Blick ins alte Emden  Der Passat feiert Geburtstag und nimmt Abschied

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 11.04.2023 11:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Passat B1 L Variant von 1974: Seit 1977 wird der Volkswagen in Emden gebaut, seit 50 Jahren gibt es die Modellreihe. Foto: Volkswagen AG
Ein Passat B1 L Variant von 1974: Seit 1977 wird der Volkswagen in Emden gebaut, seit 50 Jahren gibt es die Modellreihe. Foto: Volkswagen AG
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Der Passat wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Für acht Fahrzeuggenerationen waren Emden und der Volkswagen eng verbunden. Doch mit dem Geburtstag kommt auch der Abschied.

Emden - Der Italiener Giorgio Giugiaro, ein tropischer Ostwind und eine ostfriesische Stadt - die Verbindung fällt sofort ins Auge, oder? Es geht selbstverständlich um den Passat. Das Volkswagen-Modell feiert in diesem Jahr den 50. Geburtstag – und bald seinen Abschied aus Emden.

Vor 50 Jahren fegte er wie eine frische Brise durch die Automobilbranche. Er war Vorbote für Golf, Polo und Scirocco, machte den Kombi salonfähig und brach als erstes Modell die Grenze von 30 Millionen produzierten Fahrzeugen. Das italienische Design von Giorgio Giugiaro – seines Zeichens bedeutendster Autodesigner des 20. Jahrhunderts – ließ die damals konservativen Konkurrenten weit hinter sich. Außerdem war der Passat das erste Volkswagen-Modell mit Frontmotor und nach dem Käfer lange Zeit der ganze Stolz des Emder VW-Werks.

Seit 1977: Emden und der Passat

Seitdem der erste Passat am 1. Juni 1977, vier Jahre nach dem eigentlichen Produktionsstart der Modellreihe, in Ostfriesland vom Band lief, ist er hier seit acht Generationen zuhause. Als Leitwerk wurden alle Passatmodelle in Emden erbaut, erprobt und freigegeben, ob britisch mit Rechtslenkung oder amerikanisch mit Automatik. Das Emder VW-Werk gibt es seit 1964.

Das erste Modell (1973 bis 1977) führte die Liste deutscher Zulassungen an, das zweite Modell (B2, 1980 bis 1985) war in China so beliebt, dass es dort noch bis 2012 produziert wurde. Die dritte Version irritierte Autoliebhaber, weil sie ohne Kühlergrill herangebraust kam. Glücklicherweise konnte man sich die Grills zum Aufkleben im Zubehörhandel besorgen. Als 1989 die Vorbereitungen für das 25-jährige Werksjubiläum laufen, wird zunächst der Meilenstein des fünfmillionsten Autos aus dem Emder Werk gefeiert – ein Passat B3. Auch die Emder Feuerwehr bekommt im April 1989 ein neues Kommando-Fahrzeug der Marke, ein paar Monate später rollt der 250.000. Passat vom Emder Band. Zur Feier der Viertelmillion-Marke in der Farbe alpinweiß.

Nicht immer war der Passat im Aufwind

Doch nicht immer war die Beziehung zwischen Emden und dem Passat eine sorgenfreie. Eine kleine Flaute auf dem Markt erlebte die vierte Generation – zu teuer. Doch nachdem die Extras wie Airbags aus der serienmäßigen Ausstattung gestrichen wurden und so der Preis gesenkt werden konnte, „wehte“ der Passat wieder im Aufwind und die Umsatzzahlen stiegen.

Auch die nächsten vier Passatmodelle trumpften mit Innovationen (erstes Auto mit automatischer Einparkfunktion) und Eleganz auf. „Bis zur Arroganz schön“, wurde da in den Medien getitelt.

Produktion in Emden läuft aus

Doch wie so manch andere Beziehung geht auch die zwischen Emden und dem Passat zu Ende. In diesem Jahr wird die Passat-Produktion in Emden auslaufen. Seit Mai 2022 läuft in Emden der ID.4 vom Band. Bald folgt auch der viertürige vollelektrische ID.7. Zugleich läuft die Produktion der Modelle Passat Variant sowie Arteon und Arteon Shooting Brake noch für einige Zeit weiter. Im Sommer 2022 lief bereits die letzte Passat Limousine in Emden vom Band. Nach dieser Übergangsphase, in denen am Standort Verbrenner und Elektrofahrzeuge parallel gefertigt werden, wird Emden ein reines E-Werk. So steht es auf der Internetseite von Volkswagen.

Es ist ein Abschied, der vielleicht so viel Wehmut auslösen wird, wie der Abschied vom Käfer – dem Volkswagen, für das das VW-Werk in Emden ursprünglich hauptsächlich gebaut wurde. Der letzte in Deutschland gebaute Käfer verließ am 19. Januar 1978 das Montageband in Emden. Auch schon wieder 45 Jahre her.

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