrfach betrunken am Set ausgerastet, selbst Kindern gegenüber. Er soll Arbeitszeiten in die Länge gezogen und die Crew bis an den Rand der Erschöpfung getrieben haben, sodass sogar mehrere Unfälle am Set auf Schweigers Verhalten zurückgeführt worden seien.
Auch soll Schweiger Mitarbeiter als „Wichser“ oder „Fotze“ bezeichnet haben. „Jeden Tag wurde irgendwer von ihm ausgewählt, und vor versammelter Mannschaft zusammengeschissen“, sagt eine Zeugin. „Er war laut und beleidigend. So etwas habe ich in diesem Ausmaß noch nie erlebt.“ Mindestens einmal soll er sogar handgreiflich geworden sein.
Am Set seines neuen Films „Manta Manta – Zwoter Teil“ soll er schließlich einem Crewmitglied ins Gesicht geschlagen haben. An dem Tag soll er so betrunken am Set aufgetaucht sein, dass schon Warnungen per Funk verschickt wurden: Man solle Schweiger aus dem Weg gehen und ihm nicht in die Augen schauen, heißt es. Ein Mitarbeiter der Produktionsfirma Constantin Film AG soll versucht haben, den lallenden und schwankenden Schweiger aufzuhalten, da er so nicht arbeiten könne. „Man merkte sofort, dass er aggressiv war“, zitiert der „Spiegel“ einen Mitarbeiter.
Dann kam der „Schock“, heißt es: Schweiger habe versucht, sich Zugang zum Set zu verschaffen, den Constantin-Mitarbeiter angebrüllt und ihm schließlich ins Gesicht geschlagen. Gewundert habe die Eskalation niemanden.
Dem „Spiegel“ zufolge gehen die Vorwürfe einige Jahre zurück, die ersten Vorfälle soll es 2012 am Set von „Schutzengel“ gegeben haben. Eine Anwältin von Til Schweiger dementierte dem „Spiegel“ gegenüber die Vorwürfe. Es würden „angebliche Sachverhalte“ unterstellt werden, „die es nicht gegeben hat“, andere seien „nicht bekannt“. Constantin Film sagte, die Vorwürfe seien „überwiegend unvollständig und verzerrend, teilweise auch wiederum schlicht falsch“.
Til Schweiger hatte sich zuletzt am Donnerstagabend, einen Tag vor dem Erscheinen des „Spiegel“-Artikels, bei den „Jupiter Awards“ in Hamburg gezeigt. Im Interview mit RTL betonte er, wie viel Spaß ihm das Filmemachen bereite. „Wenn so ein Film fertig geschnitten ist und man nichts mehr machen kann, dann fällt man in der Regel in so ein Loch. Dann wird man meistens erstmal ein bisschen krank. Das habe ich gerade hinter mir“, sagte er.
Familie und Freunde würden sich in dieser Zeit oft Sorgen um ihn machen. „Wenn man hart gearbeitet hat, dann feiert man danach auch hart – und beides geht auf die Gesundheit“, so der Schauspieler. Für Sorgen gebe es aber keinen Grund: „Ich weiß genau, wann ich wieder auf mich aufpassen muss.“
Noch am Freitagnachmittag meldete sich Nora Tschirner über ihren Instagram-Account zu Wort. Die Schauspielerin hatte in der Vergangenheit mehrere Filme mit Schweiger gedreht, darunter den Kinoerfolg „Keinohrhasen.“ In dem „Spiegel“-Artikel stimme „sehr viel“, erklärte Tschirner nun.
„Für jeden in der Branche ist es seit Jahrzehnten ein offenes Geheimnis, dass die Zustände herrschen“, führte die Schauspielerin aus. Dabei werde der Mut der Leute, die mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit gehen, weitestgehend ignoriert. „Da mache ich nicht mehr mit“, so Tschirner. Man müsse sich fragen, auf welche Seite man gestanden habe, was die ganze Geschichte angeht.
Konkret auf ihren Schauspiel-Kollegen Til Schweiger geht Tschirner in ihrer Videobotschaft aber nicht ein. Sie spricht stets verallgemeinernd von „der Filmindustrie“.