EU-Verordnung SPD-Politiker sagen Fischern weitere Unterstützung zu
Bei einem Treffen in Pewsum kritisierte EU-Abgeordneter Tiemo Wölke die schlechte Kommunikation der EU-Kommission. Auch Johann Saathoff will die Verordnung „auf keinen Fall“ akzeptieren.
Pewsum - „Es ist sehr wichtig, dass wir alle geschlossen hinter der handwerklichen, traditionellen Fischerei stehen“, sagt Tiemo Wölken (SPD). Der EU-Abgeordnete hatte am Freitag zu einem Pressegespräch in das Pewsumer Rathaus eingeladen, nachdem dort zuvor ein Gespräch zwischen Politik und Fischereivertretern stattgefunden hatte. Daran nahmen unter anderem auch Bundestagsabgeordneter Johann Saathoff (SPD), Landtagsabgeordneter Matthias Arends (SPD), Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) und Philipp Oberdörffer von der Landwirtschaftskammer teil.
Was und warum
Darum geht es: Politiker haben den Fischern weitere Unterstützung zugesagt.
Vor allem interessant für: alle, die sich für Fischerei und die Diskussionen um das geplante Verbot der Grundschleppnetze interessieren.
Deshalb berichten wir: die Verantwortlichen hatten uns nach einem Treffen zu einem Pressegespräch eingeladen. Die Autorin erreichen Sie unter: h.weiden@zgo.de
Bereits vor einigen Wochen war der europäischen Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei, Virginijus Sinkevičius aus Litauen, von einigen Deutschen EU-Abgeordneten der CDU aufgefordert worden, das Verbot der grundberührenden Fischerei im Aktionsplan zum Schutz der Meere „ersatzlos zu streichen“. Diesem Wunsch ist der EU-Kommissar nicht nachgekommen. Er betonte aber, dass „entgegen vieler Gerüchte“ für März 2024 „kein pauschales Verbot von Grundschleppnetzen in Meeresschutzgebieten“ geplant sei. Die Fischer entlang der Nordseeküste hatten eine Mitteilung zum EU-Aktionsplan „Schutz und Wiederherstellung von Meeresökosystemen für eine nachhaltige und widerstandsfähige Fischerei“ so gelesen. Das Jahr 2030 steht demnach aber immer noch im Raum.
EU-Kommunikation „nach hinten“ losgegangen
Tiemo Wölken machte am Freitag klar, dass diese Kommunikation seitens EU „völlig nach hinten“ losgegangen sei. Die geschlossene Reaktion gegen die Pläne der EU habe aber bewirkt, dass nun „zurückgerudert“ wurde.
Johann Saathoff sagt dazu: „Das habe ich in meinen zehn Jahren als Abgeordneter sehr selten erlebt, dass Deutschland sich so klar gegen Pläne der EU positioniert hat.“ Für die Fischer sei es zwar schön, dass 2024 „vom Eis“ sei, Planungssicherheit hätten sie dadurch aber keine. „2030 steht ja nach wie vor im Raum. Wie soll man da mit seinem Handwerk, wie mit seinem Geschäft umgehen?“, fragt Matthias Arends. Die Pläne der EU hätten all das in Frage gestellt.
Fischer dankbar für Unterstützung
Laut Gerold Conradi, ehemaliger Fischer und zweiter Vorsitzender des Landesfischereiverband Weser-Ems, spüren die Fischer bereits jetzt erste Auswirkungen des möglichen Verbots. Zum Beispiel würden erste Banken aufgrund fehlender Planungssicherheit Kredite für neue Schiffe nicht mehr bewilligen wollen. „Es kann nicht angehen, dass die Fischer keine Planungssicherheit haben“, sagt Tiemo Wölken. Er habe deshalb EU-Kommissar Sinkevičius nach Greetsiel eingeladen, damit sich dieser vor Ort ein Bild von der Krabbenfischerei machen kann - eine Rückmeldung habe es bisher aber noch nicht gegeben. Laut Wölken sei es wichtig, transparent zu machen, dass sich die familiengeführte Traditionsfischerei von der industriellen Fischerei mit deutlich größeren Netzen unterscheide.
Im weiteren Vorgehen wollen die Politiker zudem klarmachen, was die Fischer schon jetzt leisten: „Da haben die Fischer nichts zu verstecken“, sagt Johann Saathoff. Als Beispiele führt er die Themen Energiesparen, Beifang und Müllentsorgung auf, bei denen die Fischer von sich aus aktiv seien. „Das ist noch nicht ausreichend kommuniziert worden“, so Saathoff. Und: „Ein Verbot werden wir auf keinen Fall akzeptieren.“ Gerold Conradi zeigt sich sichtlich gerührt von der Unterstützung, die die Fischer in den vergangenen Wochen erfahren haben: „Das hätten wir niemals für möglich gehalten. Im Namen der Fischer kann ich mich dafür nur bedanken“, sagt er.
Die Beteiligten setzen außerdem Hoffnung auf eine Studie des bundeseigenen Thünen-Instituts, die am 27. April vorgelegt werden soll. Dort werden die Auswirkungen der (Krabben-) Fischerei auf den Meeresboden untersucht. Laut EU-Vorhaben sollen die Mitgliedsstaaten bis 2024 Maßnahmen vorschlagen, um der Biodiversitätsstrategie gerecht zu werden. Die Studie sei daher ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
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