Besuch bei Schaustellerfamilie Was passiert, bevor der Ostermarkt öffnet?
An diesem Wochenende findet erstmals der Ostermarkt auf dem Schützenplatz in Emden statt. Aber was machen Schausteller eigentlich, bevor die Gäste kommen?
Emden - Samstag, 12 Uhr. Einzelne Eltern mit ihren Kindern steuern auf den noch geschlossenen Ostermarkt zu. Um 14 Uhr öffnet der Rummel, die Kirmes, der Jahrmarkt – wie man es auch immer nennen möchte.
Was und warum
Darum geht es: Gloria Mondorf und ihr Mann betreiben das Fahrgeschäft Break Dance. So sieht es bei der Familie aus, bevor die Gäste kommen.
Vor allem interessant für: Jahrmarktbesucher und Interessierte.
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, was Schausteller so machen, bevor der Jahrmarkt öffnet. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Der Hauptweg führt auf den „Break Dance“ der Firma Mondorf zu. Das Fahrgeschäft selbst wurde in den 1990er Jahren gebaut, René und Gloria Mondorf besitzen es seit rund 15 Jahren. Ein paar Meter hinter dem Fahrgeschäft steht Gloria Mondorf gerade in der Küche ihres Wohnwagensn.
So unterschiedlich ist der Tagesablauf gar nicht
Die 34-Jährige stammt aus einer Schaustellerfamilie, ist im Wohnwagen und auf den Plätzen der Region groß geworden. Ihr Mann ist René Mondorf, einer der Söhne der Oldenburger Schaustellerfamilie. Beide haben zusammen zwei Kinder, die Zwillinge Julie und Jane, acht Jahre alt. Rund neun Monate pro Jahr ist die Familie im Wohnwagen unterwegs, ihre anderen „vier Wände“ sehen sie in dieser Zeit nur selten. „Ich war es nicht anders gewohnt und auch meine Kinder nicht. Wir mögen das Leben, das wir führen“, sagt Gloria Mondorf.
Doch wie lebt es sich eigentlich, im mobilen Zuhause, ständig in anderen Städten? „Sehr gut“, sagt die Oldenburgerin. Auch die enge im Wohnwagen, der zwar sehr geräumig, aber dennoch ein Wohnwagen ist, mache ihr nichts aus. „Wir kennen es ja kaum anders“, sagt sie. Und so sehr unterscheide sich der Tagesablauf dann auch nicht unbedingt von anderen Familien.
Erst die Familie, dann das Geschäft
Aufgestanden wird auf dem Ostermarkt in Emden meistens so zwischen 8 und 8.30 Uhr. „Dafür sind wir abends ja auch noch lange wach“, sagt die 34-Jährige. Wenn die Marktbesucher weg, die Fahrgeschäfte aus und die Buden geschlossen sind, ist für die Schausteller noch nicht Feierabend. Die Tagesabrechnung muss zum Beispiel noch gemacht werden.
„Morgens und vormittags gibt es eigentlich immer viel zu tun“, sagt Gloria Mondorf. Sie kümmert sich vor allem um den Haushalt, den Bürokram und um das Essen, bevor sie am Fahrgeschäft arbeitet. Ihr Mann ist vor allem für die Technik und das Handwerkliche zuständig.
Sich immer neu erfinden
Wichtig sei eine gewisse Routine im Tagesablauf. „Essen gibt es eigentlich immer um 13 Uhr, damit alle für den Tag mit den Besuchern gestärkt sind“, sagt Gloria Mondorf. Das Essen „für die Mannschaft“ an diesem Samstag: Sauerkraut mit Kartoffeln und Fleisch.
Um Ostern startet die Saison für die Schausteller, Ende ist mit dem Abbau der Weihnachtsmärkte. „Dann ist kurz Pause, bevor die Saisonvorbereitung wieder losgeht.“ Jedes Jahr müssen sich die Mondorfs für Standplätze auf Märkten bewerben, kein Platz ist gesichert. „Da muss man regelmäßig etwas verändern an den Fahrgeschäften, sonst wird man von den anderen überholt.“ Das bedeute nicht, dass man ständig neue Fahrgeschäfte anschaffen muss. Aber neues Licht, eine neue Rückwand oder auch eine Überdachung verändern das Aussehen und sorgen für Abwechslung. „Das Dach hat nur unser Break Dance“, sagt Gloria Mondorf. Auf die neue Rückwand mit der neuen Bemalung hat die Familie knapp zwei Jahre gewartet.
