Energiesicherheit  Das passiert gerade an der Autobahn zwischen Hollen und Leer

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 25.04.2023 17:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Direkt an der Autobahn kann man schon die ersten Spuren der Bauarbeiten sehen. Foto: Kierstein
Direkt an der Autobahn kann man schon die ersten Spuren der Bauarbeiten sehen. Foto: Kierstein
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An der Autobahn in Höhe Hollen sind große Baustellen zu sehen. Hier ist die EWE zugange.

Landkreis Leer - Es ist ein Mammutprojekt, das nun langsam Form annimmt. Wer auf der Autobahn zwischen Leer und Oldenburg unterwegs ist, den erwartet in Höhe Hollen eine große Baustelle.

Was und warum

Darum geht es: Die Pipeline, die die Erdgasspeicher im Rheiderland mit den Terminals in Wilhelmshaven verbinden soll, nimmt schon erste Form an.

Vor allem interessant für: alle, die sich für die Gasversorgung interessieren

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, was an der Autobahn geschieht.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Hier wird an der sogenannten Zukunftsleitung gebaut. Diese ist für den Transport von Erdgas aus Wilhelmshaven geplant worden. Die rund 70 Kilometer lange Leitung des Oldenburger Energieanbieters EWE soll vom Raum Sande (Landkreis Friesland) bis zu Gasspeichern in Jemgum führen.

Arbeiten an der Autobahn

Teile des Projekts werden derzeit schon vorbereitet. „Die Trasse wechselt im Bereich Hollen von der Süd- auf die Nordseite der Autobahn. Dort laufen aktuell die vorbereitenden Maßnahmen für den eigentlichen Trassenbau“, erklärt Volker Diebels, Sprecher der EWE. Man erwarte demnächst den Planfeststellungsbeschluss des Landesbergbauamts (LBEG). Die Unterlagen für die Leitung liegen nun auch öffentlich aus. „Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie beabsichtigt, den Plan für die mittelbare LNG-Anbindungsleitung Wilhelmshaven-Leer zu genehmigen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des LBEG.

Erste Plätze für die Arbeiten wurden eingerichtet. Foto: Kierstein
Erste Plätze für die Arbeiten wurden eingerichtet. Foto: Kierstein

Die Leitung eigne sich für eine schnellere Zulassung, weil sie einen relevanten Beitrag zur Bewältigung oder Abwendung einer Krise der Gasversorgung leiste. Deshalb kann auch eine Ausnahme von der Umweltverträglichkeitsprüfung gewährt werden, so die Behörde. Die Unterlagen sind von sofort an unter auf der Internetseite des LBEG einzusehen.

Weitere Arbeiten

Die Leitung ist jedoch nicht alles, was die EWE baut. „Im Bereich Leer wie auch am Trassenbeginn im Bereich Sande entsteht jeweils ein Baucamp für die Logistik der beiden Bauabschnitte“, so Diebels. Die Camps sollen nach Fertigstellung der Leitung allerdings wieder zurückgebaut werden. Aktuell heißt es aber: Vorbereiten und auf die Genehmigung des Landesbergbauamts warten. „ Danach können dann die Hauptarbeiten wie zum Beispiel das Verlegen der Rohre geschehen“, so Diebels.

Derzeit laufen diese Arbeiten schon. Die LBEG hatte diese im März bereits genehmigt. Nun dürfen beispielweise Bau- und Zufahrtsstraßen errichtet, die Rohrausfuhr und das Verschweißen von ersten Rohrsträngen durchgeführt sowie die Flächenvorbereitung und Fundamentierungsarbeiten für die Gasdruckregelmessanlage (GDRM) in Westerstede umgesetzt werden. Zudem wurde die vorzeitige Gewässerbenutzung im Rahmen von vorbereitenden Arbeiten für die Bauwasserhaltung genehmigt.

Warten auf die Genehmigung

Dass die Genehmigung kommt, ist sehr wahrscheinlich. Die Behörde bezeichnet die Pipeline immerhin als besonders dringlich für die sichere Gasversorgung Deutschlands. Derzeit wird das Gas in bestehende Leitungen eingespeist. Die Kapazität reiche jedoch nicht aus, weshalb die neue Leitung zu den Gasspeichern im Rheiderland benötigt werde. Gerade durch das Flüssiggasterminal in Wilhelmshaven hat sich die angelandete Menge Gas deutlich erhöht. Zum Winter 2023 soll die Pipeline fertiggestellt werden.

An einigen Stellen in der Nähe der Autobahn wird schon gearbeitet. Foto: Kierstein
An einigen Stellen in der Nähe der Autobahn wird schon gearbeitet. Foto: Kierstein

In Wilhelmshaven befindet sich ein schwimmendes Terminal für Flüssigerdgas (LNG). Angelandetes LNG wird in dem Terminal regasifiziert und dann in das Netz eingespeist. Von Wilhelmshaven in Richtung Süden verläuft eine Pipeline, die der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe gebaut hat. An diese soll die geplante Leitung von EWE im Raum Sande anschließen. Ein weiteres schwimmendes Terminal in Wilhelmshaven soll bis Ende dieses Jahres in Betrieb gehen, weshalb künftig wohl mehr Transportkapazität gebraucht wird.

EWE-Chef Stefan Dohler sagte im März, die Pipeline werde einen Netzengpass südlich von Wilhelmshaven beheben. Es gehe bei dem Projekt auch darum, das zweite Terminal zu ermöglichen. Noch in diesem Jahrzehnt solle die Pipeline dann von Erdgas auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. Das könne von 2028 an geschehen. In den Bau der Pipeline investiert EWE rund 200 Millionen Euro. Die unterirdische Gasanbindung hat eine geplante Kapazität von sechs Milliarden Kubikmetern im Jahr. Damit kann sie rund vier Millionen Haushalte mit Energie versorgen.

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