Hamburg Schützenpanzer Puma verschlingt die nächsten Millionen
Für die Nachrüstungen der „Pannen-Panzer“ vom Typ Puma sind die Aufträge erteilt worden. Gleichzeitig warten Parlament und Truppe auf eine Nachbeschaffung von 50 weiteren Fahrzeugen. Bislang vergeblich.
Es ist ein stolzer Preis für ein Fahrzeug, das die Bundeswehr den „modernsten Schützenpanzer der westlichen Welt“ nennt: 17 Millionen Euro kostet ein Puma Schützenpanzer, insgesamt wurden knapp sechs Milliarden Euro für die Entwicklung und Beschaffung von 350 Fahrzeugen investiert – den Ruf des Pannen-Panzers wurde der Puma dennoch lange nicht los.
Nach dem Totalausfall bei einer Übung im Dezember drohte das Verteidigungsministerium unter der damaligen Chefin Christine Lambrecht gar indirekt mit dem Stopp aller Ausgaben in Sachen Puma. Zur Nato-Ostflanke wurde dann gar der Jahrzehnte alte Marder geschickt. Ihn sollen die Pumas irgendwann mal ablösen.
Seit den Pannen vor Weihnachten hat nicht nur der Minister gewechselt, auch die Schäden bei der Übung selbst stellten sich als weit weniger gravierend heraus, als ursprünglich vom Ministerium kommuniziert. Zumal es sich vor allem um Wartungs- und Bedienfehler durch Soldaten gehandelt haben soll.
Sind die Zeiten vorbei, in denen es bei der Bundeswehr hinter vorgehaltener Hand hieß: „Der Puma kann alles – außer zuverlässig sein“? Zumindest scheint es unumstritten, dass nach den ersten knapp 350 Fahrzeugen nun in einem zweiten Los 50 weitere Schützenpanzer geordert werden sollen.
Der Haushaltsausschuss müsste über eine entsprechende Vorlage abstimmen. Doch die lässt noch immer auf sich warten. Zumindest offiziell war auf der Tagesordnung des Ausschusses nichts zu finden. Wahrscheinlich im Mai bekommt der Ausschuss die Nachbestellung endlich auf dem Papier zu sehen.
Bestätigt ist das nicht, eine Antwort des Ministeriums auf die Frage unserer Redaktion, wann die Parlamentarier etwas zu diesem zweiten Los erfahren sollen, steht noch aus. Im Heer machten Verantwortliche bereits deutlich, das kein einziger Tag mehr vergeudet werden sollte.
Das heißt nicht, dass die Regierung nicht weiter eifrig Geld für die Schützenpanzer ausgibt. Während auf eine Bestllung von 50 Panzer gewartet wird, werden die knapp 350 Fahrzeuge, die schon da sind, bereits nachgerüstet. Der Rüstungskonzern Rheinmetall freute sich diese Woche in einer Mitteilung über einen satten 770-Millionen-Euro-Auftrag. Mit diesem Geld werden 143 Puma-Panzer auf den neuesten Stand der Technik gebracht. „Konstruktionsstand S1“ nennt sich das Ganze.
Das heißt: Bis 2029 werden Kamera- und Lenkflugkörpersysteme sowie digitale Funkgeräte integriert. Für den neuen Dax-Konzern Rheinmetall, der sich gerade erst über die Bestellung von 100 Radpanzern in Australien freuen durfte, bleibt die Bundeswehr ein zahlungskräftiger Kunde.
Im Fall dieser nun beauftragten Nachrüstungen hatte der Haushaltsausschuss bereits im Dezember den Daumen gehoben, wie das Verteidigungsministerium auf Anfrage betont. Dass das Geld aus dem Sondervermögen genommen wird, obwohl die zugehörigen Beschlüsse lange vor der „Zeitenwende” gefasst wurden, sorgt zumindest bei einigen Parlamentariern für Stirnrunzeln. Zeigt es doch, dass die zusätzlichen Schulden nicht allein für neue Projekte aufgenommen wurden.
Immerhin: Nahezu alle bereits vorhandenen Panzer sind auf dem Weg zur „vollen Einsatzreife“, wie das Ministerium ergänzt. Denn zu den 143 Panzern, für die jetzt der Nachrüstungsauftrag erteilt wurde gesellen sich noch 150 Fahrzeuge, die bereits nachgerüstet werden. Die 50 Pumas aus dem 2. Los sollen dem Vernehmen nach gleich auf dem technisch besten Stand sein - sofern sie überhaupt irgendwann bestellt werden.