Osnabrück Cannabis Social Club so cool wie Karl Lauterbach
Im zweiten Anlauf soll es nun klappen mit der Cannabis-Legalisierung. Aber das Gesetz von Karl Lauterbach ist einmal mehr zu kurz gesprungen und wird mehr Probleme schaffen, als es lösen kann.
Wer bei einem „Cannabis Social Club“ an den lässigen kubanischen „Buena Vista Social Club“ mit seinen sehr, sehr entspannten Musikern aus Havanna und ihrem legendären Son-Sound der 1950er Jahre denkt, der liegt gründlich falsch. Tatsächlich dürfte der von der Bundesregierung geplante Cannabis Soul Club ungefähr so cool sein wie Karl Lauterbach und eher den Geschäften gleichen, in denen in der arabischen Welt Alkohol verkauft wird: keine Werbung, schwarz verklebte Schaufenster, aber dahinter jeder Sprit in jeder Menge.
Mit ihrem halbherzigen Plan bei der Legalisierung von Cannabis bleibt die Ampel ihrem Grundsatz treu: „too little, too late“, also zu wenig und das auch noch zu spät. Der Joint ist längst Alltag in Deutschland, wegen geringer Mengen wird niemand mehr angeklagt, wer will und kann, baut selber an und die anderen fahren ins mehr oder weniger nahe gelegene Holland. Viel einfacher wäre es also die komplette Legalisierung eines Genussmittels gewesen, das doch sowieso längst weit verbreitet ist.
Mit seinem Gesetz schafft Lauterbach jetzt mehr Probleme, als er zu lösen glaubt: Soll die Polizei die erlaubten 25 Gramm mit der Briefwaage ermitteln? Und wer wird belangt, wenn drei Personen zusammen 76 Gramm und damit ein Gramm zu viel dabei haben? Mit diesem verkorksten Gesetz verpasst vor allem der grüne Koalitionspartner – Lauterbach stellte das Gesetz gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Cem Özdemir vor – die Chance, bei einem gerade für ihre Wähler ganz leichten Thema endlich mal wieder schwer zu punkten. Den Freunden des Cannabis wird der viele Rauch um nichts aber ohnehin egal sein – und das ganz sicher auch ohne Besuch im Cannabis Social Club.