Berlin  Warum Beamte deutlich mehr Rente bekommen als Angestellte

Flora Hallmann
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Von Flora Hallmann
| 21.04.2023 16:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Beamte bekommen deutlich mehr Rente im Alter als Angestellte. Foto: IMAGO IMAGES / Wirestock
Beamte bekommen deutlich mehr Rente im Alter als Angestellte. Foto: IMAGO IMAGES / Wirestock
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Die Rente ist sicher – zumindest für Beamte. Die bekommen in Deutschland nach wie vor eine im Durchschnitt deutlich höhere Pension als Angestellte. Warum das so ist – und wie es sich ändern kann.

Eine Verbeamtung in Deutschland bedeutet Kündigungsschutz, niedrigere Steuern – und eine deutlich höhere Rente als bei Angestellten: Im Schnitt haben Beamte im Ruhestand im vergangenen Jahr 3170 Euro brutto im Monat bekommen, zehn Euro mehr als im Jahr 2021, so das Statistische Bundesamt. Die Mindestpension beträgt für Beamte rund 1860 Euro, dafür müssen sie nur rund fünf Jahre tätig gewesen sein. Beamte im höheren Dienst können mit knapp 5000 Euro rechnen.

Bei Menschen, die ihr Leben lang im Angestelltenverhältnis gearbeitet haben, sieht das ganz anders aus: Frauen bekamen 2021 im Schnitt 856,05 Euro, Männer 1203,53 Euro.

Die Rentenaussicht ist damit für viele Menschen in Deutschland prekär: Fast ein Drittel der Deutschen gibt laut dieser Statistik an, dass sie glauben, ihre Rente werde nicht reichen:

Besonders bei Frauen ist die Sorge groß. Diese Grafik zeigt, wie sehr sich Frauen im Gegensatz zu Männern vor Altersarmut fürchten:

Und das zurecht: Zwanzig Prozent der Frauen über 65 Jahren gelten in Deutschland als arm oder armutsgefährdet, bei den Männern sind es 15 Prozent. Beamte tauchen in der Armutsstatistik nicht auf, ihr eigenes Bezugssystem schützt sie vor Altersarmut.

Warum aber gibt es so große Unterschiede zwischen den Rentenbezügen von Beamten und denen von Angestellten?

Rentenversicherung und Beamtenversorgung sind zwei verschiedene Systeme. Die Rentenversorgung richtet sich nach den Beitragszahlungen, die ein Angestellter im gesamten Erwerbsleben getätigt hat – im Durchschnitt liegt der Rentenbezug bei knapp 42 Prozent des letzten Arbeitsentgelts. Dazu kommen Bezüge aus privater Altersvorsorge – allerdings nur, wer sie sich in der Erwerbstätigkeit leisten konnte.

Bei Beamten soll hingegen „der in den letzten Dienstjahren gewohnte Lebensstandard auch im Alter gewährleistet sein“, so Bert Rürup, früherer Chef der Wirtschaftsweisen, der „Süddeutschen Zeitung“. Die Pensionsbezüge sind damit deutlich höher: In der Pension können Beamte mit bis zu 71,5 Prozent der Bruttobezüge ihrer letzten beiden Erwerbsjahre erhalten.

Was rechtfertigt derartige Unterschiede bei den Rentenbezügen zwischen Beamten und Angestellten? „Beamte gibt es in fast allen Staaten“, sagt der Wirtschaftsexperte. „Sie sind teurer, man hofft aber, dass sie loyaler sind und dass es schwieriger wird, einen Beamten zu bestechen, wenn er um seine gute Altersversorgung fürchten muss.“ Der Beamtenstatus sei auch ein gutes Argument, um qualifiziertes Personal an Schulen zu locken.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Nachbarland: Österreich befindet sich derzeit in einem Übergangsprozess. Während das Rentensystem dort lange Zeit dem deutschen sehr ähnlich war, sollen die beiden Rentensysteme nun verschmelzen. Ab 2040 soll es nur noch eine allgemeine Rentenversicherung für alle geben. Rürup hat an dieser Umstellung mitgearbeitet – für Deutschland sieht er so einen Schritt allerdings nicht kommen. Österreich sei bereit, für die Alterssicherung viel mehr auszugeben als Deutschland.

„In Österreich belaufen sich die Ausgaben für Alterssicherung auf fast 16 Prozent des Bruttoinlandprodukts, in Deutschland sind es knapp 13“, so Rürup. Auch im Koalitionsvertrag der jetzigen Regierung ist kein Plan zu finden, das Rentensystem maßgeblich zu verändern.

Dabei werde der „Alterungsschub“, also die Verrentung einer großen Gruppe an Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt nicht ersetzt werden können, schon am Ende der jetzigen Legislaturperiode zu spüren sein, sagt der ehemalige Wirtschaftsweise. „Es wird schwierig genug, dieses Problem zu bewältigen.“

Rürup sieht schwarz für ein Ende des zweigleisigen Rentensystems: „Da Beamte aus unterschiedlichen Gründen im Durchschnitt eine merklich höhere Lebenserwartung als Arbeiter und Angestellte haben und daher auch länger Ruhestandsgeld beziehen, wird es bis auf Weiteres eine Integration der Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung nicht geben.“ 

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