Berlin Schlechtes Timing: Warum der höchste Orden für Angela Merkel nicht in die Zeit passt
Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält am Montag den höchsten Verdienstorden der Bundesrepublik. Was es mit dem „Großkreuz“ auf sich hat - und warum die Ehrung zu früh kommt.
Am Montag erhält Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel den höchsten Orden, den Deutschland zu verleihen hat. Das sogenannte Großkreuz in besonderer Ausführung, die höchste Stufe der Verdienstorden, wurde in der Geschichte bisher erst zweimal verliehen. Merkels Vorgänger Konrad Adenauer und Helmut Kohl bekamen die hochkarätige Auszeichnung mit Lorbeerkranz und rot unterfüttertem Schulterband. Sie wird ihr im Schloss Bellevue von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen.
21 persönliche Gäste der Ex-Kanzlerin werden dabei sein, darunter Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann, SPD-Grande Franz Müntefering und der Osteuropa-Experte Karl Schlögel, der seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine mit Merkels Russland-Politik öffentlich hart ins Gericht geht. Es spricht natürlich für Merkel, dass sie ihn trotzdem einlädt. Friedrich Merz und Markus Söder sind nicht dabei.
Für die Auszeichnung zu diesem Zeitpunkt spricht allerdings wenig. Vielmehr spricht es für eine Ignoranz der öffentlichen Stimmung, die sich mit Blick auf die Verdienste der Ex-Bundeskanzlerin gespalten hat oder anders gesagt: Die vormals recht einhelligen Begeisterung für Merkel ist mindestens einer Verunsicherung ihr gegenüber gewichen.
Man kann anerkennen, dass sie das Land ohne große Turbulenzen durch schwierige Zeiten geführt hat. Ihr Verhandlungsgeschick und ihre Zähigkeit waren schier übermenschlich. Das Urteil über ihre historischen Verdienste aber ist noch nicht gefällt. Bei Adenauer war es die gelungene Westbindung in den turbulenten Nachkriegsjahren, bei Kohl die Wiedervereinigung. Was ist es bei Merkel? Man weiß es noch nicht genau.
Zum jetzigen Zeitpunkt befremdet es daher eher, wenn der frühere Außenminister Steinmeier, der mit der damaligen Kanzlerin maßgeblich die deutsche Russlandpolitik erdachte, ihr den schweren Orden umhängt. Es wirkt ähnlich deplatziert wie der Friedensnobelpreis für Barack Obama zu Beginn seiner Amtszeit als US-Präsident, dem er später kaum gerecht wurde. Mehr Bürde, denn Auszeichnung.