Folgen des Arbeitskampfes  Diese Busse und Züge fallen in Ostfriesland aus

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 20.04.2023 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wie geht‘s nun weiter? Nicht nur bei allem, was auf der Schiene fährt, wird gestreikt. Auch regionale Busse sind betroffen. Foto: Kahnert/dpa
Wie geht‘s nun weiter? Nicht nur bei allem, was auf der Schiene fährt, wird gestreikt. Auch regionale Busse sind betroffen. Foto: Kahnert/dpa
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Wer an diesem Freitag vor die Tür muss, sollte sich lieber nicht auf Busse und Bahnen verlassen. Die Eisenbahner-Gewerkschaft streikt. Für eine Personengruppe ist das besonders gemein.

Ostfriesland - Der gesamten Region droht an diesem Freitag ein Verkehrschaos. Von dem bereits angekündigten Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sind nicht nur die Fern- und Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn betroffen. Auch viele Busse in der Region werden stillstehen. Gestreikt wird offiziell von 3 Uhr morgens bis 11 Uhr.

Wie Uwe Reitz, Sprecher der EVG in Niedersachsen, gegenüber unserer Redaktion ankündigte, wird es auf der Schiene „erhebliche Beeinträchtigungen“ geben. Das betreffe alle Zugverbindungen, egal ob sie der Deutschen Bahn zuzuordnen seien oder nicht – also auch die Westfalen-Bahn und die Nordwest-Bahn, IC- und ICE-Züge sowieso. Der Grund: „Wir haben auch die Fahrdienstleiter zum Streik aufgerufen“, so Gewerkschafter Reitz. Auf der Schiene werde also nicht viel laufen.

Der Weser-Ems-Bus

Doch nicht nur der Schienenverkehr ist an diesem Freitagmorgen von der Warnstreiks betroffen. Auch Busse werden kaum auf der Straße zu sehen sein. Komplett bestreikt werden die Linien vom Weser-Ems-Bus. Das betrifft nach Auskunft eines Unternehmenssprechers 19 Linien in Aurich, 20 Linien in Leer und 15 in Friesland. Auf der Internetseite VEJ-Bus.de wurde noch am Donnerstagnachmittag unter „Verkehrsinformationen“ eine Übersicht über die betroffenen Linien veröffentlicht. Beim Weser-Ems-Bus geht man davon aus, dass sich der Busverkehr in der Mittagszeit wieder auf dem normalen Niveau einpendelt.

Da in Ostfriesland auch die Schüler auf den normalen Linien befördert werden, ist nicht sicher, ob die Kinder und Jugendlichen an diesem Freitag überhaupt zur Schule kommen – außer mit dem Fahrrad oder dem Elterntaxi. Die Weser-Ems Busverkehr GmbH (WEB) hat darüber bereits die Schulen informiert und diese wiederum gebeten, die Schüler und Eltern in Kenntnis zu setzen.

Die Abiturienten

Besonders bitter ist der Warnstreik für jene jungen Leute, für die an diesem Freitag eine Abiturprüfung ansteht. Geprüft wird das Fach Erdkunde. Die Jugendlichen mussten sich also neben dem Vorbereitungsstress und der Nervosität noch rasch nach einer Fahrgelegenheit umschauen. Unklar war am Donnerstag noch, wie die Schulen mit dem drohenden Verkehrschaos umgehen.

Wer in Ostfriesland mit einem Bus der Kreisbahn Aurich unterwegs ist, hat hingegen Glück. „Bei uns fällt am Freitag nichts aus“, sagte Jens Buß, Geschäftsführer der Kreisbahn Aurich. Die Beschäftigten seines Unternehmens seien in der Nahverkehrsgewerkschaft organisiert, die sich nicht an den Warnstreiks der EVG beteiligten. Die Kreisbahn unterhält Linienbusse in ganz Ostfriesland.

Die betroffenen Linien

Für Schüler und Pendler gibt es also noch Hoffnung, rechtzeitig zur Arbeit beziehungsweise in die Schule zu kommen. Das Dumme ist nur, dass von den Fahrgästen in der Regel niemand so genau weiß, ob er nun täglich mit dem Weser-Ems-Bus oder der Kreisbahn unterwegs ist. Im Prinzip kann man sich nur auf die im Internet unter VEJ.de veröffentlichte Liste verlassen und entsprechend umplanen.

