Eigentümer und Betreiber wechselt  Das steckt hinter dem Verkauf des Emder Altenheims am Wall

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 06.04.2023 18:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Alten- und Pflegeheim am Wall wurde 1985 eröffnet. Es hat 72 Bewohnerinnen und Bewohner. Foto: H. Müller
Das Alten- und Pflegeheim am Wall wurde 1985 eröffnet. Es hat 72 Bewohnerinnen und Bewohner. Foto: H. Müller
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Die Bremer Specht-Gruppe übernimmt die Einrichtung und den Betrieb der Einrichtung. Für die Bewohner und das Personal soll sich nichts ändern, heißt es.

Emden - Verhandelt wurde schon länger, dennoch kommt die Nachricht überraschend: Das Alten- und Pflegeheim am Wall in Emden bekommt eine neue Eigentümerin und Betreiberin. Die Altenheimstiftung Lotto Niedersachsen als bisherige Besitzerin der Immobilie und der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Emden-Leer als Mitgesellschafter haben die Einrichtung am Heuzwinger des Emder Walls an die in Bremen ansässige Specht-Gruppe verkauft. Der Übergang soll spätestens zu 1. September dieses Jahres vollzogen werden, teilte der neue Betreiber mit. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Was und warum

Darum geht es: die Zukunft des Alten- und Pflegeheims am Wall.

Vor allem interessant für: Bewohnerinnen, Bewohner und Beschäftigte der Einrichtung sowie alle, die sich für das Wohnen im Alter interessieren.

Deshalb berichten wir: Die Heimleitung teilte vor Kurzem den Eigentümer- und Betreiberwechsel mit. Unsere Redaktion hat nachgehakt, was dahinter steckt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Die Specht-Gruppe hat insgesamt drei von bislang sechs Pflegeeinrichtungen der Lotto-Altenheimstiftung übernommen. Außer Emden sind das Häuser in Einbeck und Garbsen. Hintergrund sei, dass die Stiftung sich neu aufstellen und konsolidieren will, heißt es.

Das Personal wird komplett übernommen

Für die 72 Bewohnerinnen und Bewohner des Alten- und Pflegeheimes am Wall ändere sich nichts, teilte die Geschäftsführerin und Einrichtungsleiterin Julia Blok in einem Schreiben mit. Auch für die Beschäftigten soll sich nicht viel ändern. Es gebe langfristige Zusagen für die vollständige Übernahme des Personals mit der jeweiligen Tarifstruktur sowie für die Sicherung des Standortes, wird der geschäftsführende Vorstand der Altenheim-Stiftung, Frank Seidel, in der Fachpresse zitiert. Den Angaben zufolge hat die Specht-Gruppe auch bereits ein Konzept für die energetische Sanierung des Emder Hauses entwickelt.

Das Bremer Unternehmen bezeichnet sich selbst als mittelständisches Unternehmen. Es wird von dem Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter Rolf Specht sowie zwei weiteren Geschäftsführern geleitet. Nach eigenen Angaben ist die Gruppe seit 1988 im Gesundheits- und Pflegebereich tätig. Sie habe deutschlandweit bereits mehr als 150 seniorengerechte Immobilien gebaut, unter anderem auch in Ihrhove (Gemeinde Westoverledingen). Das Unternehmen mit seinen rund 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern projektiert und realisiert nicht nur Senioreneinrichtungen, sondern betreibt auch Pflegeheime.

Lutherischer Kirchenkreis Emden-Leer ist zufrieden

Der Erwerb der drei Pflegeeinrichtungen der Lotto-Altenheimstiftung passe „sehr gut in unsere Strategie, auch im jetzigen Marktumfeld unsere Betreiberaktivitäten auszuweiten“, wird Rolf Specht im Branchendienst Care Invest zitiert. Mit der Übernahme der Betreiberschaft setzte sein Unternehmen „ein starkes Signal, dass wir langfristig an die Standorte glauben“.

Das Altenheim liegt am Fuß des Emder Walls und nahe dem Stadtzentrum. Foto: Specht-Gruppe
Das Altenheim liegt am Fuß des Emder Walls und nahe dem Stadtzentrum. Foto: Specht-Gruppe

Überzeugt von der Zuverlässigkeit und Kompetenz des neuen Eigentümers und Betreibers des Alten- und Pflegheims am Wall in Emden äußerte sich die Superintendentin des Kirchenkreises Emden-Leer, Christa Olearius. Der Kirchenkreis sei durch die Verkaufspläne der Lotto-Altenheimstiftung als Eigentümerin der Immobilie in die Bredouille gekommen, sich nach einem neuen und finanzstarken Partner umzusehen, der das Haus weiterführt.

Das Heim am Wall soll saniert werden

Die Versuche, einen Träger aus der Diakonie zu finden, seien gescheitert. Dem Kirchenkreis selbst fehle dazu das Geld, die Expertise und auch die Manpower, um das Haus allein zu leiten, sagte Olearius dieser Zeitung. Die Specht-Gruppe werde das Heim als gemeinnützige GmbH fortführen und sei auch in der Lage, die dringend notwendige Sanierung des Heims zu stemmen.

„Die Chemie stimmt und die ethische Ausrichtung des neuen Betreibers ist auch in Ordnung“, so die Superintendentin. Der Kirchenkreis werde auch in Zukunft die Seelsorge und die Verkündigung im Heim fortsetzen. Das sei vertraglich so festgelegt worden. Auch im Beirat des Heims werde die Kirche ihren Aufgaben nachkommen können.

Der Kirchenkreis war im Jahr 2002 als Mitgesellschafterin in das Alten- und Pflegeheim am Wall eingestiegen. Zuvor war die Einrichtung seit der Eröffnung im Jahr 1985 von der Arbeiterwohlfahrt betrieben worden. Das Haus verfügt über Pflegeplätze, seniorengerechte Wohnungen und bietet auch eine Tagespflege an.

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