Der Job des Rekommandeurs
Viel Freizeit gibt es während der Saison nicht. Karfreitag als stiller Feiertag ist einer der wenigen Tage in der Saison, an denen Schausteller ein bisschen frei haben. „Eigentlich muss man aber sonst immer am Platz und präsent sein“, sagt Gloria Mondorf.
Der Ostermarkt auf dem Schützenplatz in Emden geht noch bis einschließlich Ostermontag. Am Ostersonntag geht es um 13 Uhr los, am Ostermontag um 14 Uhr. Die Lichter gehen gegen 22 Uhr aus, am Montag möglicherweise schon früher.So hat der Ostermarkt geöffnet
Es ist 12.30 Uhr, in knapp 90 Minuten wird Gloria Mondorf ihren Platz im Kassenhäuschen einnehmen. „Manchmal sitze ich auch oben, das macht mir auch Spaß“, sagt sie. „Oben“, das ist der Platz des Rekommandeurs, des „Steuerers“ der Fahrgeschäfte. An diesem Tag: Ingo Gersema. Eigentlich ist der 49-Jährige Elektroplaner, Rekommandeur ist er im Nebenjob. Seine Leidenschaft für Jahrmärkte hat er schon als Kind entdeckt. „Ich bin immer froh, wenn Ingo da ist“, sagt Gloria Mondorf. „Er macht seinen Job super und bringt mir immer ein Stück Sicherheit.“
Mehr als nur Start und Stopp drücken
Als Rekommandeur ist Ingo Gersema dafür verantwortlich, dass die Fahrt mit dem Break Dance Spaß macht. „Angefangen habe ich mal im Autoscooter, da musste ich nur Start und Stopp drücken“, sagt er. Der Break Dance sei anspruchsvoller. Nicht nur kann der große Ring, auf dem die Gondeln angebracht sind, in der Geschwindigkeit gesteuert werden. Auch die auf Kreuzen angebrachten Gondeln können sich unterschiedlich schnell drehen. „Die verschiedenen Geschwindigkeiten machen die Fahrt zu dem, was sie ist“, sagt der Rekommandeur.
Hinzu komme die richtige Auswahl der Musik. „Man ist auch DJ hier oben“, sagt der 49-Jährige. Und natürlich auch Sprücheklopfer. „Da muss man sich auch auf die Gäste einstellen“, sagt er. Ein Familiennachmittag sei anders als ein Abend mit „Partyvolk“. „Man muss bei der Musik auch immer auf dem neuesten Stand sein“, sagt die Oldenburgerin. Denn: Auch die Musik entscheidet mit darüber, ob Fahrgäste kommen und bleiben. „Es ist das Gesamtpaket.“
Was anderes machen? „Nein!“
Doch bevor die Musik angeht, stehen erstmal die täglichen Checks auf dem Programm. Jeden Tag muss eine feste Liste abgearbeitet werden, muss überprüft werden, ob irgendetwas sich anders verhält als geplant. „Wir haben bei der Probefahrt ein Klappern gehört, das beheben wir gerade“, sagt Ingo Gersema. Es sei wie beim eigenen Auto. „Wenn was anders ist als sonst, dann hört und merkt man das“, sind sich Gloria Mondorf und ihr Mitarbeiter einig. Tatsächlich gebe es dafür auch ein extra Pedal beim Rekommandeur, mit der schlagartig die Musik leise gestellt werden kann. „Falls bei der Fahrt was auffällig ist und wir hinhören müssen“, so Gloria Mondorf.
Sechs oder mehr Mitarbeiter und die eigene Familie müssen vor allem mit dem Break Dance finanziert werden. „Wir haben die Preise nicht angehoben, sondern setzen darauf, dass die Leute dann vielleicht einmal mehr fahren“, sagt Gloria Mondorf. 4 Euro kostet das Einzelticket an einem normalen Tag. Aber die Preissteigerungen machen auch nicht vor den Schaustellern Halt. „Das ganze Leben hängt an den Fahrgeschäften“, sagt Gloria Mondorf. Der Break Dance ist das größte, aber nicht das einzige Fahrgeschäft. Bekannt in emden ist vor allem das Kinderkarussell der Mondorfs, das immer auf dem Weihnachtsmarkt steht.
Würde Gloria Mondorf tauschen wollen und etwas anderes machen? „Nein!“