Kolumne „Für die Ehre“  Angst lässt uns aufmerksam werden

Manuel Goldenstein
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Eine Kolumne von Manuel Goldenstein
| 22.04.2023 09:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Manuel Goldenstein
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Heute schreibt unser Kolumnist über die Angst, die auch die Feuerwehrleute angesichts eines brennenden Hauses überfällt. Diese Angst gilt es zu nutzen – aber wie?

Wenn es etwas gibt, was ein Mann nicht zu zeigen hat, ist es seine Angst – praktisch bei den Feuerwehren, könnte man denken. Ist es aber nicht, denn die völlig natürliche Reaktion der Emotion Angst lässt uns sicherer werden. Unsere uns angeborene Angst lässt uns schneller und aufmerksamer werden. Wir fahren nicht mit Angst zu den Einsätzen, allerdings gibt es Situationen, die auch uns Angst bereiten. Wir gehen aber mit ihr um. Wir lassen uns nicht von der Angst beherrschen, wir nutzen sie.

Wer sagt, er kenne keine Angst, sollte noch einmal in sich gehen. Keine Angst zu haben oder zu kennen, ist nicht gut. „Stell dich nicht so an“ – das ist eine Aussage, die wir niemals bei der Feuerwehr hören dürfen. Wir müssen uns „anstellen“ können, um sicher im Einsatz vorzugehen. Mehr Hilfe oder einen anderen Lösungsansatz brauchen wir vielleicht, wenn die Angst, unser natürliches Warnsystem, auslösen sollte. Wer etwas anderes behauptet, ist nicht richtig aufgehoben an einer Einsatzstelle der Feuerwehr.

Wer Angst hat, darf dies heutzutage ganz klar äußern und sollte auf umfassendes Verständnis stoßen. Selbst wenn die Angst nach einem Einsatz anhält, haben wir die Möglichkeit, dies anzusprechen; bei den Kameradinnen und Kameraden, bei den Spezialeinheiten der Psychosozialen Notfallversorgung, der Notfallseelsorge und auch bei der Familie und Freunden. Wichtig ist, dass dieses Gefühl mitgeteilt wird, wenn es zu stark wird – dann ist es schon nur noch halb so schlimm. In der eigenen Angst zu ertrinken, ist falsch. Entweder kämpft man mit ihr oder man tritt den Rückzug an und versucht, einen neuen Weg zu gehen, der ans Ziel führt.

In unserer Gemeinschaft wird nicht aufgegeben, sondern miteinander an Problemen gearbeitet. Wenn wir in ein brennendes Haus gehen und von Rauch und Flammen umgeben sind, kommt manchmal dieses eigenartige Gefühl auf, welches wir aber mit unserem Team-Partner nutzen und damit positiv arbeiten.

Zur Person

Manuel Goldenstein (42), geboren in Aurich und aufgewachsen in Südbrookmerland, arbeitet eigentlich als Pfleger im Klinikum Emden. Vor allem aber ist er leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Er ist Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands Aurich und Sprecher des Arbeitskreises Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Feuerwehrverbands Ostfriesland.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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