Bildung zu Wasser Freie Schule in Emden bekommt ein Hausboot geschenkt
Erst seit dem vergangenen Sommer gibt es die Freie Grundschule in Emden. Das Konzept des offeneren Lernens scheint anzukommen: Eine Autorin schenkt ihnen ein Boot und die Anmeldezahlen sind hoch.
Emden - Die erste Freie Grundschule in Emden gibt es erst seit dem Schuljahr 2022/23, jetzt hat sie schon einen zweiten „Standort“. Ab dem 1. Mai wird das Hausboot „Tammy“, das im Falderndelft liegt, in Kinderhand sein. Elke Bergsma, Krimiautorin aus Leer und Noch-Eigentümerin der als Leseinsel bekannten Boots, hat sich „ganz spontan“ für die Schenkung an den Trägerverein „4 Kids 2 Get“ entschieden, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung.
Was und warum
Darum geht es: ein Hausboot namens „Tammy“, das bald in Kinderhand ist
Vor allem interessant für: Eltern von Kindern im Grundschulalter, Bildungs- und Bootsinteressierte sowie Krimifans
Deshalb berichten wir: Elke Bergsma, ehemalige Besitzerin des Hausboots „Tammy“, hatte uns auf ihre Schenkung hingewiesen. Wir haben darüber auch mit der Schulleiterin gesprochen. Relevant ist das Thema, weil die Freie Schule neu ist und in Emden für einige Gespräche sorgt. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Sie hatte eigentlich bis zum 1. Mai verkaufen wollen und auch schon Interessenten für das Hausboot mit etwa 140 Quadratmeter Nutzfläche. Gegen deren Nutzungsideen für „Tammy“ habe die Hafenverwaltung aber etwas einzuwenden gehabt. Somit habe sie schließlich überlegt, wer das Boot brauchen könnte. Ein außerschulischer Lernort wie dieser sei wichtig für die Kinder, meint sie. Sie unterstütze die Prinzipien der Freien Grundschule und hätte sich diese auch für ihre eigene Tochter gewünscht. „Es ist dringend nötig, Alternativen zum bestehenden Schulsystem aufzuzeigen. Die Schule heute wird den Kindern einfach nicht gerecht“, sagt sie.
Freie Schule will sich nach Sommer verdoppeln
Für Dr. Katharina Lühring, Vorsitzende des Schul-Trägervereins, kam die Schenkung überraschend. Aber sie freue sich für die Kinder sehr über die „Wohlfühloase“ zu Wasser, sagt sie. Das Hausboot soll als Lernort für gemeinsamen Lesen und Schreiben, für Projekte der Freien Schule, aber auch für interessierte Leute in Emden zur Verfügung stehen. „Wir sind gerne offen für Ideen“, sagt sie. Auch Erwachsenenbildung oder Tagungen wären dort möglich. Anfragen dazu gehen an den Trägerverein.
Das neue Hausboot für die Schule ist nur ein Zeichen dafür, dass das Bildungskonzept des Trägervereins in Emden Anklang findet. Das andere Zeichen: Zum nächsten Schuljahr könnte sich die Anzahl der Schüler und Lehrkräfte verdoppeln, sagt Katharina Lühring. Die Freie Grundschule ist im vergangenen Jahr auf dem ehemaligen Kasernengelände im Stadtteil Barenburg in 14 Container-Modulen als „mobile Klassenzimmer“ für rund 24 Kinder gestartet. Zwei Lehrkräfte arbeiten auf Vollzeit, eine in Teilzeit. Nun gebe es bereit 20 neue Anmeldungen. Mindestens zwei neue Lehrkräfte seien also nötig. „Die ersten Bewerbungen sind da“, sagt sie.
Finanzierung der Schule ist eine Herausforderung
Weiterhin sei die Finanzierung der Schule aber eine Herausforderung. Drei Jahre lang muss die private Bildungseinrichtung „finanziell selbst klarkommen“ - unter anderem durch Spenden, Bürgschaften Einzelner und Schulgeld, das sich am Gehalt der Eltern orientieren soll. Nach dieser Zeit könnten Zuschüsse von der öffentlichen Hand beantragt werden. Drei Jahre lang laufe auch die Pacht auf dem jetzigen Grundstück. „Langfristig wollen wir neu bauen“, sagte die Initiatorin Lühring bei Eröffnung der Schule. „Wir brauchen dringend weitere Bürgschaften“, betont sie nun.
Man sei insgesamt aber „sehr glücklich, dass wir loslegen konnten“. In der Planung war die erste Privatschule in Emden schon seit dem Sommer 2020. Zweimal hatte eine Eröffnung verschoben werden müssen, weil ein geeignetes Gebäude nicht hatte gefunden werden können. Das Grundstück nun ist von privat gepachtet. Das Regionale Landesamt für Schule und Bildung habe schon 2021 das Lehr-Konzept genehmigt. Das Lernkonzept sieht vor, dass man mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Mädchen und Jungen eingehen und weniger in der starren Unterrichtsstruktur und auf Noten fixiert denken wolle, wurde bei Eröffnung erklärt. Im Sommer soll der Schulhof gestaltet werden, erklärt Lühring. Der Schulgarten soll gemeinsam geschaffen sowie Banke und Tische aufgebaut werden. Die Unterstützung von Freiwilligen, vielleicht sogar Tischlern, sei willkommen.
Elke Bergsma möchte sich durch das Verschenken von „Tammy“ nun stärker aufs Schreiben konzentrieren, sagt sie. Am 3. Mai erscheint ihr neues Buch „Tummelplatz“, das der 33. Band in ihrer Bütter und Hasenkrug Krimi-Serie ist. Die Geschichte spielt unter anderem in Emden auf dem Schützenplatz. Im Juli soll außerdem der dritte Teil ihrer historischen Reihe „Wege in eine neue Zeit“, einer dreiteiligen Familiensaga, erscheinen. In diesem Jahr feiert Elke Bergsma auch ein besonderes Jubiläum. Sie ist seit zehn Jahren Autorin.