Erdgas-Terminal in Wilhelmshaven  Jetzt aber ohne Chlor – LNG-Terminal prüft Alternativen

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 05.04.2023 18:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das mit verflüssigtem Erdgas beladene Tankschiff „Maria Energy“ (hinten) liegt am schwimmenden Terminal, dem Spezialschiff „Höegh Esperanza“ vor Wilhelmshaven. Foto: Schuldt/dpa
Das mit verflüssigtem Erdgas beladene Tankschiff „Maria Energy“ (hinten) liegt am schwimmenden Terminal, dem Spezialschiff „Höegh Esperanza“ vor Wilhelmshaven. Foto: Schuldt/dpa
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Umweltschützern war das LNG-Terminal vor Wilhelmshaven von Anfang an ein Dorn im Auge. Nicht nur, aber auch wegen dessen Chlor-Einsatz. Jetzt scheint sich da etwas zu tun.

Wilhelmshaven - An Deutschlands erstem LNG-Terminal in Wilhelmshaven wird sich demnächst wohl etwas ändern – rein technisch gesehen und zugunsten der Umwelt. Das Unternehmen Uniper, das das Terminalschiff betreibt, ließ jüngst verlauten, man untersuche aktuell mögliche Alternativen zur Elektrochlorierung auf der „Höegh Esperanza“. Dieses Reinigungsverfahren wird von Umweltschutzgruppen stark kritisiert, da dabei auch chlorhaltige Abwässer in das Nordseewasser gelangen.

Jan Kelling ist Geschäftsführer und Mitgründer der Firma Hasytec. Foto: Hasytec
Jan Kelling ist Geschäftsführer und Mitgründer der Firma Hasytec. Foto: Hasytec

Eine Alternative, um die Seewassersysteme an Bord des Terminalschiffs frei von Muscheln und Seepocken zu halten, ist der Einsatz von Ultraschall. Ein Verfahren, das das Unternehmen Hasytec aus Kiel anbietet. Dort gab es auch schon Kontakte zur „Höegh Esperanza“. „Ja, wir haben das Schiff vor kurzem begutachtet“, berichtet Hasytec-Geschäftsführer Jan Kelling im Gespräch. Auf Einladung von Uniper sei ein Team auf dem Schiff gewesen, um zu prüfen, ob und wie die Ultraschall-Technologie dort zum Einsatz kommen könne. Aktuell würden die Ergebnisse aus der Begehung noch abgearbeitet, so Kelling, grundsätzlich gelte aber: „Unsere Technologie ist uneingeschränkt auf jedem Schiff einsetzbar.“ Sein Unternehmen habe weltweit schon rund 700 Schiffe mit der eigenen Ultraschall-Technologie nachgerüstet, vom Schlepper bis hin zu Kreuzfahrtschiffen.

Ultraschall statt Chlor

Ohne eine Reinigung der Seewassersysteme kann das Terminalschiff nicht verlässlich arbeiten. Das hat einen einfachen Grund: Wenn das verflüssigte Erdgas LNG am Terminalschiff ankommt, hat es eine Temperatur von minus 162 Grad Celsius. Um es zu erwärmen und damit in den gasförmigen Zustand zurückzuversetzen, wird durch ein Rohrsystem Meerwasser am Gas vorbeigeleitet – Nordseewasser aus der Jade in diesem Fall. Dabei erwärmt sich das Gas. Das Meerwasser läuft durch die Rohre und zurück in die Jade. Mit dem Meerwasser kommen aber auch Mikroorganismen in die Rohre, es bildet sich eine Art Film an den Innenwänden und auf diesem Film siedeln sich schließlich Muscheln und Seepocken an. Und die stören auf Dauer den Durchfluss des Wassers. Laut Uniper bestünde dann die Gefahr technischer Betriebseinschränkungen oder sogar eines längerfristigen Ausfalls des Terminals.

Auf der „Höegh Esperanza“ wird aktuell ein Reinigungsverfahren eingesetzt, an dessen Ende das durchlaufende Meerwasser mit Chlor versetzt in die Jade zurückfließt. Jan Kelling von Hasytec hält dagegen: „Unsere Technologie ist umweltfreundlich und nachhaltig, weil sie keine Biozide oder Schwermetalle ins Meer abgibt.“ Einfach gesagt, verhindert sein Verfahren schon die Entstehung des Films an den Innenseiten der Rohre, da kann sich dann also gar nichts größeres mehr ansiedeln. Tatsächlich, sagt Kelling, werde sein Unternehmen das zweite schwimmende LNG-Terminal für Wilhelmshaven, die „Excelsior“, auf die Ultraschall-Technologie umrüsten. Der Auftrag sei gerade eingegangen. Kostenpunkt: rund drei Millionen Euro. Die „Excelsior“ soll noch in diesem Jahr südlich der „Esperanza“ an einem zweiten Anleger festmachen. Betreiber ist in diesem Fall das Konsortium um das Unternehmen Tree Energy Solution (TES).

Ob die „Esperanza“ tatsächlich mit der Ultraschallmethode von Hasytec nachgerüstet wird, ist noch offen. Uniper selbst erklärte, es werde eine Vielzahl von chemischen, biologischen, physikalischen, mechanischen und weiteren Verfahren untersucht und bezüglich einer Tauglichkeit für die „Höegh Esperanza“ unter verschiedensten Gesichtspunkten bewertet. Das Ultraschallverfahren sei dabei nur eine der in Untersuchung befindlichen Alternativen, genauso wie eine mögliche Stoßchlorierung. Dabei handelt es um den gezielten Einsatz von Chlor, wenn Rohre schon bewachsen sind. Also nicht wie jetzt im Dauerbetrieb. Mit Ergebnissen dieser Alternativprüfungen rechnet Uniper für das dritte Quartal 2023. Allerdings gibt es auch behördlichen Druck: Die niedersächsische Genehmigungsbehörde hat Uniper verpflichtet, bis zum Sommer Vorschläge zu machen, wie der Biozid-Einsatz verringert werden kann.

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