Typisierung für Samu Drei Wattestäbchen sind nichts im Kampf gegen Blutkrebs
Am Sonnabend haben sich 193 Männer und Frauen in der KGS Großefehn für den leukämiekranken Samu typisieren lassen. Im Einsatz waren 50 Helfer.
Großefehn - Regenschwerer Himmel, immer wieder Schauer − am Sonnabend reizte das Wetter nicht dazu, das Haus zu verlassen. Trotzdem haben sich 193 Männer und Frauen einen Ruck gegeben. Sie sind zur Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Großefehn gefahren oder gegangen. Dort wiesen rot-weiße Banner mit dem Aufdruck „Registrierungsaktion für Samu“ den Weg zur Aula. Von 10 bis 16 Uhr konnte sich jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren lassen. Damit erklärt er sich zu einer Stammzellenspende bereit. Aktuell wird sie für den fünfjährigen Samu aus Großefehn benötigt, der an Leukämie erkrankt ist und dringend eine Spende von seinem genetischen Zwilling benötigt.
Enno und Marina Wiese haben nicht lange gefackelt. Das Paar steht mit seinen beiden kleinen Töchtern am Eingang zur Aula und wird von Claudia Kampen empfangen. Sie ist eine von 50 Helferinnen und Helfern, die sich an diesem Tag in den Dienst der guten Sache gestellt haben. Geduldig fragt sie jeden nach seinem Alter und möglichen Vorerkrankungen. Als sie hört, dass sowohl Enno als auch Marina Wiese Blut spenden, ist sie erleichtert: „Das ist ja schon die halbe Miete.“ Wie Stammzellenspender müssen auch Blutspender gesund sein, sie dürfen aktuell keine Antibiotika einnehmen und keine große Operation hinter sich haben.
Eine ganz genaue Aufklärung erhält das Paar allerdings an der zweiten Station, bei Nicole Fürst. Die sitzt zusammen mit 13 anderen Personen an einem u-förmig aufgestellten XXL-Tisch und nimmt die Speichelproben entgegen. Vorher händigt sie Enno Wiese drei Wattestäbchen aus. „Bitte einzeln in den Mund einführen und die Wange entlangstreichen, jeweils eine Minute lang“, sagt Nicole Fürst. Sie nimmt ihren Job ernst und aktiviert den Timer ihres Smartphones. Beim letzten Mal gleitet das Stäbchen durch den kompletten Mundraum. Dann werden alle drei in einen Umschlag gesteckt. „Einfach so?“, will Enno Wiese wissen. „Ja, klar, das stammt ja alles von dir“, sagt die Helferin.
Gelegenheit beim Schopf gepackt
Sie kennt den Stammzellenspender in spe. Man plaudert ein wenig. Nicole Fürst sagt, sie opfere ihre Freizeit gerne an diesem Vormittag. Sie sei froh, der Gemeinschaft etwas zurückgeben zu können. Im vergangenen Herbst habe ihr Sohn einen schlimmen Unfall gehabt. „Damals habe ich sehr viel Unterstützung erfahren“, sagt sie. Deshalb kann sie sich vorstellen, dass die Familie von Samu froh ist, wenn ihr viele beistehen. Und viele sind notwendig, um die Chance zu erhöhen, dass der genetische Zwilling von Samu gefunden wird. Der Solidaritätsgedanke hat auch für Marina Wiese den Anstoß gegeben, sich typisieren zu lassen: „Mein Mann und ich hatten das schon lange vor, jetzt haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt“, sagt sie. Als Elternteil habe man vermutlich nochmal eine höhere Sensibilität bei dieser Frage: „Wenn eine meiner beider Töchter lebensbedrohlich erkranken würde, wünschte ich auch, dass andere mich unterstützen“, sagt sie. Ihr Mann kenne im Übrigen den Vater des kleinen Samu persönlich. Das sei ein starkes Band, das zum aktiven Handeln motiviere.
So ergeht es auch Natascha Kosyra. Die Großefehntjerin ist mit der Mutter von Samu befreundet: „Als im Februar feststand, dass ein Spender benötigt wird, habe ich sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine Typisierungsaktion zu organisieren.“ Bei der DKMS und dem Verein Leukin habe sie sich Unterstützung geholt. Der Verein zur Hilfe leukämiekranker Kinder und Erwachsener, kurz Leukin, wurde 1996 in Ostrhauderfehn gegründet. Seitdem habe man zusammen mit der DKMS in Ostfriesland 280 Typisierungen organisiert und mehr als 87.000 potenzielle Stammzellenspender registriert, sagt Christa Lindenberg, die am Sonnabend auch in Großefehn vor Ort ist. Nach Angaben der 2. Vorsitzenden von Leukin wurden dadurch bisher 1013 Menschen gerettet.
Trotz der Unterstützung durch die Organisationen habe sie selbst sehr viel in die Wege leiten müssen, angefangen beim Buchen der KGS über die Rekrutierung der Helfer bis zum Aufbau der Biergarnituren im improvisierten Café. „Die habe ich am Freitag mit einem schweren Bulli persönlich hierhin gefahren“, sagt Natascha Kosyra. Darauf sei sie wirklich stolz. Froh sei sie auch über die Unterstützung von Geschäften wie Combi, Edeka und der Bäckerei Hoppmann. Die hätten viel gespendet, damit es für jeden eine kleine Stärkung in Form von Brötchen oder Süßigkeiten gibt. So ein Spendentag kann nämlich ganz schön lang werden. Für den Nachmittag wünschten sich die Organisatoren etwas mehr Zulauf, als sie am Vormittag verzeichnet hatten.
Lebensretter für schwerkranken Jungen aus Großefehn gesucht
Großefehn sucht fieberhaft nach genetischem Zwilling für Samu
Carolin Prünie wird zur Lebensretterin
Hochschule Emden will erkrankter Jette helfen