Berlin Gendern mit Super Mario: Hat das Pilzwesen Toad ein Geschlecht?
Im neuen „Super Mario Bros. Film“ spricht Keegan-Michael Key das Pilzwesen Toad. Im Interview spricht er über Vielfalt und Repräsentation im Trickfilm – und über das Geschlecht seiner Figur.
30 Jahre nach dem spektakulären Kino-Flop „Super Mario Bros.“ kommt eine neue Version des Nintendo-Spiels auf die Leinwand. Im Titel klingt der „Super Mario Bros. Film“ fast wie der erste Versuch; ansonsten ist aber alles ganz anders: Diesmal ist die Geschichte animiert, kindgerecht und viel, viel näher am Videospiel.
Die Stimmen der Trickfiguren stammen von Superstars. Das Pilzwesen Toad wird von Keegan-Michael Key gesprochen. Vor der Filmpremiere stand er uns und anderen Journalisten in einer Interview-Runde Rede und Antwort:
Frage: Als Marke der 80er Jahre bieten die „Super Mario Bros.“-Spiele nicht allzu viele weibliche Figuren. Sie sprechen Toad. Hat dieses Pilzwesen eigentlich ein Geschlecht oder hätte er auch ein Mädchen sein können?
Antwort: Wir haben nicht groß darüber diskutiert, ob Toad ein Junge oder ein Mädchen wird. Wir haben ihn einfach zum Jungen gemacht, auch wenn er eine superhohe Stimme hat, die bis hinauf in die Stratosphäre fiept.
Frage: Welche Rolle spielen Diversity und Repräsentation denn allgemein bei der Besetzung von Animationsfilmen?
Antwort: Gerade Animationsfilme sind eine Möglichkeit, mehr Vielfalt zu erproben – weil ganz viele Figuren dies oder das sein könnten, welches Geschlecht auch immer. Besonders bei diesen fantastischen Kreaturen. Das könnten und sollten wir wahrscheinlich noch mehr machen.
„Der Super Mario Bros Film“ des Jahres 2023 – hier sehen Sie den Trailer:
Frage: Toad ist ein furchtloser kleiner Kerl, der es mit den übelsten Finsterlingen aufnimmt. Ist das die Haltung, mit der Sie selbst Videospiele angehen?
Antwort: Ich wünschte, ich wäre furchtloser. Manchmal denke ich, dass ich mehr riskieren müsste. Ich frage immer nur nach den Regeln, statt einfach auszuprobieren. So funktionieren Videospiele: Man muss ein bisschen versagen, um besser zu werden. Versagen, verbessern, versagen, verbessern.
Frage: Sie synchronisieren sehr viele Animationsfilme. Was ist der Trick dabei?
Antwort: Bei Animationsfiguren muss man immer dicker auftragen als bei einer realen Rolle. Man gibt also immer alles. Es gibt immer etwas Persönliches, mit dem man andocken kann – aber man muss voll draufdrücken. Hier ist nicht der Platz für Feinheiten. Du musst alles rausblasen, die Figur so weit wie möglich treiben – und dann zu dem Punkt zurückholen, der die Geschichte unterstützt.
Antwort: Toads Stimme liegt derart weit über meiner eigenen, dass ich auch technisch daran arbeiten musste. Wie schafft man es, die ganze Zeit wie auf Helium zu klingen? Ich habe für meine Stimme viel Tee getrunken. Richtig enge Hosen schaden dann auch nicht.
Frage: Animierte Figuren sind die perfekten Komiker; sie haben das beste Timing, den genialsten Gesichtsausdruck, die lustigste Gesten. Was können Sie von Toad lernen?
Antwort: Die Kunst der Übertreibung. Das mache ich auch vor der Kamera. Ich übertreibe die Rolle weit über das hinaus, was ich selbst für sinnvoll halte. Dabei finde ich immer etwas, das ich mitnehme, wenn ich das Tempo wieder drossle. Wenn man nie über das Ziel hinausschießt, wenn man immer im vernünftigen Bereich bleibt, dann entsteht nichts. Sowas braucht Mut und diesen Mut geben mir meine animierten Figuren.
Frage: Wie ist die Zusammenarbeit mit den Kollegen bei der Animation?
Antwort: Es gibt keine Zusammenarbeit! Wir waren alle für uns allein in Tonkabinen auf den verschiedensten Orten der Welt. Was ein Jammer ist. Mit einem Anspielpartner zu drehen, ist immer das Beste. Wir haben erst im fertigen Film gesehen, auf was wir da eigentlich reagieren. Dass es so gut funktioniert, haben wir der Regie zu verdanken.
Frage: Die „Super Mario“-Spiele haben Generationen von Kindern geprägt. Kann der Film denselben Einfluss entwickeln?
Antwort: Das kann er, vor allem für kleine Kinder bis hin zu den Teenagern. Selbst wenn sie die Filme schon kennen. Prinzessin Peach zum Beispiel ist in den Spielen eine wirkungslose Figur; im Film ist sie die geborene Anführerin, sie ist mutig und beharrlich – und ein tolles Vorbild für Mädchen. Im Spiel ist Peach die Jungfrau in Not, die nur darauf wartet, gerettet zu werden.
Frage: Können Sie sich noch erinnern, mit welchem Videospiel Sie die „Super Mario“-Welt kennengelernt haben?
Antwort: Mit dem Gangster schlechthin: Donkey Kong, das war das erste Spiel, in dem Mario auftauchte. Ich habe Donkey Kong schon auf den Arcade-Automaten gespielt und später dann zu Hause, immer wieder, bis mein Fernseher gerufen hat: Bitte aufhören, ich kann nicht mehr!
Frage: Die „Mario“-Spiele kommen ohne große Geschichte aus. Trotzdem muss man im Kino nah am Stoff bleiben. Was heißt Werktreue bei einem Jump’n’Run-Spiel?
Antwort: Man muss mit den Kleinigkeiten genau sein, mit den Sounds, den Gesten, den Sprüchen. Wenn Mario „Wohooo!” ruft oder „Let’s-a-go!”. Das muss sitzen. Dass man sich mit keiner komplexen Geschichte auseinandersetzen muss, hilft sogar – weil die Autoren alle Freiheiten hatten. Alles, was vorkommen musste, war ein Typ, der durch eine Menge Röhren flitzt. Den Rest konnten wir erfinden.
Frage: Wenn Sie sich eine Superkraft aussuchen könnten, welche wäre es?
Antwort: Die gute alte Pilz-Superkraft, die einen größer werden lässt. Dann würde ich in den Supermarkt gehen, einen Pilz einwerfen und mühelos die obersten Regale leeren.
Filmstart: „Der Super Mario Bros. Film“ kommt am Mittwoch, 5. April 2023, bundesweit in die Kinos.