Klare Kante  Beschämendes Schauspiel von Opportunismus

Dieter Weirich
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Eine Kolumne von Dieter Weirich
| 06.04.2023 09:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Unser Kolumnist knöpft sich heute mal den Sport vor – insbesondere das Internationale Olympische Komitee. So viel sei schon einmal verraten: Die obersten Funktionäre kommen dabei nicht gut weg.

Heute ist Welt-Olympiatag, ein an die Wiederkehr der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 erinnernder Gedenktag. Man darf von einer Lobpreisung der völkerverbindenden Kraft des Sports durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) ausgehen. Statt hehrer Bekenntnisse sollte sich die globale Sportorganisation von 115 Ländern die Olympische Charta vor Augen führen. Danach soll der Sport in den Dienst der harmonischen Entwicklung der Gesellschaft gestellt werden, „um eine friedliche Gesellschaft zu fördern, die der Wahrung der Menschenwürde verpflichtet ist“.

Menschenrechtsverletzungen hat der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach in der Vergangenheit selten thematisiert. Jetzt plädiert er zusammen mit dem IOC-Präsidium gegen den Willen der deutschen Regierung und der Athleten und der Europäischen Union dafür, Sportler aus Russland und Putins Vasallenstaat Belarus zu den Olympischen Spielen in Paris zuzulassen. Für Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko ist das IOC damit „moralisch tot“.

Bach, der einstige Olympiasieger im Fechten, gibt sich strikt unpolitisch, spielt die Rolle des Naiven auf der Bühne des Weltsports. Es stehe den Regierungen nicht zu, zu entscheiden, wer an der Olympiade teilnehmen dürfe. Mit einer Blockade der Russen werde die Einheit des Weltsports zerstört.

Der gelernte Jurist, ein raffinierter Netzwerker von hohen Gnaden, fühlt sich auf den roten Teppichen der Autokraten dieser Welt wohl, bei den Olympischen Spielen in Sotschi gab es kein Wort zu den Menschenrechten, auch das russische Staatsdoping war eher ein nebensächliches Thema. Devot waren auch die Auftritte bei den Winterspielen gegenüber dem chinesischen Machthaber Xi Jinping.

Wie dem mit ihm befreundeten Fifa-Chef Gianni Infantino geht es Bach vor allem darum, seine interne Verbandsmacht zu stärken. Die Funktionäre aus Asien und Afrika interessiert der Krieg gegen die Ukraine herzlich wenig. Ein beschämendes Schauspiel von Opportunismus.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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