Hamburg Frust und Freude: So reagieren Cannabis Social Clubs auf die neuen Pläne der Regierung
In Cannabis-Clubs sollen Vereinsmitglieder bald legal Cannabis bekommen, plant die Bundesregierung. Solche Vereine gibt es in Deutschland bereits. Warum sie mit den neuesten Entwicklungen ihre Probleme haben.
Die Cannabis-Legalisierung in Deutschland ist einen Schritt vorangekommen. Am Mittwoch, 12. April, haben Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) ein neues Eckpunktepapier vorgestellt, aus dem noch in diesem Jahr ein Gesetz werden soll.
Eine besondere Rolle kommt dabei den sogenannten Cannabis-Clubs zu. Darum geht es:
Die Kosten sollen über die Mitgliedsbeiträge gedeckt werden, gegebenenfalls kommt ein zusätzlicher Betrag je abgegebenes Gramm dazu.
In Deutschland gibt es bereits mehrere Cannabis Social Clubs (CSC), der älteste ist der 2015 gegründete Cannabis Social Club Hamburg. Seit November 2022 gibt es auch den „Dachverband der Cannabis Social Clubs Deutschland“ (CSCD). Bei den Vereinen handelt es sich um Interessensgemeinschaften und -vertretungen. Cannabis wird dort bisher nicht angebaut.
Wie stark das Interesse nach den Cannabis-Vereinen am Mittwoch anstieg, zeigt der CSC München auf Twitter:
Die Vereinsvertreter und -mitglieder haben sich in der Vergangenheit immer wieder dafür eingesetzt, dass eine Legalisierung auch über sie läuft. Deshalb feiern sie das Eckpunktepapier am Mittwoch auch als ihren Erfolg:
Doch echte Jubelstimmung will nicht aufkommen – im Gegenteil. Die Vertreter stören sich vor allem an diesem Punkt des Eckpunktepapiers: Der Konsum in den Räumlichkeiten der Vereinigung ist verboten. Damit folgt die Bundesregierung dem Model Maltas, das ebenfalls auf Aufzucht und Abgabe in Vereinen samt Konsumverbot in den Vereinsräumen setzt.
Der Tenor der CSC auf Twitter ist eindeutig: Wir lassen uns das „social“ nicht streichen. Der gemeinsame Konsum vor Ort ist den Vereinsvertretern offenkundig sehr wichtig. Sie betonen die soziale Komponente, die Grundlage eines jeden Vereins sei. Entsprechend gering ist das Verständnis für dieses Detail des Regierungsplans.
Oliver Waack-Jürgensen, Vorstand des CSC Berlin und ehemaliger Beauftragter für Suchtpolitik der Piraten-Partei, kritisiert, Karl Lauterbach habe das Konzept der Cannabis Social Clubs „nicht verstanden“. Ohne gemeinsamen Konsum befürchtet er auch Nachteile im Kampf gegen den Schwarzmarkt:
Immerhin: Noch besteht Hoffnung für die CSC, dass ihre Mitglieder in Zukunft doch in den Vereinsräumen Cannabis konsumieren können. Cem Özdemir räumte ein, dass das bisher geplante Konsumverbot vor Ort auch in der Koalition noch umstritten sei.
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