Neuer Vorschlag in Timmel  Flüchtlinge kommen auf dem Campingplatz unter

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 25.04.2023 15:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Campingplatz in Timmel wird möglicherweise zum neuen Zuhause für Flüchtlinge. Foto: Archiv
Der Campingplatz in Timmel wird möglicherweise zum neuen Zuhause für Flüchtlinge. Foto: Archiv
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Zwei Wochen lang wurde in Timmel über neue Flüchtlingsunterkünfte gestritten. Nun hat die Verwaltung eine Lösung gefunden. Die Ortsbürgermeisterin berichtete von Hasskommentaren.

Timmel - Die fünf Mobilheime für Flüchtlinge in Timmel werden nun doch nicht an exponierter Stelle vor dem Strandbad, sondern auf dem Campingplatz errichtet. Diesen Lösungsvorschlag hat die Gemeinde Großefehn am Montagabend dem Ortsrat Timmel/Westgroßefehn unterbreitet. Mehr als 100 Zuhörer verfolgten die Sitzung im Seminarraum des Reitsport-Touristik-Centrums (RTC). Die Stühle reichten nicht für alle.

Der Plan der Großefehn Tourismus GmbH (GTG), fünf holzverkleidete Mobilheime (Chalets) für Flüchtlinge auf dem Parkplatz vor dem Beachclub aufzustellen, hatte vor zwei Wochen Unmut unter Einwohnern ausgelöst. Insbesondere der Timmeler Unternehmer Axel Rekemeyer hatte im Ortsrat scharfe Kritik geübt. Er befürchte eine Wertminderung der angrenzenden Ferienwohnungen, hatte er gesagt. In Rekemeyers Blog Timmel.net hatte es in den Tagen danach fremdenfeindliche Kommentare gegeben.

Zettel in den Briefkästen

Wenn mehr als 100 Zuhörer zu einer Ortsratssitzung erscheinen, lässt das nichts Gutes ahnen. Es war alles angerichtet für eine aufgeheizte Debatte am Montagabend – doch die blieb aus. Stattdessen gab es Bekenntnisse zur Willkommenskultur, Beteuerungen der Hilfsbereitschaft und Zustimmung zum Vorschlag der Verwaltung. Ein Urlaubsort könne sich kein fremdenfeindliches Image leisten, hieß es ein ums andere Mal. Ortsbürgermeisterin Silke Bergmann (Wählerbündnis Timmel-Westgroßefehn), Gemeindebürgermeister Erwin Adams (parteilos) und Bauamtsleiter Till de Buhr moderierten den Ärger elegant weg.

Die Ortsbürgermeisterin schwärmte von der guten Dorfgemeinschaft in Timmel. Die müsse man nutzen, „um Menschen zu helfen, die wirklich Hilfe brauchen“. In den vergangenen zwei Wochen habe sie im Netz verletzende Kommentare und Falschbehauptungen gelesen – zum Beispiel, dass 500 Flüchtlinge am Timmeler Meer untergebracht werden sollten, dass es ein Badeverbot geben werde und dass der Ort seinen Status als Luftkurort verlieren werde. Eine Zuhörerin berichtete von Zetteln in den Briefkästen, auf denen die Errichtung eines Containerdorfs angekündigt worden sei.

„Muss ich mich ins Flugzeug setzen?“

Die Ortsbürgermeisterin bekam nach eigenen Angaben einen Anruf von Pierrot Raschdorff. Er habe gefragt: „Silke, was ist los? Muss ich mich ins Flugzeug setzen?“ Der Politikwissenschaftler und Buchautor wurde 1981 in Ruanda geboren und wuchs bei Adoptiveltern in Timmel auf, als Schwarzer unter Weißen.

Adams betonte, dass die Gemeinde sich ihrer Verantwortung stelle. Bislang würden Flüchtlinge vor allem in Aurich und Norden untergebracht. Doch auch die Landgemeinden seien gefragt. Die GTG hat daher fünf mobile Wohnheime im Gesamtwert von 300.000 Euro bestellt. Sie sind jeweils 50 Quadratmeter groß und für eine vierköpfige Familie geeignet. Es geht also um Platz für 20 Flüchtlinge. Die Chalets können auch touristisch genutzt werden.

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„Nicht so auf dem Präsentierteller“

Die Verwaltung hat mehrere Gegenvorschläge für Standorte der Chalets in Timmel geprüft und verworfen. So ist das Sportplatzgelände des SuS Timmel nicht geeignet, weil es zu weit außerhalb liegt und damit dem städtebaulichen Gebot der Integration und Inklusion widerspräche. „Wir haben baurechtlich keine Alternative“, sagte Adams.

Die Chalets für Flüchtlinge werden auf dem Campingplatz aufgebaut. Grafik: Kirsten Schüür
Die Chalets für Flüchtlinge werden auf dem Campingplatz aufgebaut. Grafik: Kirsten Schüür

Dann jedoch habe man doch noch eine Möglichkeit auf dem Campingplatz entdeckt: An der Stelle, wo momentan Wohnmobile stehen, ist Platz für die Chalets. „Dort ist man nicht so auf dem Präsentierteller.“ Die Mobilheime sollen einen Zugang von der Straße Zur Mühle aus erhalten, wie Adams erläuterte. Die Wohnmobile könnten stattdessen auf einer Fläche schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, abgestellt werden (siehe Grafik). Die Fläche müsse nur noch geschottert werden.

„Campingplatz finde ich super“

Ob es tatsächlich so gemacht wird, entscheidet die GTG-Gesellschafterversammlung. Es spricht vieles dafür, dass sie der einstimmigen Empfehlung des Ortsrats folgen wird. Die GTG ist eine 100-prozentige Tochter der Gemeinde. Geschäftsführer ist Bürgermeister Adams.

Auch der hartnäckigste Kritiker Axel Rekemeyer zeigte sich mit der geplanten Platzierung der Chalets auf dem Campingplatz zufrieden: „Campingplatz finde ich super“, sagte er im Gespräch mit der Redaktion. Auf dem Campingplatz sei man es gewohnt, mit vielen Fremden und vielen Nationen zusammenzukommen. „Die Leute, die da hingehen, die mögen das in der Regel.“ Am ursprünglichen Vorschlag habe ihn gestört, dass es womöglich erst der Anfang wäre. „Der Flüchtlingsdruck steigt“, sagte Rekemeyer. „Dann kann es durchaus sein, dass der nächste Bürgermeister sagt: ,Da stehen schon ein paar Häuschen. Wir haben noch Platz.′“ Dann wäre ein Ort wie Timmel schnell überfordert, meint der Unternehmer. „Das würde auch die Erwartungshaltung der Touristen nicht erfüllen.“