Bilanz veröffentlicht  So viel CO2 bläst ein Durchschnitts-Heseler in die Luft

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 24.04.2023 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Verkehrssektor verhagelt der Samtgemeinde Hesel die Klima-Bilanz. Foto: Ortgies/Archiv
Der Verkehrssektor verhagelt der Samtgemeinde Hesel die Klima-Bilanz. Foto: Ortgies/Archiv
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In einem wissenschaftlichen Bericht haben Experten die Treibhaus-Bilanz der kompletten Samtgemeinde errechnet. Wir erklären die wichtigsten Daten.

Samtgemeinde Hesel - Hesel möchte auf dem Weg zur Klimaneutralität in den kommenden Jahren einen großen Schritt nach vorn machen. Neue Windkraftanlagen könnten entstehen und im Laufe dieses Jahres wird ein komplettes Klimaschutzkonzept erarbeitet. In einer großen Bestandsaufnahme wurde nun ermittelt, wie klimafreundlich die Gemeinde in gewissen Sektoren schon heute ist und wo es Aufholbedarf gibt. Wir erklären die wichtigsten Erkenntnisse der jetzt veröffentlichen Treibhausgasbilanz.

Was und warum

Darum geht es: In der Samtgemeinde Hesel wurde untersucht, wie viel klimaschädliche Gase jährlich ausgestoßen werden.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich um das Klima sorgen.

Deshalb berichten wir: Ein wissenschaftlicher Bericht wurde in der vergangenen Woche veröffentlicht.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Verkehr

Der Verkehr stellt in der CO2-Bilanz der Samtgemeinde das größte Pfund dar. 53 Prozent des energetischen Treibhausgas-Ausstoßes im Gemeindegebiet gingen im Jahr 2019 und damit vor der Pandemie auf die Kappe des Verkehrssektors. Zum Vergleich: Deutschlandweit waren es vor der Corona-Zeit nach Daten des Bundesumweltministeriums nur gut 18 Prozent. Dies liegt aber auch schlicht daran, dass in der Bundesrepublik Energiewirtschaft und Industrie beim CO2-Ausstoß die Spitzenpositionen einnehmen. In Hesel steht aber weder ein Kohlekraftwerk noch eine große Fabrik mit hohem Energiebedarf.

Wichtig ist auch zu betonen, dass der hohe Verkehrsausstoß im Gemeindegebiet keineswegs nur auf die Einwohnerinnen und Einwohner von Hesel zurückgeht. Nach den Daten der Bremer Beks Energie Effizienz GmbH hat die Verkehrssituation in der Samtgemeinde einen großen Einfluss. „Der Verlauf der Bundesstraßen und der Autobahnteilstrecken bewirkt für die Treibhausgas-Bilanzierung eine überdurchschnittlich hohe Belastung des Straßenverkehrs auf die Gesamtbilanz im Vergleich zu Kommunen, in denen beispielsweise keine Autobahnen verlaufen“, heißt es in ihrem Abschlussbericht.

Pro-Kopf-Emission

Die Experten errechneten für den Durchschnitts-Heseler einen CO2-Fußabdruck von jährlich etwa 14,5 Tonnen. Damit liegt Hesel über dem bundesdeutschen Durchschnitt, der mit 11,6 Tonnen pro Kopf angegeben wird. Der Bericht der Beks Energie Effizienz GmbH macht auch in dieser Statistik den Verkehrssektor als die Hauptursache aus.

Es sind also nicht wirklich nur die Heselerinnen und Heseler, die für den überdurchschnittlichen Ausstoß sorgen. Doch auch die Privathaushalte in der Samtgemeinde tragen zu dieser Zahl bei. Besonders bei Strom und Heizung hat Hesel demnach Einsparpotenziale, heißt es von den Experten.

Landwirtschaft

In der Klima-Bilanz der Samtgemeinde Hesel taucht die Landwirtschaft lediglich als Sonderpunkt auf. Weil der aus ihr resultierende Ausstoß von Treibhausgasen nicht auf dem direkten Verbrauch von Energie beruht. Trotzdem sorgt die Landwirtschaft für ein hohes Aufkommen von klimaschädlichen Gasen. Nach dem Abschlussbericht werden in der Samtgemeinde mehr als 22.000 Nutztiere gehalten – etwa zwei Tiere pro Einwohner.

2019 waren es demnach etwa 38.000 Tonnen CO2-Äquivalent, die so in die Atmosphäre gelangten. Das entspricht fast dem gesamten Verkehrssektor, der für etwa 43.000 Tonnen verantwortlich war. Ursache sind in der Landwirtschaft vor allem die Verdauung der Tiere aber auch der Einsatz von Düngemitteln.

Erneuerbare Energien

Bei den theoretischen Berechnungen der Beks Energie Effizienz GmbH wird so getan, als beziehe Hesel seinen Strom aus dem bundesweiten Strommix. Das ergibt einerseits Sinn, weil Grüner Strom, der in Hesel produziert und verbraucht wird, anderswo fehlt. Diese Methodik verschleiert jedoch auch, dass in Hesel bereits heute viel Strom aus Erneuerbaren Energien entsteht.

Dass die Samtgemeinde hier auf einem guten Weg ist, verdeutlichen die Zahlen. „Die solare Stromerzeugung ist um 19 Prozent von 2017 bis 2020 gestiegen“, heißt es im Abschlussbericht. „Die Verstromung von Biogas wurde um 6 Prozent gesteigert. Die gesamte Stromnetzeinspeisung aus erneuerbarer Energie hat sich von 2017 bis 2019 um insgesamt knapp 26 Prozent erhöht.“

Die Samtgemeinde Hesel kann insgesamt 76 Prozent seines Strombedarfs aus Erneuerbarer Energie decken. Deutschlandweit sind es nur etwa 42 Prozent. Diese Entwicklung ist keineswegs am Ende. Schon in den kommenden Jahren könnten auf neu ausgewiesenen Flächen bis zu 30 Windkraftanlagen entstehen.

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