Bremen Der SV Werder darf sich beim FSV Mainz 05 einiges abgucken
Der ehemalige Fußball-Profi Hans-Jürgen Gundelach analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Fußball-Bundesliga und die Spiele des SV Werder Bremen. Der Torhüter kam in 194 Erst- und Zweitligaspielen für Eintracht Frankfurt, den FC Homburg und den SV Werder zum Einsatz. In Bremen, wo er später Trainer im Nachwuchsleistungszentrum wurde, beendete er 1997 seine aktive Laufbahn. Er hat sich in Hude selbstständig gemacht und ist Coach des FC Hude.
Liebe Leserinnen und Leser,
das Restprogramm des SV Werder in dieser Bundesliga-Saison hat es in sich. Am Samstag, 8. April (15.30 Uhr) geht es zum FSV Mainz 05, dann folgen Partien gegen den SC Freiburg, bei Hertha BSC, bei Schalke 04, gegen den FC Bayern, bei RB Leipzig, gegen den 1. FC Köln und bei Union Berlin. In wie vielen dieser Spiele können die Bremer Profis Punkte holen? Meine Antwort ist: Wenn es gut läuft, werden sie drei gewinnen. Dann würden sie natürlich sicher in der ersten Liga bleiben. Allerdings: Vermutlich müssen sie auch dreimal gewinnen. Leider hat sich die Mannschaft zuletzt nicht in der Form gezeigt, die einen glauben lässt, dass sie das schon schaffen wird.
Spätestens seit dem 3:0 gegen den VfL Bochum läuft es beim SV Werder nicht mehr rund. Eigentlich war ich vor den folgenden Begegnungen optimistisch gestimmt, aber dann ist viermal nicht viel herausgekommen. Auch die Hoffnung, dass Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug schon irgendwie ein Tor mehr schießen werden als der Gegner, hat sich nicht mehr erfüllt. Man weiß bei Werder gerade nicht, woran man ist. Seien wir ehrlich, auch das 2:2 bei Borussia Mönchengladbach war sehr, sehr glücklich. Die 1:2-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim, die dritte Pleite seit dem Bochum-Spiel, fand ich verdient. Bremen hat nicht gut gespielt. Das stark besetzte Hoffenheimer Team, das im Abstiegskampf eigentlich nichts verloren hat, nutzte das clever aus.
Wieder einmal hat Werder Probleme bekommen, wenn ein Konkurrent in der Offensive technisch starke, schnelle Spieler aufbieten kann. Genau deshalb ist die Partie in Mainz für die Bremer aus meiner Sicht eine Riesenaufgabe.
In Mainz wird seit vielen Jahren sensationell gute Arbeit geleistet. Mit im Vergleich zu vielen anderen Vereinen bescheidenden finanziellen Mitteln werden regelmäßig Kader zusammengestellt, die den Klassenerhalt meistens recht souverän sicherstellen – und sogar immer mal wieder im Rennen um den Einzug in die europäischen Wettbewerbe mitmischen. So wie in der laufenden Saison. Wenn die Mainzer weiter solche Leistungen abliefern wie beim 3:0 in Leipzig, traue ich ihnen allemal zu, noch auf den sechsten Tabellenplatz vorzurücken.
Diese Erfolge verdankt der FSV außer einem guten Scouting vor allem seiner hervorragenden Jugendarbeit. Der Verein bildet viele Talente aus, die in das Erstliga-Aufgebot aufrücken. Was mich beeindruckt ist, dass die Mainzer Verantwortlichen den Mut haben, diese in der Bundesliga einzusetzen. Und es freut mich, dass sich ihr Vertrauen in die jungen Spieler auszahlt. Davon darf man sich in Bremen durchaus etwas abgucken, finde ich. Auch im Werder-Nachwuchs spielen viele super Fußballer, die das Zeug haben, gute Erstliga-Profis zu werden.