Tier auf Weide entdeckt  Wolf tötet Schaf in Emden

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 25.04.2023 18:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch der zehnjährige Menke (rechts) und sein drei Jahre jüngerer Bruder Hajo, die Söhne von Landwirt Jan Beckmann-Ihnen, sind traurig über den Verlust eines Mutterschafes aus ihrer Herde. Foto: Privat
Auch der zehnjährige Menke (rechts) und sein drei Jahre jüngerer Bruder Hajo, die Söhne von Landwirt Jan Beckmann-Ihnen, sind traurig über den Verlust eines Mutterschafes aus ihrer Herde. Foto: Privat
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Mehrere Wochen lang gab es im Bereich Emden keine Wolfssichtungen mehr. Am Montag wurde dann ein totes Schaf auf einer Weide in Emden gefunden. Es wurde wahrscheinlich von einem Wolf gerissen.

Emden - Es ist kein schönes Bild: Mit aufgerissenem Bauch und Rücken lag am Montag ein Schaf auf einer Weide im Emder Stadtteil Uphusen. Entsprechende Bilder liegen dieser Redaktion vor. Laut Verzeichnis des Umweltministeriums ist der Wolf der Verursacher.

Was und warum

Darum geht es: Lange gab es keine Wolfssichtungen in Emden. Jetzt wurde ein Schaf von dem Wildtier gerissen.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Entwicklungen und Geschehnisse rund um die Wiederansiedlung des Wolfes in der Region interessieren.

Deshalb berichten wir: Laut Umweltministerium gab es einen weiteren Nutztierriss.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Nach übereinstimmenden Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und des Umweltministeriums in Hannover waren Fachleute der Kammer am Montagmorgen zu der Weide im östlichen Teil von Emden gerufen worden. Das getötete Schaf gehörte zu einer Herde von 30 Alttieren und Lämmern. Der Rest dieser Herde sei unversehrt geblieben.

Bisswunden weisen auf Wolf hin

Aufgrund der Spuren vor Ort gehen die Experten von einem Wolfsangriff aus. Darauf deuten etwa die Bisswunden des toten Tieres hin, schreibt Kammersprecher Wolfgang Ehrecke dieser Zeitung auf Anfrage. Die Gutachter sicherten DNA-Proben, um mehr Informationen über den oder die Angreifer zu erhalten.

Laut der Landwirtschaftskammer entsprach der Weidezaun nicht den Vorgaben der Richtlinie Wolf. Der Tierhalter habe deshalb in diesem Fall keinen Anspruch auf eine Entschädigung. Herdenschutzberater der Kammer wollen in Kürze den Schafhalter über Details informieren, wie Wölfe durch Zäune abgewiesen werden können. Der Riss – es war der erste auf Emder Stadtgebiet in diesem Jahr – geschah allerdings wohl ohne „Vorwarnung“, denn es gab in den vergangenen Wochen keine Sichtungen von Wölfen im Emder Bereich.

Das tote Schaf wurde am Montag auf der Weide gefunden. Foto: privat
Das tote Schaf wurde am Montag auf der Weide gefunden. Foto: privat

Halter der Schafherde ist der Landwirt Jan Beckmann-Ihnen, dessen Familie seit Generationen und sehr erfolgreich die Rasse der Ostfriesischen Milchschafe züchtet sowie durch ihre Milchtankstelle bekannt ist. Er habe das tote Mutterschaf am frühen Montagmorgen auf der Weide entdeckt, die direkt an seinem Hof am Uphuser Grashaus nahe des Ems-Jade-Kanals liege, sagte der 45-Jährige am Dienstag dieser Zeitung.

Tiere waren erst die zweite Nacht draußen

Das Schaf sei in der Nacht zum Montag gerissen worden. Es sei erst die zweite Nacht gewesen, die die Mutterschafe und deren Lämmer nach der Ablammzeit im Freien verbrachten. „Für uns als leidenschaftliche Züchter ist das wieder ein Niederschlag“, so Beckmann-Ihnen. Es mache betroffen und hemme die Motivation zum Beruf.

Der Risse sei ohne „Vorwarnung“ geschehen. „Wir haben hier in der Gegend persönlich auch noch nie einen Wolf gesichtet“, sagte der Landwirt. Den letzten Vorfall in der Nähe habe es im vergangenen Jahr in der Nacht vor Heiligabend gegeben. Damals seien etwa 500 Meter von seinem Hof entfernt sechs Schafe von einem Wolf gerissen worden.

Landwirt ist für eine gezielte Bejagung

Spezielle Schutzzäune, die Wölfe abweisen sollen, steht Beckmann-Ihnen kritisch gegenüber. Er sehe darin „wenig Sinn“, weil sie nicht hundertprozentig wirken würden und für einen blutrünstigen Wolf kein Hindernis seien. Zudem sei sie wartungsintensiv und erforderten arbeitstechnisch einen höheren Aufwand. „Das kann keine Dauerlösung sein“, sagte der Landwirt.

Er sei zwar nicht dafür, den Wolf auszurotten. Er vertrete aber die Meinung, dass diese Tiere nicht in die freie ostfriesische Kulturlandschaft gehören, sondern ihre Lebensräume eher in bewaldeten Gebieten haben. Der Schutz der Wölfe dürfe auch nicht zum Nachteil der Nutztiere erfolgen. „Eine Lösung könnte deshalb ähnlich wie bei den Gänsen die gezielte Bejagung von Wölfen zu festgelegten Zeiten sein“, meint der 45-Jährige.

Nach dem Vorfall in der Nacht zum Montag holt Beckmann-Ihnen seine Schafherde nachts vorerst wieder in den Stall. Das aber auf Dauer nicht möglich, weil die Zuchttiere das Weiden benötigen, um sich bis zu ihrer Vermarktung im Spätsommer gut entwickeln zu können.

Vorfall in Dornum mittlerweile bestätigt

Das getötete Mutterschaf vom Uphuser Grashaus ist der 120. Nutztierriss, den das Niedersächsische Umweltministerium in diesem Jahr verzeichnet. Davon wurden fünf Risse laut amtlicher Feststellung nicht von einem Wolf verursacht, sechs Risse sind noch „in Bearbeitung“, bei zehn Fällen war der Wolf nicht nachweisbar.

Mittlerweile bestätigt ist, dass ein Wolf für den Tod von drei Schafen in Dornum verantwortlich ist. Hier war aufgrund des „untypischen Rissbildes“, wie es aus informierten Kreisen heißt, eine DNA-Probe zur Klärung in Auftrag gegeben worden.

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