Hamburg  Akrobatik und Romantik: Mit wem Helene Fischer auf der Bühne knutschte

Dagmar Leischow
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Von Dagmar Leischow
| 12.04.2023 12:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schüttel dein Haar für mich: Helene Fischer beim Tourstart in der Hamburger Barclays Arena. Foto: Marcus Brandt/dpa
Schüttel dein Haar für mich: Helene Fischer beim Tourstart in der Hamburger Barclays Arena. Foto: Marcus Brandt/dpa
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12.000 Fans waren dabei, als Helene Fischer in der Hamburger Barclays Arena ihre Tournee startete, mit einer gut verheilten Rippe, spektakulären Show-Einlagen und einem besonders romantischen Moment.

Schon auf dem Weg von der S-Bahn-Station zur Barclays Arena kristallisiert sich heraus: Den typischen Helene-Fischer-Fan gibt es wohl gar nicht. Zwei junge Frauen in den Zwanzigern freuen sich wie die Schneeköniginnen auf das erste von fünf Konzerten in Hamburg. Genauso sieht man Großeltern, die ihre Enkel im Schlepptau haben. Ganze Familien, größere Frauengruppen, einzelne Männer.

12.000 Menschen wollen den Tourauftakt der Sängerin auf gar keinen Fall versäumen. Doch während bei anderen Events oft schon vor Beginn eine kribbelige Anspannung in der Luft liegt, sitzt das Gefolge der Schlagerqueen zunächst noch ganz brav auf seinen Plätzen oder steht eher regungslos im Innenraum.

Erst als Helene Fischer nicht um Punkt Acht auftaucht, klatschen vereinzelt einige Leute. Andere jubeln, um die 38-Jährige aus dem Backstage-Bereich hervorzulocken. Dabei wartet sie längst auf einem Trapez auf ihren Auftritt, verborgen unter einem roten Tuch. Als der Stoff fällt, schwebt sie majestätisch auf der Bühne ein. Athletisch wie eh und je. Kaum zu glauben, dass sie kürzlich noch ihre Konzerte in Bremen und Köln wegen eines Rippenbruchs verschieben musste. Für alle Fälle versichert Helene Fischer ihrer Anhängerschaft, sie müsse sich keine Sorgen machen.

Den Beweis dafür liefert sie mit spektakulären akrobatischen Einlagen. Die „Atemlos durch die Nacht“-Inszenierung raubt einem tatsächlich den Atem. Wie sich Helene Fischer da von einem Roboterarm wie in einem Dom-Karussell in alle Richtungen drehen lässt und zeitweilig sogar kopfüber hängt: Respekt!

Romantiker kommen bei „Hand in Hand“, das die Künstlerin für ihr aktuelles Album „Rausch“ selber geschrieben hat, voll auf ihre Kosten. Da umgarnen sich Helene Fischer und ihr Lebenspartner Thomas Seitel total verliebt. Nicht etwa auf der Bühne, nein, sie baumeln an Bändern hoch oben mitten in einem künstlichen Wasserfall. Wenn sie zum Schluss knutschend im Boden verschwinden, ist wohl jeder verzaubert.

Das Publikum hält es eh schon längst nicht mehr auf den Stühlen. „Herzbeben“ hat den Bann gebrochen und die meisten Leute zum Mittanzen oder zumindest zum Mitklatschen animiert. Ständig bringt Helene Fischer sie zum Staunen. Etwa, als sie mitten in einem brennenden Ring singt oder auf der kleinen Zweitbühne auf einer Leiter herumturnt. In solchen Momenten macht sich ihr Training mit dem Cirque du Soleil, der die Show in Szene gesetzt hat, wirklich bezahlt. Mit den Akrobaten und Tänzer hält Helene Fischer in ihren knappen Kostümen, die sie mehrfach wechselt, in jeder Choreografie locker Schritt.

Ebenso weiß sie als Balladensängerin zu überzeugen. Ein Höhepunkt des Spektakels: das getragene „Never Enough“, das einzig englischsprachige Lied unter gut 30 Stücken. Endlich einmal entfaltet sich Helene Fischers Stimme in ihrer gesamten Bandbreite. Niemals genug, erklärt sie, sei ihr Motto: „Ich will mich immer wieder herausfordern.“ Darum scheut sie auch vor Coversongs nicht zurück. Mit Kerstin Otts „Regenbogenfarben“ sagt sie Homophobie und Diskriminierung lautstark den Kampf an. Dabei wird die Bühne in, natürlich, Regenbogenfarben getaucht.

„Ich habe einen Mega-Start mit euch“, jubelt der Superstar nach fast drei Stunden Schlager-Zirkus. Dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen. Helene Fischer hat sich keine Patzer geleistet. Jede Bewegung saß, jeder Ton war einwandfrei. Der Gesamteindruck: überwältigend. Diese Frau ist eben eine Perfektionistin, die nichts dem Zufall überlässt.

Helene Fischer gastiert noch bis zum 16. April, jeweils 20 Uhr, in der Barclays Arena in Hamburg. Es gibt noch Tickets ab 64,90 Euro.

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