200 Jahre Stadtrechte  Schon abgesagte Baumpflanz-Aktion in Leer wird vielleicht doch was

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 24.04.2023 10:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, links) wird zwar zum Festakt für das 200-jährige Stadtjubiläum erwartet. Einen Baum pflanzen wird er aber voraussichtlich nicht. Das sollen Leeraner Bürger tun, wünscht sich die CDU. Foto: Stratenschulte/dpa
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, links) wird zwar zum Festakt für das 200-jährige Stadtjubiläum erwartet. Einen Baum pflanzen wird er aber voraussichtlich nicht. Das sollen Leeraner Bürger tun, wünscht sich die CDU. Foto: Stratenschulte/dpa
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200 neu gepflanzte Bäume für 200 Jahre Stadtrechte hatten Leeraner Bürger vorgeschlagen. Die Stadtverwaltung hat abgewinkt. Jetzt wird diskutiert, wie doch noch was daraus werden kann.

Leer - Leer feiert in diesem Jahr 200 Jahre Stadtrechte und will dabei möglichst viele Bürger mit einbeziehen. Eine Idee, die aus der Bürgerschaft kam, war, anlässlich des Jahrestages 200 Bäume im Stadtgebiet zu pflanzen. Der Vorschlag sei auch gut in der Politik angekommen, berichtet Ulf-Fabian Heinrichsdorff, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat. So gut, dass sogar überlegt worden sei, einen gemeinsamen Antrag an die Stadtverwaltung zu stellen.

Was und warum

Darum geht es: Die Stadtverwaltung sah keine Möglichkeit, zum Stadtrechte-Jubiläum 200 Bäume im Stadtgebiet zu pflanzen. Die CDU sieht das anders.

Vor allem interessant für: alle, die mehr Grün in der Stadt wollen und die sich auf das Stadtjubiläum freuen

Deshalb berichten wir: Das Thema war im Ausschuss diskutiert worden. Anschließend stellte die CDU einen Antrag, den sie auch der Redaktion schickte.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Dazu sei es dann aber nicht gekommen. Die Stadtverwaltung habe außerdem frühzeitig signalisiert, dass sie keine Chance für dieses Vorhaben sehe, weil es an Standorten für die 200 Bäume fehle. Diese Bedenken formulierte Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses auf die Frage von Grünen-Fraktionschef Bruno Schachner noch einmal: „200 geeignete Stellen zu finden, wo heute noch keine Bäume stehen, wird schwer“, sagte er. Das gleiche gelte für Flächen, auf denen ein kleines Wäldchen angelegt werden könnte. „Wir haben gerade 150 Bäume im Julianenpark gepflanzt, sind also gar nicht so weit davon entfernt, was die Bürger wünschen. Außerdem sind wir eine grüne Stadt und machen jedes Jahr etwas.“

Gemeinschaftsgefühl erzeugen

In der Sitzung ließen die Ausschussmitglieder die Bedenken des Bürgermeisters kommentarlos stehen. Am Tag darauf ging im Rathaus aber ein Antrag der CDU ein: Die Fraktion wolle eine Klimapflanzaktion zum 200-jährigen Stadtrechtejubiläum, schreibt Heinrichsdorf.

„Wir wollten den Wunsch der Bürgern aufnehmen und so auch ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen“, begründet der CDU-Fraktionsvorsitzende den Antrag. Wenn es keine geeigneten öffentlichen Flächen dafür gebe, müsse man die Aktion halt auf private Grundstücke verlagern.

Setzlinge für den privaten Garten

Konkret heißt das: Die Stadt solle Setzlinge von standortgerechten und widerstandsfähigen Baum-Sorten ausgeben, die die Leeraner in ihre Gärten pflanzen könnten. Nach Recherchen der CDU koste ein solcher Setzling zwischen einem Euro und 1,50 Euro. „Antragsberechtigt sind alle natürlichen Personen, die über ein Gartengrundstück in der Stadt Leer als Eigentümer oder Mieter verfügen. Pro Gartengrundstück kann nur ein Baum bewilligt werden“, heißt es in dem Antrag der Fraktion.

In die Aktion könnten auch Kindergärten, Schulen, Vereine und Institutionen eingebunden werden. Er sei optimistisch, dass das gemeinsame Pflanzen bei den Bürgern auch das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung der Bäume stärke, sagte Heinrichsdorff. Zudem stelle die Förderung der privaten Pflanzung von heimischen Obst- und Laubbäumen einen konkreten Beitrag zum Umweltschutz dar.

Parteiübergreifende Zustimmung

Heinz Dieter Schmidt, Sprecher der Gruppe SPD/Linke, zeigt sich nicht abgeneigt von dem Vorschlag: „Darüber kann man reden. Die Investitionen für die Stadt halten sich ja in Grenzen.“ Er werde das Thema mit seiner Fraktion diskutieren. „So könnte man mit relativ wenig Mitteln eine schöne Botschaft senden“, sagt Sven Dirksen von der Gruppe FDP/LWG. Allerdings dürften die Aktion und damit die Kosten für die Stadt nicht zu groß werden.

„Eine Baumpflanzaktion zum Stadtrechte-Jubiläum wäre uns wichtig“, sagt Bruno Schachner, Fraktionschef der Grünen. Wenn es im öffentlichen Raum nicht möglich sei, dann sei es eine gute Idee, auf private Grundstücke auszuweichen. „Aber statt Setzlingen sollte die Stadt kleine Bäumchen ausgeben. Dann kann man ja darüber diskutieren, ob sich Stadt und die jeweiligen Bürger die Kosten dafür womöglich teilen“, so sein Vorschlag.

Wann eine Entscheidung über den CDU-Antrag getroffen wird, ist noch offen. „Aber die Zeit wird langsam knapp“, sagt Heinrichsdorff. Offiziell wird die Verleihung der Stadtrechte vor 200 Jahren vom 11. Juli bis zum 1. August gefeiert.

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