Kolumne „Intern“ Markus Lanz in Handschellen – die fiese Masche der Abzocker
Internetbetrug wird immer raffinierter. Inzwischen nutzen Finanzkriminelle sogar Nachrichtenseiten, um mögliche Opfer zu ködern. Und wir können uns kaum wehren.
Haben Sie‘s auch schon gesehen? Das Bild von Markus Lanz in Handschellen und der Nachricht, dass der ZDF-Moderator verhaftet worden sei. Millionenfach geistert das Bild durchs Internet, vorzugsweise auf Nachrichtenseiten wie unserer. Es ist eine Fälschung (und nicht mal eine gute) - aber wenn von ein paar Millionen Lesern, die das Bild sehen, nur ein paar hundert Menschen draufklicken, dann hat es sich für die Hintermänner schon gelohnt.
Das sind Kriminelle, die unbedarfte Menschen auf ihre Seite locken und ihnen mit einem betrügerischen Anlageangebot das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Sie gehen dabei sehr professionell vor, wie der „Spiegel“ neulich erklärte: Ein prominenter Köder, der die Neugierde weckt, die Verbreitung auf anerkannt seriösen Internetseiten, eine Zielseite, die ebenfalls seriös wirkt und ein blinkendes Banner, das darlegt, dass das „außergewöhnlich gute Finanzangebot“ in zehn Minuten ausläuft, weil die Nachfrage angeblich so groß ist.
Zur Person
Joachim Braun (57) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“ gewählt.
Diese Art von Betrug ist im Netz weit verbreitet, aber warum verhindern wir nicht, dass diese Anzeigen bei uns erscheinen? Diese Frage kommt immer wieder von Lesern. Einfache Antwort: Wir können es nicht.
Beim Verkauf von Internetanzeigen arbeiten alle Verlage mit Werbenetzwerken, etwa von Google, zusammen, sogenanntes „Programmatic Advertising“. In Millisekunden entscheidet die dahinterstehende Software, welche Anzeige für welchen Nutzer ausgespielt wird. Sie sehen also andere Werbung als ich. Und auch wenn wir jeweils nur ein paar Cent bekommen, am Ende läppert sich dies. Allerdings haben wir im Unterschied zu anderen Werbeformen keinen Einfluss auf die ausgespielten Anzeigen. Google bemüht sich zwar, solche Fälschungen auszuschließen, aber da die Urheber immer wieder die Webseiten wechseln, ist das ein Kampf wie Hase gegen Igel. Auch für uns übrigens, denn wir setzen die falschen Seiten ebenfalls auf Verbotslisten. Aber dann sind sie bereits ein Mal zu viel erschienen.
Kann das Foto eines Menschen banal sein?
Interviews sind lediglich ein Abbild der Wirklichkeit