Berlin Deutschlandticket im Fernverkehr: Will die Bahn bewusst Fahrgastrechte aushebeln?
Ab dem 1. Mai kann das neue Deutschland-Ticket im Nahverkehr genutzt werden. Zwei Wochen vor dem Start treten Buchungsprobleme bei der Kombination mit dem Fernverkehr auf. Der Fahrgastverband ProBahn hat einen Verdacht – und wittert eine bewusste Aktion der Bahn.
Mit dem Deutschlandticket, auch besser bekannt als 49-Euro-Ticket, können die Fahrgäste in Deutschland erstmals ein in ganz Deutschland einheitlich nutzbares Ticket für den Nahverkehr in Anspruch nehmen. Experten loben das einheitliche Ticket, kritisieren aber den aus ihrer Sicht zu hohen Preis und unterschiedliche Regelungen zur Mitnahme von Kindern, Fahrrädern oder Hunden. Nun kommt offenbar eine weitere Baustelle hinzu: Die Vereinbarkeit des Deutschlandtickets mit dem Fernverkehr.
Grundsätzlich sind im Deutschlandticket keine Fernverkehrszüge enthalten; wer auf seiner Fahrt den ICE, IC oder EuroCity-Züge nutzen möchte, muss dafür extra zahlen. Ein Beispiel: Ein Besitzer des Deutschlandtickets möchte von Braunschweig über Hannover nach Hamburg reisen. Der Regionalzug von Braunschweig nach Hannover wird über das Deutschland-Ticket abgedeckt, der ICE von Hannover nach Hamburg dagegen muss extra gebucht werden.
Im DB Navigator gibt es rund zwei Wochen vor dem Start des Deutschland-Tickets jedoch keine Möglichkeit, diese Reise zusammen zu buchen und für die erste Strecke beispielsweise „Deutschlandticket vorhanden” anzugeben.
Im ersten Moment scheint das kein Problem zu sein, als Bahnreisender bucht man einfach nur den Streckenabschnitt, der nicht im Deutschland-Ticket enthalten ist. Der Fahrgastverband „ProBahn” weist jedoch auf ein großes Problem für Kundinnen und Kunden hin: Wenn Fahrgäste nur den Fernverkehr buchen und vorher oder danach mit dem Deutschlandticket weiterfahren, gebe es zwei getrennte Beförderungsverträge, erklärt der Sprecher von ProBahn, Lukas Iffländer, gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Die Zeit”. Das wirke sich auf die Fahrgastrechte bei Verspätungen oder Zugausfällen aus.
Vor allem betroffen sind Nutzerinnen und Nutzer der besonders günstigen Sparpreise, die eine Zugbindung enthalten. Falls der Fahrgast in unserem Beispiel den Fernverkehrszug in Hannover wegen eines verspäteten Regionalzugs aus Braunschweig nicht erreicht, müsste er kurzfristig die nächste ICE-Verbindung nachbuchen.
Hätte er die Strecke Braunschweig – Hamburg jedoch als Ganzes buchen können, würden ihm die Fahrgastrechte für die gesamte Strecke zustehen – auch der Entfall der Zugbindung und damit das kostenlose Mitfahr-Recht im nächsten ICE. Beim Deutschlandticket hingegen dürfen Bahnreisende erst ab einer Verspätung ab 20 Minuten auf den Fernverkehr ausweichen.
Die Bahn sagt dazu auf Nachfrage der „Zeit”, dass weitere Verbesserungen, auch mit Blick auf das Deutschlandticket und dessen Berücksichtigung in der Buchungsmaske, geprüft werden würden. Lukas Iffländer von ProBahn glaubt nicht daran. „Es liegt nicht daran, dass die IT das nicht kann, sondern dass der DB-Konzern nicht will“, sagt Iffländer. „Der jetzige Zustand ist Absicht.“ Die Bahn profitiere davon.
Diesen Vorwurf weist wiederum die Bahn zurück. Gegenüber der „Zeit” heißt es, die Deutsche Bahn gebe die Einnahmen aus den Nahverkehrsverbindungen an die regionalen Betreiber ab – viele Regionalzüge werden jedoch von DB-Regio, einem Tochterunternehmen der DB, betrieben. Iffländer fordert derweil ein Einschreiten des Verkehrsministeriums, damit sich die Lage der Bahnreisenden verbessert. „Das Hauptziel des DB-Konzerns ist es, Geld zu verdienen, die Verkehrswende ist sekundär. Solang die Bahn als AG ausgerichtet ist und mit diesem Führungspersonal besetzt ist, wird sich das auch nicht ändern.“