Osnabrück Warum hat der Papst den Rücktritt des Osnabrücker Bischofs Bode akzeptiert?
Ausgerechnet der katholische Reformer Franz-Josef Bode tritt zurück, während andere bleiben. Was kann den Papst bewogen haben, das Rücktrittsgesuch des Osnabrücker Bischofs anzunehmen?
Kurz nach dem Rücktritt des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode tauchen die ersten Spekulationen in Online-Netzwerken auf: Warum hat der Papst Bode zurücktreten lassen, Erzbischöfe wie Woelki, Marx und Heße aber nicht? Hatte das in Wirklichkeit politische Gründe? Wollte Franziskus einen Reformer loswerden? Bode, ein Opfer römischer Intrigen?
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Dass solche Gerüchte entstehen, ist nachvollziehbar. Immerhin hatte sich Bode beim Synodalen Weg nachdrücklich für Veränderungen eingesetzt, die Rom und insbesondere den Papst wiederholt verstimmen: mehr Rechte für Frauen und Laien und eine neue Sexualmoral etwa. Franziskus reagierte teils harsch, rief die deutschen Bischöfe zur Ordnung.
Gleichzeitig beließ er erheblich umstrittenere Amtsträger wie die Erzbischöfe von Köln und Hamburg, Rainer Maria Woelki und Stefan Heße, (mindestens vorerst) im Amt. Und mindestens Woelki gehört zum klaren Anti-Reform-Lager, ist also erheblich mehr auf römischer Linie als sein nun emeritierter Osnabrücker Kollege.
Aber: So unterhaltsam Verschwörungstheorien rund um die katholische Kirche sein mögen - im Fall Bode deutet wenig bis gar nichts darauf hin, dass ein politisch unliebsamer Reformer vom Vatikan mundtot gemacht werden sollte.
Zum einen weist nichts in den Äußerungen und im Verhalten des Bischofs darauf hin. Auch hinter den Kulissen hatte Bode in den vergangenen Monaten häufiger über seine Gesundheit und den Umgang mit sexualisierter Gewalt in seinem Bistum gesprochen, als über Probleme mit dem Papst.
Und hätte Franziskus wirklich Reformer aus dem Weg räumen wollen, hätte er auch das Gesuch des ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, annehmen müssen.
Ein augenfälliger Unterschied zwischen den Gesuchen von Marx, Woelki und Heße auf der einen und dem Bodes auf der anderen Seite besteht in der Verschwiegenheit. Die ersten drei haben öffentlich erklärt, ein solches Gesuch einreichen zu wollen. Bode hingegen hat offenbar in aller Stille darum gebeten. Rom ließ ihn sogar noch seinen Kampf für Reformen im unliebsamen Synodalen Weg zuende führen. Hätte man Bodes Einfluss auf die Erneuerung der deutschen katholischen Kirche beschneiden wollen, hätte man ihn auch früher aus dem Spiel nehmen können.
Spannender ist die Frage, was nun in Rom den Ausschlag für die grundlegende Entscheidung gegeben hat. Waren es wirklich die Erkenntnisse zur sexualisierten Gewalt und der Schuld des Bischofs? Oder ist nicht eher der zweite Teil von Bodes Rücktrittsbegründung, nämlich der Verweis auf seine Gesundheit wichtig? Immerhin ist Franziskus nicht gerade bekannt dafür, Bischöfe besonders schnell ihrer Amtspflichten zu entledigen. So mancher hochrangige deutsche Bischof, so hört man, wäre im Zuge von Missbrauchsaufarbeitung wohl tatsächlich lieber zurückgetreten. Doch weder der Wunsch des Amtsträgers, noch der der Gläubigen in einer Diözese, konnte den Papst offenbar erweichen.
Da könnte das Argument, man sei gesundheitlich nicht mehr in der Lage, die Geschäfte zu führen, womöglich größeren Erfolg versprechen. Zumal Bode nach schweren Operationen vor einigen Jahren nach wie vor mit den Folgen zu tun hat. Mit 72 Jahren ist Bode zudem der dienstälteste Bischof in der Deutschen Bischofskonferenz.
Im Bistum vermuten daher viele, dass der Rücktritt ohne die Komponenten Krankheit und Alter nicht angenommen worden wäre. Und auch Bode selbst thematisiert dies offen. In seiner Rücktrittsbegründung schreibt der Bischof, er habe „gemerkt, dass meine zunehmend angeschlagene Gesundheit es mir nicht mehr gestattet, meine Leitungsaufgaben in Osnabrück und in der Kirche in Deutschland noch weitere drei Jahre bis zur Vollendung meines 75. Lebensjahres in der für das Amt erforderlichen Weise wahrzunehmen”.
Ein letzter Hinweis ist ein Auftritt des Bischofs nach dem Rücktritt. Eigentlich meidet der Bischof gerade die Öffentlichkeit, gibt keine Interviews und beantwortet Pressefragen nicht. Kurz vor Ostern trat er jedoch bei einer Messe vor Priestern und Diakonen des Bistums auf. Dabei habe er, so steht es im Kirchenboten, gesagt, dass seine angeschlagene Gesundheit „ein wichtiger Grund für die römische Entscheidung” gewesen sei. Der künftige Reformweg der katholischen Kirche brauche demnach Kraft. Das könne er sich, so wird Bode zitiert, „gesundheitlich nicht mehr zumuten”.