Osnabrück  Tatort „Love is Pain“ aus Dortmund: Tödliche Messerattacke in der Bahn

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 20.04.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Messerstecher Mike Majewski (Nils Hohenhövel) ist sichtlich im Ausnahmezustand. Aber was ist sein Motiv? Foto: WDR/Ester.Reglin.Film/Martin Rottenkolber
Messerstecher Mike Majewski (Nils Hohenhövel) ist sichtlich im Ausnahmezustand. Aber was ist sein Motiv? Foto: WDR/Ester.Reglin.Film/Martin Rottenkolber
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Rollentausch beim Tatort „Love is Pain“ aus Dortmund heute Abend: Rosa Herzog hat Peter Faber als Chefin der Mordkommission abgelöst. Sie fahnden nach einem mysteriösen Messerstecher.

Ob Braunkohletagebau oder illegale Einwanderung – der Tatort hat in den letzten Wochen seinen Anspruch auf gesellschaftspolitische Relevanz stark in den Vordergrund gestellt und dabei einige außergewöhnlich gute Folgen hervorgebracht. An diesem Sonntag widmet er sich in Dortmund einem kriminalistischen Phänomen, das in den letzten Jahren eine beängstigende Dimension angenommen hat: tödliche Messerattacken, speziell in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Straßenbahnfahrer Hamza Arkadaş (Mehmet Dalogluer) hat gerade die Endstation angefahren und freut sich auf den Feierabend. Nur ein Fahrgast mit tief ins Gesicht gezogener Basecap und Hoody ist noch sitzengeblieben. Als Arkadaş ihn zum Gehen auffordert, steht der junge Mann auf und sticht wie ein Besessener auf den Fahrer ein, der noch in der Straßenbahn stirbt. Anschließend geht er zur Überwachungskamera, präsentiert sein Gesicht und zeigt mit dem Finger in Richtung seines Auges.

Wenig schlägt der Messerstecher nach demselben Muster wieder zu. Diesmal muss ein Barbesitzer sterben, wieder präsentiert der Täter sein Gesicht der Überwachungskamera und zeigt auf sein Auge. Ein eiskalter Mörder, der gesehen werden will.

Nicht nur die Zuschauer, auch die Mitglieder der Dortmunder Mordkommission kennen also den Täter. Aber nur vom Sehen. Weder die einen noch die anderen wissen, wer er ist und warum er so grausam mordet. Und ob es ein weiteres Opfer geben wird. Damit haben die Drehbuchautoren Bob Konrad und Hanno Hackfort bei ihrer ersten Arbeit für den Tatort eine geschickte Konstellation und Grundlage für einen Krimi gewählt, den Regisseurin Sabine Bernardi gut und spannend inszenierte.

Dabei kannten die Autoren nicht einmal den Inhalt der letzten Folge aus Dortmund, als sie sich an die Arbeit machten. Horizontale Erzählweise, sonst ein Credo des Dortmunder Tatorts, geht eigentlich anders. Damals wirkte die Mordkommission wie ein Gehege von Problembären, sie badeten geradezu in ihrem eigenen Elend. Chef Faber (Jörg Hartmann) litt wie ein Hund unter dem Tod seiner Kollegin Bönisch, Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) wurde von ihrer RAF-Mutter bedrängt, Jan Pawlak (Rick Okon) brachten die Drogensucht seiner Frau und der Streit ums Sorgerecht für die gemeinsame Tochter an den Rand des Wahnsinns. 

Diese Fäden konnten die beiden Autoren natürlich nicht fallenlassen, führen sie nun aber in Richtung Schlusspunkt. Damit stehen die Zeichen in Dortmund auf Neustart – und das ist gut so. Denn eine Mordkommission, die daherkommt wie eine Selbsthilfegruppe, ist zumindest auf die Dauer schwer vermittelbar.

Wobei sich einiges geändert hat: Faber kehrt nach längerer Krankschreibung zwar in den Dienst zurück, ist aber nicht mehr der Chef. Kommissarisch hat Herzog die Führung übernommen und setzt eigene Akzente – das kann Faber zwar akzeptieren, aber die im Präsidium kursierenden Gerüchte, dass er dauerhaft ins zweite Glied zurückgestuft werden soll, nagen schon an ihm. Es wäre also durchaus sinnvoll, wenn der oder die Autoren der nächsten Folge den Inhalt von „Love is Pain” schon kennen, wenn sie das Drehbuch schreiben.

Tatort: Love is Pain. Das Erste, Sonntag, 23. April, 20.15 Uhr.

Wertung: 5 von 6 Sternen.

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