Laut Verkehrsverbund Ems Jade (VEJ) handelt es sich um folgende Linien: Aurich: 410,411,412,415,416,417,418,419,420,421,422,423,424,426,427,428,431,432,433; Leer: 619,620,621,622,623,624,625,626,627,628,629,630,631,632,635,636,637,638,639,656; Friesland: 121,211,212,214,215,216,217,218,219,220,222,223,224,225,241,242.

Die Fluggäste

Mit den Beeinträchtigungen sind die Ostfriesen nicht allein. Zehntausende Fluggäste haben sich am Donnerstag nach Reisealternativen umsehen müssen: Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi brachten den Luftverkehr an den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn und Hamburg weitgehend zum Erliegen. Der Flughafenverband ADV teilte mit, dass am Donnerstag rund 45.200 Passagiere direkt betroffen waren. Am Freitag wird der Ausstand auf Stuttgart ausgeweitet. Auch wer auf die Bahn umsteigen will, braucht dann in ganz Deutschland Geduld: Die EVG hat für den Morgen und den Vormittag zwischen 3 und 11 Uhr zu bundesweiten Warnstreiks im Bahnverkehr aufgerufen.

Die Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr dürften jedoch den ganzen Tag über zu spüren sein. Die Deutsche Bahn warnte vor „erheblichen Einschränkungen“. Beide Gewerkschaften hatten bereits Ende März mit einem gemeinsamen 24-Stunden-Warnstreik den öffentlichen Verkehr in Deutschland vollständig lahmgelegt. Dass ihre Warnstreik-Aktionen nun wieder zusammenfallen, sei aber Zufall, betonte die EVG am Vortag. Abgestimmt hätten sich beide nicht.

Die Unbeteiligten

In Düsseldorf wurde etwa die Hälfte der für Donnerstag geplanten rund 400 Flugbewegungen gestrichen, wie der Flughafen mitteilte. 28 Flüge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet. Ein ähnliches Bild werde auch für Freitag erwartet, sagte ein Sprecher. In Köln/Bonn fanden von 204 geplanten Flugbewegungen im kompletten Tagesverlauf 168 nicht statt, wie ein Sprecher sagte. Es seien mehr als 20.000 Reisende von Streichungen oder Umleitungen betroffen. Viele Passagiere kamen gar nicht erst zum Flughafen.

Auch in Hamburg waren die Hallen leer. Dort waren wegen des Ausstandes keine Abflüge möglich. Auch ein Drittel der Ankünfte wurde gestrichen, wie der Flughafen mitteilte. In der Hansestadt waren allein am Donnerstag 305 Flüge mit etwa 38.000 Passagieren geplant. Der Flughafen kritisierte die Aktion: „Der Streik trifft viele Unbeteiligte, die morgen aufgrund des zusätzlichen Bahn-Streiks kaum Alternativen haben.“ Während in Düsseldorf, Köln/Bonn und Hamburg an beiden Tagen die Arbeit niedergelegt wird, ist das in Stuttgart nur am Freitag der Fall.

Die Gewerkschaften

Aufgerufen sind die Beschäftigen im Luftsicherheitsbereich, in der Fluggastkontrolle, der Personal- und Warenkontrolle und in Servicebereichen. Hintergrund sind Verhandlungen zwischen Verdi und dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen über Zuschläge für Nacht-, Samstags-, Sonntags- und Feiertagsarbeit sowie Regelungen zur Entlohnung von Überstunden für die Sicherheits- und Servicekräfte. Die Gewerkschaft Verdi begründet ihren Aufruf zum Warnstreik damit, dass die Verhandlungen zu keiner Lösung geführt hätten. Sie sollen am 27. und 28. April fortgesetzt werden.

Die EVG wiederum verhandelt derzeit in zweiter Runde nach und nach mit rund 50 Unternehmen der Eisenbahnbranche. Am Mittwoch wurden die Gespräche mit dem Bahn-Anbieter Transdev ergebnislos unterbrochen. Damit sollen am Freitag sämtliche Unternehmen bestreikt werden. Transdev versuchte am Donnerstag, den Warnstreik mit einer einstweiligen Verfügung beim Arbeitsgericht Frankfurt zu stoppen. Das Gericht bestätigte auf Anfrage den Antrag. Eine Entscheidung stand noch aus.

Die Schienenlotsen

Transdev kritisierte, dass von dem Warnstreik auch Tochterunternehmen betroffen seien, die an den Verhandlungen gar nicht beteiligt seien, „weil die Schienenlotsen (Fahrdienstleiter), die in den Stellwerken sitzen und für die Deutsche Bahn arbeiten, streiken werden“.

Mit Material von DPA

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