Hamburg Zahl der Asylbewerber um 80 Prozent gestiegen – Deutlich mehr Türken suchen Schutz
Die Zahl der in Deutschland gestellten Asylanträge nimmt weiter stark zu. In den ersten drei Monaten dieses Jahres verzeichneten die Behörden bereits mehr Anträge als früher in einem ganzen Jahr. Die Details mit Zahlen für Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern:
Die Zahl der in Deutschland gestellten Asylanträge hat im März die 80.000er-Marke deutlich überschritten. Das zeigen aktuelle Auswertungen des zuständigen Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Demnach nahm das Bundesamt in den ersten drei Monaten des Jahres 2023 insgesamt 80.978 Asyl-Erstanträge entgegen. Das entspricht einer Zunahme von gut 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Hinzu kommen 6.799 sogenannte Folgeanträge von Migranten, deren Asylantrag zuvor bereits abgelehnt worden ist, oder den sie selbst zurückgenommen haben. Insgesamt nahm das Bamf also 87.777 Anträge entgegen. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2022 waren es gut 244.000 Anträge. Hat das hohe Niveau in diesem Jahr Bestand, dürfte dieser Wert 2023 zeitnah erreicht werden.
Zuletzt hatte die Gewerkschaft der Polizei darauf hingewiesen, dass die Zahl der Migranten gerade in Richtung Sommer mit den höheren Temperaturen weiter deutlich zunehmen dürfte. Zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen in Deutschland wird bereits jetzt heftig darum gestritten, wo Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Im Mai trifft sich dazu der Bundeskanzler mit Vertretern der Bundesländer.
Bei den Herkunftsländern der Asylbewerber dominieren laut Bamf Syrien, Afghanistan und die Türkei. Sie machten in den ersten drei Monaten des Jahres gut 60 Prozent der Herkunftsländer aus. Besonders deutlich steigt die Zahl der Menschen aus der Türkei, die Asyl beantragen – laut Bamf waren es 10.267 Erstanträge. Das entspricht einem Plus von gut 280 Prozent.
Drei Viertel der Asylbewerber waren Männer. Die meisten Antragsteller waren dabei mit 18 bis 25 Jahren vergleichsweise jung. Jeder vierte Asylbewerber gehörte in diesem Jahr bislang dieser Altersgruppe an. Im laufenden Jahr wurde bislang über mehr als 68.000 Asylanträge entschieden, jeder Fünfte wurde dabei laut den Zahlen der Bundesbehörde abgelehnt. In 163.000 Verfahren steht derzeit noch eine Entscheidung aus.
Die Verteilung der ankommenden Migranten erfolgt nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel. Laut Bamf nahm Nordrhein-Westfalen knapp 17.700 Menschen auf. Es folgen Bayern (12.700) und Niedersachsen (8652). Kleinere Bundesländer wie Schleswig-Holstein (2631) oder Mecklenburg-Vorpommern (1448) nehmen entsprechend ihrer Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft auch weniger Asylbewerber auf.
Gerade in Mecklenburg-Vorpommern wird ungeachtet dessen seit Wochen gegen neue Flüchtlingsunterkünfte protestiert. Auf bundespolitischer Ebene attestiert vor allem die Union Deutschland eine neue Flüchtlingskrise.
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